{"id":207,"date":"2019-06-24T06:54:41","date_gmt":"2019-06-24T06:54:41","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=207"},"modified":"2019-07-05T06:28:06","modified_gmt":"2019-07-05T06:28:06","slug":"trainingslauf-eifelultramarathon-51-km-1000-hm-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=207","title":{"rendered":"Trainingslauf &#8211; Eifelultramarathon 51 km 1000 HM"},"content":{"rendered":"\n<p>Noch vor 2 &#8211; 3 Jahren lief ich ausschlie\u00dflich Marathon, hatte es noch n\u00f6tig in 2 Marathons pro Jahr meine Bestzeit zu jagen. Als ich dann von Ultral\u00e4ufern h\u00f6rte,  die an vielen Wochenenden an Marathon- oder gar Ultrawettk\u00e4mpfen zu Trainingszwecken teilnahmen und dabei auch noch kaum langsamer waren als ich, war ich erstaunt. Obwohl ich nicht wenig trainierte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie man an so vielen Wettbewerben teilnehmen kann, und so viel laufen kann. Das lag absolut au\u00dferhalb meiner Vorstellung, faszinierte mich aber zugleich. F\u00fcr mich hatten diese Ultral\u00e4ufer damals, das gebe ich hiermit zu, einen &#8222;ordentlichen Sprung in der Sch\u00fcssel&#8220;. Meine 83 j\u00e4hrige Mutter er\u00f6ffnete  mir \u00fcbrigens k\u00fcrzlich, dass es ihr peinlich sei, ihren Freundinnen und Schwestern von meiner Lauferei zu berichten, da diese das absolut nicht verst\u00fcnden und mich f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rten oder als laufs\u00fcchtig. Kann ich absolut verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen kam es anders. Obwohl bei der Marathonbestzeitenjagd das Ende der Fahnenstange bei weitem nicht erreicht war, wurde mir klar, dass ich jetzt und nicht erst sp\u00e4ter Ultralaufen will und muss. Nat\u00fcrlich gab und gibt es in mir auch einen Anteil, der den vers\u00e4umten Marathonbestzeiten nachtrauert, aber wat mut dat mut. <\/p>\n\n\n\n<p>Mitte August steht der Mauerweglauf an, der mit 161 Kilometern der l\u00e4ngste Lauf meines bisherigen Lebens werden wird. In der Vorbereitung nehmen die Langen L\u00e4ufe einen entsprechenden Stellenwert ein. So sehr ich diese Lalas liebe, das lange eher langsame durch die s\u00fcdpf\u00e4lzer Weinberge  laufen, so schwierig finde ich die Organisation der Ern\u00e4hrung. Gerade wenn es w\u00e4rmer ist brauche ich viel zu trinken. Und ich laufe nicht so gerne kleinere Runden zu meinem Auto, in dem ich dann Trinken lagerte, auch laufe ich ungern nach 30 Kilometern nach Hause um Wasser nachzutanken und dann wieder loszulaufen.  So kam die Idee meine Lalas auf Wettk\u00e4mpfe zu verlegen. Also habe ich &#8222;die Fronten gewechselt&#8220;, geh\u00f6re jetzt also selber zu denen mit ordentlichem &#8222;Sprung in der Sch\u00fcssel&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich wollte ich den Eifelultralauf mit meiner Familie als ein sch\u00f6nes Wochenende in der Eifel verbringen, aber ein Auftritt meines Ensembles machte einen Strich durch die Rechnung. Ich spiele Cello in einem Ensemble, in dem wir eigene Musik mit krummen Rhythmen spielen, und Samstag Abend traten wir auf. Also fuhr ich Sonntag Morgen alleine in die Eifel nach Waxweiler.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht hat es geregnet, zum Start ist es sonnig warm, aber nicht hei\u00df, etwa 20 Grad. Vor dem Start sitze ich in der Halle, trinke noch einen Kaffee. Ich habe 2 Gels und einen Fotoapparat dabei. Man sieht die \u00fcblichen verd\u00e4chtigen Ultral\u00e4ufer, aber auch einige Neulinge. Diese erkennt man an ihrer \u00fcberbordenden \u00fcbertriebenen, absolut neuen Ausr\u00fcstung. Sie haben trotz der alle 3 &#8211; 5 Kilometer vorhandenen Verpflegungsstationen einen Trinkrucksack bei sich.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Wettkampf habe ich mir vorgenommen langsam zu laufen und m\u00f6glichst wenig zu gehen. In dieser Woche habe ich bereits 75 Trainingskilometer auf dem Buckel, habe nicht getapert, in der Praxis (Beruf) viel gearbeitet und eher wenig geschlafen. Ich m\u00f6chte m\u00f6glichst konstant, nicht am Limit laufen und mehr als 5 Stunden brauchen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0041-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-227\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0041-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0041-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0041-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich stelle mich am Startblock etwa in die Mitte des Feldes, da die schnellen Marathonl\u00e4ufer einfach schneller sind als ich, und unterhalte mich mit anderen L\u00e4ufern. Ohne gro\u00dfes Theater wird von 10 heruntergez\u00e4hlt und dann geht es los. Nach dem Start geht es erst etwa 2 Kilometer eine Stra\u00dfe entlang zu einem Wendepunkt und wieder zur\u00fcck nach Waxweiler, aber auch schon da leicht h\u00fcgelich. Auf den ersten Kilometern muss ich mich stark einbremsen und muss an die laufende Wette denken, die ich mit meinem Sohn habe: Sollte ich beim Mauerweglauf in den ersten 120 Kilometern mehr wie 2 Kilometer schneller als 6 Minuten pro Kilometer laufen (Ausnahme absch\u00fcssiges Gel\u00e4nde), so verpflichte ich mich, den n\u00e4chsten Kandelmarathon mit Eselsm\u00fctze zu laufen. Meine Frau hat auch schon eine Strickanleitung f\u00fcr Eselsm\u00fctzen aus dem Internet gezogen. Da sie unserem Sohn eine  wundersch\u00f6ne Monsterm\u00fctze gestrickt hat, traue ich ihr auch diese &#8222;Abscheulichkeit&#8220; zu.  Ein Tempo schneller wie 6 Min\/km w\u00e4ren in Berlin Harakiri, deswegen wird mir das dort wohl gelingen, denke ich. Aber auf den ersten Kilometern wird es schwer. In der Zeit, die ich nach dem Start brauche um die Wettkampfnervosit\u00e4t abzulegen ist das Risiko diese Wette zu verlieren am h\u00f6chsten. Hier beim Eifelultralauf h\u00e4tte ich auf den ersten Kilometern die Wette bereits verloren. Erst nach 2 &#8211; 3 Kilometern bin ich im Wettkampf angekommen und laufe ruhig, gleichm\u00e4\u00dfig in angemessenem Tempo. <\/p>\n\n\n\n<p>Mir f\u00e4llt ein Marathonl\u00e4ufer mit angeleintem Hund auf, diesen Wettkampf wollen sie also gemeinsam bestreiten. Finde ich gut, dass das bei manchen Wettk\u00e4mpfen geht. Sehe ich kein Problem dabei, wenn die Hunde gut erzogen sind. Da dieser Hund an seinem Herrchen angeleint ist, d\u00fcrfte das wohl kein Problem sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0044-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-229\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0044-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0044-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p> Zur\u00fcck in Waxweiler geht es st\u00e4rker h\u00fcgelig weiter. Auf einer kleinen gesperrten Stra\u00dfe kommen weitere vorerst noch k\u00fcrzere Steigungen. Ich nehme f\u00fcr diese Tempo heraus und tripple sie langsam herauf. Von der Stra\u00dfe weg geht es auf einen Wiesenweg. Vom n\u00e4chtlichen Regen ist diese etwas aufgeweicht aber gut laufbar. Ich habe meine Stra\u00dfenlaufschuhe an (Salming Lite) und komme mit diesen gut zurecht. \u00dcber eine niedliche Br\u00fccke geht es in den Wald. Alle B\u00e4ume und Wiesen sind saftig gr\u00fcn, man h\u00f6rt st\u00e4ndig V\u00f6gel zwitschern, die Aussicht ist einfach toll, gr\u00fcne, \u00fcppige Weite. Aus dem Wald geht es auf eine Wiese wieder auf eine Stra\u00dfe und auf dieser kurz und steil bergauf. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0046-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-230\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0046-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0046-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0046-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dem Boden sind jeweils Pfeile mit &#8222;Hinweg&#8220; und &#8222;R\u00fcckweg&#8220; gezeichnet. Diesen Teil der Strecke werden wir also zur\u00fccklaufen. Da die Landschaft so wundersch\u00f6n ist, macht es mir nichts aus, diese 2 Mal zu sehen. Mal wieder geht es hoch in ein Dorf und von dort aus weiter hoch in den Wald und im Wald wieder herunter. Ich f\u00fchle mich gut, die Beine sind leicht, ich kann mich aber nicht treiben lassen, muss aber st\u00e4ndig in mich herein sp\u00fcren und mein Tempo immer wieder der Strecke anpassen. Wenn es bergab geht werde ich automatisch schneller und behalte dieses Tempo auf der Ebene, bemerke dann, dass ich bei der n\u00e4chsten Steigung zu heftig atmen muss, und verringere dann wieder mein Tempo. Der Wald ist k\u00fchl, \u00fcppig gr\u00fcn. Nach einer Kurve kommt eine l\u00e4ngere und steilere Steigung bei er au\u00dfer mir alle L\u00e4ufer gehen, ich tripple in kleinen Schritten hinauf. Im Training versuche ich Steigungen zu laufen aus Trainingszwecken, bei Wettk\u00e4mpfen gehe ich wo es sinnvoll ist. Dieser Wettkampf z\u00e4hlt f\u00fcr mich aber als Training, also laufe ich. Oben angekommen geht es genauso steil und lang wieder herunter. Ein bi\u00dfchen grauht mir vor dem R\u00fcckweg, weil ich wei\u00df, dass ich diese Bergabpassagen mich werde hochqu\u00e4len m\u00fcssen. An manchen Stellen ist der Boden sehr weich vom Regen, aber es geht, meine F\u00fc\u00dfe finden immer einen guten Tritt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0047-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-231\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0047-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0047-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0047-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle 3 bis 5 Kilometer gibt es Getr\u00e4nkestationen mit so ziemlich Allem, was das L\u00e4uferherz begehrt. Immer stehen genug nachgef\u00fcllte Becher bereit und die Helfer sind sehr freundlich engagiert. Ich trinke Wasser, bedanke mich und laufe weiter. Die zweite &#8222;Rampe&#8220; kommt, eine l\u00e4ngere, steilere, schwerer zu laufende Steigung und Senkung. Wegen matschigem Untergrund muss man hier mehr aufpassen nicht hinzufallen, geht aber. Der Weg ist eng, \u00fcberholen kann man nicht, ist aber nicht schlimm, so ruhe ich etwas aus und bleibe f\u00fcr einige Zeit hinter den langsameren L\u00e4ufern. Als der Weg breiter und ebener wird, \u00fcberhole ich und laufe meinen Stiefel. Weiterhin besteht die Strecke aus Wiesen, W\u00e4ldern und Vogelgezwitscher in allen Variationen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0050-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-237\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0050-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0050-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Irgendwann demn\u00e4chst werden uns die Halbmarathonis entgegen kommen, da der Halbmarathon etwa auf halber Strecke im Schloss Hamm gestartet wird. Und auf einem matschigen engen Weg ist es soweit. Die F\u00fchrenden Halbmarathonis rennen uns entgegen. Es ist eng f\u00fcr uns, geht aber irgendwie, Alle machen etwas Platz und so kommt man aneinander vorbei. Zu meinem Erstaunen haben nicht wenige Halbmarathonis einen Trinkrucksack. Kann ich nicht verstehen, so viele Getr\u00e4nkestationen wie es gibt. &#8222;Cornelius das sind Laufanf\u00e4nger, die wissen es noch nicht besser&#8220;, sagte mir Laufkumpel Herman ein paar Tage sp\u00e4ter bei einer unserer zahlreichen gemeinsamen 40 Kilometerrunden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0051-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-232\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0051-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0051-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Allm\u00e4hlich kann man die Stimme eines Sprechers h\u00f6ren, Schloss Hamm ist also nicht mehr weit. Dortwurde der Halbmarathon gestartet. F\u00fcr einige Kilometer geht es dann die Strecke der Halbmarathonis entlang, bis eine Abzweigung f\u00fcr die Ultras kommt. Schloss Hamm sieht majest\u00e4tisch aus. Man l\u00e4uft durch ein gro\u00dfes Tor herein. Im Schlosshof steht ein Sprecher mit Mikrophon. Ihm scheint langweilig zu sein, jedenfalls kommentiert er jeden L\u00e4ufer und so ziemlich jedes Detail. Im Schlosshof gibt es zudem eine Getr\u00e4nkestation und eine Gruppe von Dudelsackspielern, die gerade Pause machen (Uff, Gl\u00fcck gehabt). Auf der anderen Seite des Schlosshofes geht es wieder heraus. Ich bin noch nie bei einem Wettkampf durch ein solches Schloss gelaufen, ist eine Premiere. Es geht einen Weg hinunter zu einer Stra\u00dfe und dann diese entlang \u00fcber eine Br\u00fccke durch ein Dorf. Bald wird die &#8222;Ultraabzweigung&#8220; kommen, dort muss eine heftige, steile, lange &#8222;Rampe&#8220; kommen. Ich nehme ein Gel zu mir. Es ist von der gleichen Firma wie meine Fl\u00fcssigkohlenhydrate. Es geht direkt durch den Magen in den Darm, deswegen wird mir davon nicht \u00fcbel, aber auch bei diesem Gel merke ich, dass ich es nicht auf Dauer nehmen darf. Ich muss mir also beim Mauerweglauf die Fl\u00fcssigkohlenhydrate auf der Strecke mixen. Mein Bauch ist aber gef\u00fcllt. Der Weg geht von der Stra\u00dfe weg und, wie soll es anders sein, bergauf. Nach einiger Zeit kommt ein See und man l\u00e4uft am See entlang in einem schattigen Wald. Es hat 22 Grad, Sonne, also nach wie vor idelales Laufwetter.  Nachdem der See halb umrundet ist kommt die Ultraabzweigung. Die \u00fcbrigen L\u00e4ufer umrunden den See ganz. Die Ultras biegen rechts ab auf eine Zusatzrunde \u00fcber einen Parkplatz einen asphaltierten Weg entlang in Richtung h\u00fcgeligen Wald. Am Waldrand biegt ein Weg von rechts in den Hauptweg. Auf dem Boden ist ein Pfeil zur\u00fcck mit &#8222;R\u00fcckweg&#8220; und ein zweiter Pfeil in meine Richtung mit &#8222;Hinweg&#8220; zu sehen. Die Streckenmarkierung ist bei diesem Lauf vorbildlich. Und nun kommt sie die Rampe. Es geht lange steil bergauf. Die erste H\u00e4lfte laufe ich, den Rest gehe ich. Ich m\u00f6chte mich nicht v\u00f6llig verausgaben bei diesem Lauf. Deswegen gehe ich. Etwa befinde ich mich jettzt bei Kilometer 27. Sobald die Steigung etwas nachl\u00e4sst tripple ich wieder los. F\u00fcr einige Kilometer geht es jetzt immer wieder bergauf. Am H\u00f6hepunkt bevor es bei der &#8222;Ultrazusatzrunde&#8220; wieder herunter geht wird der Weg stark vermatscht morastig. Zum Gl\u00fcck nur f\u00fcr 20 bis 30 Meter. Bei jedem Schritt l\u00f6sen sich meine F\u00fc\u00dfe nur schwerf\u00e4llig und zudem mit einem lauten &#8222;Blubb&#8220; vom Boden. Meine F\u00fc\u00dfe bleiben aber trocken. Jetzt geht es bergab. Die n\u00e4chste Getr\u00e4nkestation fotografiere ich. &#8222;Dir scheint es ja noch gut zu gehen, wenn du sogar Zeit f\u00fcr Fotos hast&#8220; sagt einer der beiden Standw\u00e4rter. &#8222;Ja, ich bin nicht am absoluten Limit&#8220; antworte ich, trinke Wasser und laufe weiter.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0060-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-233\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0060-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0060-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0060-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor mir l\u00e4uft ein nach vorne gebeugter L\u00e4ufer mit platschnassem Oberk\u00f6rper. Einige Zeit laufen wir zusammen, bis ich ihn \u00fcberhole. Meine Beine werden schwerer, ich bin nicht am Limit, aber wohl etwas zu nah dran. Egal, Tempo herausnehmen und weiter, die Ultrazusatzrunde beenden und dann zur\u00fcck. Das stetige Bergab l\u00e4uft sich alles Andere als angenehm. Ist halt so. Irgendwann kommen wir wieder zum Hauptweg, diesmal folge ich dem &#8222;R\u00fcckweg &#8211; Pfeil&#8220;. Zur\u00fcck geht es durch Wiesen zum Parkplatz, \u00fcber eine Stra\u00dfe, bei der von Helfern die Autos f\u00fcr die L\u00e4ufer angehalten werden zur gemeinsamen Strecke der (Halb) Marathons. Es geht am See entlang nur auf der anderen Seite. Meine Oberschenkel schmerzen etwas, macht aber nichts, laufen geht noch gut und ist auch kein Vergleich zu den Schmerzen, die ich beim WHEW vor ich glaube 5 Wochen hatte.  Ich \u00fcberhole zunehmend  mehr L\u00e4ufer. Da ich 100 Kilometer gew\u00f6hnt bin, bin ich zwar m\u00fcde, aber l\u00e4ngst nicht so m\u00fcde, wie die anderen L\u00e4ufer, deren Limit 51 Kilometer sind. Auf der Terrasse eines Hotels, das direkt am See liegt, sitzen Besucher, trinken, essen und sehen schweigend den L\u00e4ufern zu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0054-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-234\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0054-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0054-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach Beendigung der Seeumrundung geht es wieder die Stra\u00dfe und dann den Waldwegentlang wie beim Hinweg. Wir durchqueren wieder den Schlosshof von Schloss Hamm. Ich trinke Wasser, der Sprecher kommentiert dies, ist mir doch egal, so am Limit bin ich nicht, dass mich das nervt, und weiter.  <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des n\u00e4chsten Dorfes h\u00f6re ich lautes Gebell. An einem Getr\u00e4nkestand ist der Marathonl\u00e4ufer mit seinem angeleinten Hund. Dieser bellt einen am Getr\u00e4nkestand liegenden Hund an. Der L\u00e4ufer zieht ihn weiter. Ich trinke, verschnaufe kurz und laufe weiter. Will den L\u00e4ufer mit Hund \u00fcberholen. Im Moment des \u00dcberholen passiert es: Der Hund sieht mich, springt mich an und ich sp\u00fcre seine Z\u00e4hne in meiner linken Hand. Ich lasse einen lauten Br\u00fcller los. Zur gleichen  Zeit zieht das Herrchen seinen Hund zur\u00fcck und ich laufe weiter. Beim Training in den heimischen Weinbergen gibt es immer wieder kleine Hunde, die, sobald ich vorr\u00fcber gelaufen bin, pl\u00f6tzlich laut bellend auf mich zu rennen. Ich habe mir angew\u00f6hnt in diesen F\u00e4llen die Arme hoch zu heben und mit einem lauten &#8222;roar&#8220; auf Herrchen oder Frauchen und Hund zuzurennen. Immer bremst der Hund, guckt verwirrt, stoppt und rennt zur\u00fcck in den  Schutz von Frauchen oder Herrchen. Auch diese sind verwirrt und erschrecken. Sollen sie auch, h\u00e4tten sie mal ihren Hund besser erzogen&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Meter weiter ist eine L\u00e4uferin. Beim \u00dcberholen gr\u00fc\u00dfe ich sie. &#8222;Der hat schon vorhin \u00c4rger gemacht&#8220; sagt sie in Bezug auf dem Hund. &#8222;Ja aber das darf nicht passieren&#8220; antworte ich. &#8222;Entweder ist der Hund gut erzogen oder er darf hier nicht mitlaufen&#8220;. Ich laufe weiter. Mein Puls ist von 145 auf 175 gestiegen. Ich bin w\u00fctend und schimpfe innerlich vor mich hin, denke mir aber dann &#8222;nichts passiert, jetzt bist du wach, weiter \u00e4rgern bringt nix, genie\u00df des Lauf&#8220;, auch wieder wahr, also lasse ich los und laufe in dieser spektakul\u00e4ren Landschaft weiter, genie\u00dfe sie.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0049-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-236\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0049-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0049-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0049-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Br\u00fccke geht es wieder in den Wald. Auf den n\u00e4chsten Kilometern kommen weitere &#8222;Rampen&#8220;. Auf dem Hinweg konnte ich die Passagen nur in kleinen Trippelschritten heruntertrippeln, sie waren zudem ziemlich lang. Ein Mountainbikefahrer \u00fcberholt mich, er hat ein Organisationsshirt an, geh\u00f6rt also zum Lauf. &#8222;Vielleicht \u00fcberhole ich ihn bei der n\u00e4chsten Rampe&#8220; denke ich mir spa\u00dfhalber. Und tats\u00e4chlich: Schwerf\u00e4llig schiebt er sein schweres Mountainbike hinauf. Ich gehe z\u00fcgig hinauf und \u00fcberhole ihn kurzzeitig. Genauso steil geht es auf der anderen Seite hinunter, weiter, wieder hinauf und hinunter. An der n\u00e4chsten Getr\u00e4nkestation entdecke ich im Hintergrund einen Luxusgasgrill, Fleisch liegt gerade auf der hei\u00dfen Flamme. &#8222;So vertreiben die sich also die Zeit&#8220; denke ich mir und schmunzle in mich hinein. Ich werde zunehmend m\u00fcder, \u00fcberhole aber nach wie vor einige L\u00e4ufer, einfach weil diese noch m\u00fcder sind als ich. Es geht auf dem Wald heraus, durch ein Dorf die Stra\u00dfe entlag hoch und runter. Es kommt die Abweigung, an der die L\u00e4ufer auf dem Hinweg herkamen, die letzten paar Kilometer geht es an der Stra\u00dfe weiter. Der Mountainbikefahrer sitzt am Stra\u00dfenrand, gr\u00fc\u00dft mich und sagt &#8222;jetzt kommt nur noch eine gro\u00dfe Steigung&#8220;. Ich bedanke mich und laufe weiter. Eine Bergziege werde ich in diesem Leben nicht mehr. Obwohl ich zu Hause in der S\u00fcdpfalz landschaftsbedingt pro 10 Kilometern Strecke etwa 100 H\u00f6henmeter mitnehmen muss, f\u00e4llt mir nach wie vor ab einem bestimmten M\u00fcdigkeitsgrad jede Steigung ungeheuer schwer. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0069-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-238\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0069-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0069-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0069-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf den n\u00e4chsten 1,5 Kilometern sehe ich einige L\u00e4ufer vor mir diese letzte Steigung hochgehen. &#8222;Die holst du nicht mehr ein&#8220; denke ich mir, &#8222;die sind zu weit weg&#8220;, laufe aber den gr\u00f6\u00dften Teil dieser hinauf. Am h\u00f6chsten Punkt sieht man weit unten Waxweiler, ich beschleunige bergab und hole die L\u00e4ufer nach und nach ein, gr\u00fc\u00dfe sie, und laufe weiter. Der &#8222;Zielsprecher&#8220; wird immer lauter. Ich erreiche Waxweiler, komme nach eingen Kurven auf die Zielgerade und lege sogar noch einen Endspurt hin, habe ich schon sehr lange nicht mehr machen k\u00f6nnen. Dann  laufe ich \u00fcber die Ziellinie und berichte den Helfern vom Hundeangriff. Von 77 m\u00e4nnlichen Startern werde ich mit 5:03:42 Minuten Gesammt &#8211; 20. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0071-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-239\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0071-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0071-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/DSCN0071-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Eifelultramarathon ist ein wundersch\u00f6ner, toll organisierter Landschaftslauf. Durch das sofortige st\u00e4ndige hoch und runter ist er l\u00e4uferisch anspruchsvoll. S\u00e4mtliche Helfer sind engagiert, es gibt zahlreiche, gut best\u00fcckte Getr\u00e4nkest\u00e4nde, etwa alle 3 &#8211; 5 Kilometer, f\u00fcr den Hundangriff k\u00f6nnen die Organisatoren nichts. Wenn es passt, nehme ich an diesem Lauf gerne wieder teil. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor 2 &#8211; 3 Jahren lief ich ausschlie\u00dflich Marathon, hatte es noch n\u00f6tig in 2 Marathons pro Jahr meine Bestzeit zu jagen. 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