{"id":24,"date":"2018-11-01T14:09:27","date_gmt":"2018-11-01T14:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=24"},"modified":"2019-04-30T10:56:38","modified_gmt":"2019-04-30T10:56:38","slug":"hochmut-kommt-vor-den-fall-nicht-immer-100-km-runwinschoten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=24","title":{"rendered":"Runwinschoten 100 km"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"text-align:left\" class=\"has-large-font-size\"><strong>Hochmut kommt vor den Fall\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>nicht immer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorspiel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als ersten 100 km Lauf 10 Mal 10 Kilometer zu laufen ist verr\u00fcckt, ich wei\u00df. \u201eCornelius mach das nicht, du kommst st\u00e4ndig am Ziel vorbei, musst aber weiterlaufen bei zunehmender Erm\u00fcdung\u201c sagte mein Laufkumpel Hermann bei einer unserer regelm\u00e4\u00dfigen gemeinsamen Laufrunden. \u201eVor Jahren habe ich in Brandenburg einen 100er, den man in 5 km Runden laufen musste, bei Kilometer 50 aufgegeben\u201c. Ich wundere mich. Wie kann man einen 100 Kilometerlauf nach 50 Kilometern aufgeben? M\u00fcdigkeit kommt und man muss halt weiterlaufen. Ja, es ist mental schwieriger bei Rundenl\u00e4ufen, aber trotzdem&#8230;.&nbsp;&nbsp;Ich h\u00f6rte zu und schwieg. In Sachen Ultral\u00e4ufen ist er erheblich erfahrener als ich, da er seit 17 Jahren Marathon und Ultra l\u00e4uft. Im \u00dcbrigen interessierte mich genau das. Was macht das mit mir. Schaffe ich das? Wie geht es mir bei zunehmender Ersch\u00f6pfung durchs Ziel und weiter zu laufen. In der Pampa wird man trotz Ersch\u00f6pfung weiterlaufen, weil man ansonsten eine sehr weite Strecke gehen m\u00fcsste. Aber w\u00fcrde mir das auch am Ziel gelingen, wenn das Aufh\u00f6ren so einfach ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich m\u00fcssen die Bewohner von Winschoten ziemlich verr\u00fcckt sein und aus dem Lauf ein Event machen. Sie schm\u00fccken die Stadt mit Fahnen und Girlanden und feiern den ganzen Tag. &nbsp;So meldete ich mich fr\u00fchzeitig in Winschoten an.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim 80 Kilometer Fidelitas Nachtlauf, meinem ersten Ultralauf \u00fcberhaupt hatte ich mich v\u00f6llig verausgabt. Diesen hatte ich nach einer einj\u00e4hrigen Verletzungspause ein dreiviertel Jahr lang mit hartem Training vorbereitet. Aus Angst mich zu \u00fcberfordern, beschloss ich nach diesem ersten Ultralauf die Saison zu beenden und Winschoten abzusagen. Die Stornierungsmail sendete ich drei Tage nach dem Lauf gleich abends nach Winschoten ab. In der darauffolgenden Nacht schlief ich schlecht. Ich merkte, dass ich traurig war wegen der Absage, wollte dort laufen, hatte aber schon abgesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fand ich eine Mail vom Winschotener Racedirektor in meinem Emailbriefkasten mit der Bitte, ihm meine Bankdaten durchzugeben, damit er mir das Geld r\u00fcck\u00fcberweisen kann. Also schrieb ich ihm, dass ich doch nicht zur\u00fccktreten will und erkl\u00e4rte es ihm. Etwa 10 Minuten sp\u00e4ter antwortete er mit \u201eDear Cornelius, that\u00b4s great news\u201c. Ich war gl\u00fccklich \u00fcber diese Antwort und freute mich auf diesen Lauf, sofort kamen aber auch Angst und Druck vor dieser Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich regenerierte 7 Wochen und lief in dieser Zeit nur mit sehr stark angezogener Handbremse: Sehr geringe Umf\u00e4nge von 30 \u2013 35 Kilometern pro Woche, die ich in der 6. und 7. Woche auf 70 Kilometer steigerte. Danach trainierte ich 4 Wochen lang mit teilweise 135 Kilometern pro Woche sehr hart. Im Gegensatz zum Karlsruher Nachtlauf klappten alle langen L\u00e4ufe gut. Freitag drei Wochen vor Winschoten w\u00e4ren&nbsp;&nbsp;50 \u2013 55 Kilometer dran gewesen. Es gewitterte aber stark. Also lief ich drei Stunden sp\u00e4ter los. Immer noch blitzte und donnerte es st\u00e4ndig. Da die Blitze zu nah waren, brach ich diesen langen Lauf nach 4 Kilometern ab. Am n\u00e4chsten Tag war ein Familienfest. Gegen 21 Uhr kamen wir zur\u00fcck, 21.20 Uhr lief ich los. Ich stelle das Auto mit weiteren Getr\u00e4nken, meinen Kohlenhydraten sowie Salzkapseln an den Rand der Weinberge. Mitten in der Langen Runde w\u00fcrde ich nach 25 oder mehr Kilometern nicht mehr loslaufen k\u00f6nnen, wenn ich f\u00fcr weitere Getr\u00e4nke nach Hause m\u00fcsste. Deshalb hatte ich das Auto ans Ende unserer Wohnstra\u00dfe gestellt. Ich wollte inmitten des Laufes nicht zum Trinken nach Hause m\u00fcssen.&nbsp;&nbsp;Ich war mir sehr unsicher, ob ich wirklich die 50 Kilometer schaffen w\u00fcrde, deswegen sagte ich zu Simone, dass ich vielleicht bald zur\u00fcck komme, sie aber nicht warten soll. Einen Trinkrucksack mit einem 1,5 Litern Limonaden \u2013 Mineralwassergemisch nahm ich f\u00fcr diesen mit. Diesen langen Lauf durch die Nacht genoss ich total. Ein Dorf weiter, ziemlich genau auf der anderen Seite des Tals fand eine kulinarische Wanderung statt. Man hatte verschiedene Zelte in den Weinbergen aufgebaut, es gab dort verschiedene Leckereien. Als ich loslief ging dort gerade das Abschlussfeuerwerk los. So konnte ich zum Start meines Langen Laufes in das Abendleuchten hinein das Feuerwerk genie\u00dfen. Ich genoss die Einsamkeit in der Nacht durch die S\u00fcdpf\u00e4lzer Weinberge. Nur bedauerte ich, dass es nicht mehr&nbsp;&nbsp;f\u00fcr die Morgend\u00e4mmerung reichte. Die gerichteten weiteren Getr\u00e4nke im Auto hatte ich nicht ben\u00f6tigt, meine mitgeschleppten 1,5 Liter hatten ausgereicht. Vielleicht sollte ich doch mal in Biel laufen (der legend\u00e4re 100 km Lauf von Biel startet um 22 Uhr, man l\u00e4uft durch die Nacht), weil das durch die Nacht Laufen wirklich toll war. Um 2 Uhr 20 kam ich nach 51 Kilometern zur\u00fcck. Simone empfing mich mit den Worten \u201eum 4 Uhr h\u00e4tte ich die Polizei gerufen\u201c. Sie hatte sich einfach nicht vorstellen k\u00f6nnen, dass ich nach dem langen und intensiven Familienfest wirklich 50 Kilometer durch die Nacht laufen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Abschlusslange Lauf klappte gut: 60 Kilometer in 6:03 mit 700 H\u00f6henmetern und ich war nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig ersch\u00f6pft. Jetzt noch 2 Wochen tapern. Das bedeutet, man l\u00e4uft so wenig wie m\u00f6glich, damit der K\u00f6rper ausruhen kann, damit man am Wettkampftag absolut fit ist. Andererseits l\u00e4uft man so viel, dass die Form, die man erarbeitet hat bis zum Wettkampftag konserviert wird. Macht man in der Taperingphase zu viel, vermasselt man sich den Wettkampf. Wenn ich die 2 Wochen angemessen tapern w\u00fcrde, w\u00e4re ich gut vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Winschoten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sitzen in der Halle. Am linken Rand hinter dem Eingang befinden sich Informationsschalter und Startnummernausgabe. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite konnte man die Dropbags abgeben. Ich habe 7 Flaschen gef\u00fcllt mit meinen fl\u00fcssigen Kohlenhydraten, Salzkapseln, 1 Regenjacke, 1 Langarmshirt und weiteres Kohlenhydratpulver f\u00fcr den Fall dass ich mehr brauche.&nbsp;&nbsp;Der Veranstalter transprotiert diese Dropbags entweder zu Kilometer 5 oder wie ich es gemacht habe 300 m vom Ziel weg in die Coachingzone.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte der Halle stehen Tische und St\u00fchle. Um mich herum sitzen ausgezehrte, durchtrainierte Gestalten. Im Vergleich zu ihnen komme ich mir dick und unsportlich vor (bei 1,89 wiege ich 80 kg). Zugleich sind die holl\u00e4ndischen 100 km &#8211; Meisterschaften. 15 Minuten nach dem Start des 100 km Laufes wird zudem ein 50 km und noch einmal 15 Minuten sp\u00e4ter der 10 Mal 10 km Staffellauf gestartet. Ich habe endlich Zeit innezuhalten zu rastlos waren die Wochen vorher: Unser Garten wurde neu angelegt und 2 Kellerr\u00e4ume renoviert. So gut wie jeden Abend mussten wir Steine wegschleppen und Lehmaushub. In der Folge hatte ich wirklich an jedem Tag schwere Beine, in den letzten Tagen tat mir abends der untere R\u00fccken weh und wegen der Rastlosigkeit (Arbeiten Laufen mich um die Familie k\u00fcmmern, Steine schleppen) hatte ich wieder mal zu viel Kaffee getrunken. In der Folge machte sich meine rechte Achillessehne die letzten 2 Tage vor dem Wettkampf bemerkbar. Eigentlich habe ich meine Achillessehenprobleme gut im Griff mit Athletiktraining, Faszienrolle und Dehnen, wenn ich mich einigerma\u00dfen basisch ern\u00e4hre. Sobald ich meine \u00dcbungen vernachl\u00e4ssige oder mich zu s\u00e4urebetont ern\u00e4hre meldet sie sich sofort. Also nahm ich wieder mein Ents\u00e4uerungsmittel, was mir vor dem Nachtlauf schon gute Dienste geleistet hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"3016\" height=\"4032\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_090736-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-75\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_090736-1.jpg 3016w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_090736-1-224x300.jpg 224w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_090736-1-768x1027.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_090736-1-766x1024.jpg 766w\" sizes=\"(max-width: 3016px) 100vw, 3016px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Genau jetzt eine Stunde vor dem Start des bisher l\u00e4ngsten Laufes meines Lebens realisiere ich meinen Zustand: Ich bin definitv nicht ausgeruht, es wird eine Frage der Zeit sein, wann der untere R\u00fccken, die Achillessehne und \u00fcberhaupt meine Beine sich melden. Die Chance zu finishen sch\u00e4tze ich in dem Moment geringer als 50% ein. Ich k\u00f6nnte heulen. Nat\u00fcrlich beschlie\u00dfe ich zu k\u00e4mpfen. Lieber will ich das Risiko eingehen, bei 80 oder 90 Kilometern entkr\u00e4ftet aufh\u00f6ren m\u00fcssen und in \u00fcbertragenem Sinne \u201eals Krieger sterben\u201c als es gar nicht zu versuchen. Simone meiner Frau sage ich nichts von meinen Gedanken. Sie sieht die Tr\u00e4nen in meinen Augen und scheint das f\u00fcr die \u201eVorwettkampfemotionalit\u00e4t\u201c zu halten und strahlt mich an. Nach dem Start will Simone einen Ausflug nach Groningen machen. Sie w\u00fcrde mir beistehen wollen, wenn ich aussprechen w\u00fcrde, was mich bewegt. Ich will es aber alleine durchziehen. Leiden und K\u00e4mpfen will ich eher alleine. Eine gute Entscheidung wie sich sp\u00e4ter herausstellte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Start \u2013 das Rennen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"3016\" height=\"4032\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_085819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-76\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_085819.jpg 3016w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_085819-224x300.jpg 224w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_085819-768x1027.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_085819-766x1024.jpg 766w\" sizes=\"(max-width: 3016px) 100vw, 3016px\" \/><figcaption>hdr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Trotz gemeldeten 15 Grad habe ich mich f\u00fcr eine kurze Laufhose entschieden, meinem kurz\u00e4rmligen Vereinsshirt und leuchtstifthellblauleuchtenden Kompressionssocken, mit denen ich mich von den anderen L\u00e4ufern unterscheide. Mit ihnen erkennt Simone mich von weitem. Kurz vor 10 Uhr ziehe ich meine w\u00e4rmende Jacke aus und gebe sie Simone. Einen Abschiedskuss, ihr einen sch\u00f6nen Tag w\u00fcnschen und auf in den Startblock.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich verwirren die beiden parallel liegenden Startbahnen. Ich erfahre, dass f\u00fcr uns \u201e100er\u201c die linke Startbahn gilt. Die rechte ist f\u00fcr die 10 x 10 km Staffell\u00e4ufer, die ja nach jeder Runde wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch meine \u00dcberp\u00fcnktlichkeit stehe ich im vorderen Drittel des Starterfeldes. Um Punkt 10 Uhr geht es ohne gro\u00dfes Tamtam los. Wie schon bei meinem letzten Ultralauf keine ACDC oder sonstige Musik, nur der \u00fcbliche Startcountdown, PENG, und dann setzt sich das Starterfeld in Bewegung. Und \u2013 ich werde es nie verstehen \u2013 wie immer bei Marathon- und Ulzrawettk\u00e4mpfen starten etliche Leute in einem M\u00f6rdertempo, ich sch\u00e4tze erheblich schneller als 4 Min. \/km los. Ich bin hochkonzentriert wie in einer tiefen Meditation und laufe los. Normalerweise programmiere ich mich bei Wettk\u00e4mpfen auf ein Tempo und laufe dies diszipliniert. In Halbmarathons und 10 Km L\u00e4ufen habe ich das ge\u00fcbt und mich vor Marathons darauf programmiert. Nenne es Doofheit, Zerstreutheit oder wie auch immer, ich hatte mich auf kein Tempo programmiert. R\u00fcckblickend w\u00fcrde ich sagen, es war der Stress. Meine Familie tr\u00e4gt meine Lauferei Gott sei Dank mit. Ich fange deswegen sehr fr\u00fch an zu arbeiten. Ich kann meine Arbeitszeiten selbt bestimmen und arbeite meistens bis 16 Uhr durch, laufe dann und bin meist gegen 18 Uhr zu Hause. Die langen L\u00e4ufe laufe ich Freitag abends bzw nachts, es sei denn ich muss wie beim Karlsruher Nachtlauf, das Laufen bei Hitze trainieren. Dann vertage ich die langen L\u00e4ufe auf Samstag oder Sonntag Mittag, wie es halt passt. Dennoch habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegen\u00fcber. Und nat\u00fcrlich habe ich bei unserem Umbau angepackt, zumal ich durchs Tapering nicht wirklich viel lief. So war die Vorwettkampfzeit also rastlos und erst am Rennmorgen konnte ich nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"4032\" height=\"3016\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_095027.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-77\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_095027.jpg 4032w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_095027-300x224.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_095027-768x574.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_095027-1024x766.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4032px) 100vw, 4032px\" \/><figcaption>hdr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie erw\u00e4hnt hatte ich mich auf kein Anfangstempo programmiert, lasse meine Beine entscheiden und laufe in 5:30 \/km los.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei jedem wichtigen Wettkampf habe ich drei Ziele. Wenn ich eines nicht mehr erreichen kann, greift das N\u00e4chste. Das letzte hei\u00dft immer \u201ek\u00e4mpfen\u201c bzw. \u201efinishen\u201c. Die Ziele lauten also:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Als Mindestziel laufen und bis zum Umfallen k\u00e4mpfen und finishen, egal wie. Wobei gesagt werden muss, dass das Cut Off dieses Laufes bei 12 Stunden liegt. Man muss nach 10:50 Stunden die letzte Runde begonnen haben, sonst wird man aus dem Rennen genommen.<\/li><li>Unter 10 Stunden bleiben<\/li><li>Mein Traum w\u00e4ren 9:30<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Im Vorfeld eines Wettkampfes spreche ich ungern \u00fcber Ziele, stapele eher tief. Auch aus Unsicherheit ob ich sie schaffe. Nur wirklich nahestehenden Menschen offenbare ich mein echtes Ziel, es sind diesmal die genannten 9:30 Stunden oder nahe dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Direkt nach dem man den riesigen einsch\u00fcchternden Startaufbau, hinter sich gelassen hat, geht es um die Kurve in einen Park. Hier beginnt die \u201eCoachingzone\u201c. Es sind etliche Zelte am Wegesrand aufgebaut von Teams, die ihre Athleten unterst\u00fctzen. Nach ca. 300 Metern kommt das offizielle Dropzonenzelt. Ich sehe meine Sachen auf dem Tisch gerichtet liegen und bin zufrieden. Gegen\u00fcber befindet sich ein Cafe, es ist jeder Tisch besetzt von Leuten, die den Athleten zugucken. Nach einigen Hundert Metern kommt ein \u201eCoachingzone End\u201c &#8211; Schild.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa einen Kilometer lang geht es weiter durch den Park. Ich komme in meinen Rhythmus und laufe meinen Stiefel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorfeld des Starts war mir ein von seiner Ausstrahlung her interessanter L\u00e4ufer aufgefallen, vermutlich Holl\u00e4nder. Er hatte ein schwarzes Shirt an an dem vorne das magische Wort \u201eSpartathlon\u201c und hinten ein japanischer Name aufgedruckt war. Ich treffe ihn auf der Strecke und spreche ihn an. Er sagt, dass er bereits drei Mal den Spartathlon gefinisht hat und diesen Winschotener 100 Km Lauf als letzten langen Lauf vor dem in drei Wochen stattfindenden Spartathlon sieht. Der Spartathlon ist ein 246 Kilometer langer Lauf von Athen nach Spartha, den man in 36 Stunden beendet haben muss. Mit einem Japaner, der beim letzten Spartathlon genau zur selben Zeit ins Ziel gelaufen war wie er, hatte er Trikots getauscht. \u201eIch darf heute nur nicht zu schnell laufen\u201c sagt er zu seiner heutigen Renntaktik. Am Schluss war er etwa 30 Minuten schneller als ich&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich berichte ihm von meinem Ultradebut und gebe meine Zielzeit mit etwa in 10 Stunden finishen an. \u201eWenn du beim Fidelitas Nachtlauf 80 km mit 900 H\u00f6henmeter gelaufen bist, entspricht das 89 Kilometer im Flachen.\u201c Nach dem Karlsruher Nachtlauf war ich wirklich am Ende, hatte mich v\u00f6llig verausgabt. Schaffe ich hier dann in meinem Zustand 100 Kilometer? Ich werde innerlich etwas kleiner, mein Selbstbewu\u00dftsein schrumpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor Beendigung der ersten 10 Kilometer Runde lasse ich ihn ziehen, unser Tempo hat sich auf 5:10 eingependelt und das ist sp\u00fcrbar zu schnell f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Runde beende ich in 54 Minuten. Ich f\u00fchle mich gut und sp\u00fcre (noch) nichts von dem k\u00f6rperlichen Harakiri, den ich mit diesem m\u00f6rderischen Anfangstempo begehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Erfahrung vom Karlsruher Nachtlauf war die Ern\u00e4hrung: Deswegen nehme ich meine fl\u00fcssigen Kohlenhydrate zu mir, aber nicht so viel und trinke so gut wie ausschlie\u00dflich Wasser.<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/media\/set\/?set=a.870419392994688&amp;type=3#\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/runwinschoten\/photos\/pcb.1849353188434632\/1849352901767994\/?type=3&amp;__tn__=HH-R&amp;eid=ARDCC3iQeFjv-d7kxWU6AYcgpFGNrCe-xcFUVGfsoVi_L51ZQ-A_D0TqN_cQvLIcIHWMCB0Wg827Ajs9&amp;__xts__%5b0%5d=68.ARDjTDGPPjuMMds_hjE_3DG1yxiL5sHf3_CTee08342xZ39qMYTSJhZ6yJmPV_Qpp3qGFKVi9jxAg-ZVzW6-tUO-a01NAvlceKxoa496k31TGCcznSQUAQpzRx2Ly9K9xuQDfzyDf0rV6iS3YySGrwgyRbBTBu81mlYgRyi2Mw82ZDGeX5JVelWBZWPSLsoq7gUY0a8OdMBxdXLPorc9P5ukPXeg2JJqdJlIRw2FXT2vjnjFoPsnNVS9Gi_QSgyEa58olC3d626VIBjNK2cWqou-NDUtj1w1YWNqBJoL7UOGbyrESxsdtk8aFjoi_soMi-L4X697dMNcNJVv2r-YUdEH3w\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Park kommt eine lange, breite, gerade Stra\u00dfe. An manchen H\u00e4usern haben die Bewohner Tische und St\u00fchle aufgebaut, trinken Rosewein oder Sekt und feuern die L\u00e4ufer an. Nach wenigen Kilometern kommen enge Wohnstra\u00dfen. Vereinzelt sind Girlanden um die H\u00e4user herum und \u00fcber die Stra\u00dfe gespannt. In der ersten Wohnstra\u00dfe wurden gro\u00dfe, auf Holz gemalte und ausges\u00e4gte an Stangen befestigte Tiere am Stra\u00dfenrand aufgestellt. Neben den wirklich in ausreichender Anzahl vorhandenen offiziellen Getr\u00e4nkestationen gibt es unz\u00e4hlige private. Vor fast jedem Hause in den Wohnstra\u00dfen sitzen Bewohner, trinken, grillen und feiern und bejubeln die L\u00e4ufer. Belebte Stra\u00dfen wechseln sich mit ruhigen ab. Aber auch an den ruhigen sitzen die Menschen und applaudieren. Am Ende der l\u00e4ngeren ruhigen an einem Kanal gelegene Stra\u00dfe bei Kilometer 5,5 steht ein gro\u00dfer Traktor mit Tischen und B\u00e4nken, jungen Leuten, lauter Musik und Bier. Kurz vor Kilometer 7 kommt eine lange gerade Wohnstra\u00dfe mit angenehmer Popmusik, gef\u00fchlt alle 10 Meter steht ein Kind und bietet den L\u00e4ufern zur Erfrischung einen nassen Schwamm an. Genau bei Kilometer 7 rennt bei so gut wie jeder Runde ein Mann&nbsp;&nbsp;mit einem Tablett auf mich zu und bietet mir s\u00fc\u00dfe Schaumstoffstangen an, die ich als Kind geliebt habe, jetzt bei diesem Wettkampf aber nicht vertragen w\u00fcrde. Jede Runde antworte ich \u201eNo thank you\u201c und laufe weiter. Dann geht es eine kurze Weile an einer Stra\u00dfe vorbei, an der nur auf der rechten Seite H\u00e4user sind und links ein W\u00e4ldchen. Ich genie\u00dfe dort immer die Ruhe, denn direkt nach dem W\u00e4ldchen kommen Party, laute Rockmusik und feiernde, fr\u00f6hliche Leute. Ich \u00f6ffne den Mund, damit der laute in meine Ohren dringende Schall durch den Mund wieder heraus geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir biegen links in eine Stra\u00dfe in der am Rand bei Kilometer 9 eine gro\u00dfe mit Alufolie umwickelte \u201e9\u201c&nbsp;&nbsp;an einem Stab befestigt in die Erde gerammt ist. \u00dcber die Stra\u00dfe hinweg sind viele Hundert Meter lange Girlanden, die mit orange \u2013 gelben nach unten aufgespannten Regenschirmen beschm\u00fcckt sind. Aus einem Unimog dr\u00f6hnt wieder laute Rockmusik. Die Stra\u00dfe ist voll von feiernden jubelnden Menschen. Dann links abbiegen, eine kleine ruhige Passage durch ein Rondell nach links in die Start \u2013 Zielgerade. Direkt hinter dem Rondell ein Bierstand. Die lauten holl\u00e4ndischen Schlager sind nicht das Schlimme. Der DJ singt mit Mikrofon die Schlager v\u00f6llig schr\u00e4g mit falschen T\u00f6nen mit. Viele jubelnde Menschen. Die zweite Runde beende ich in 54 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder nur ein paar Schluck Kohlenhydrate trinken, Salzkapseln, etwas Wasser und weiter. Die ganze Stadt ist abgesperrt, es gibt ein paar Durchfahrtsstra\u00dfen, an denen Ordner die Autos f\u00fcr uns L\u00e4ufer bremsen. An einer dieser Stra\u00dfen tanzt einer der Ordner immer dann wenn er nichts zu tun hat. Ich werde ihn den ganzen Tag tanzen sehen. Es windet ordentlich, aber immer nur f\u00fcr eine k\u00fcrzere Zeit, da man st\u00e4ndig die Richtung wechselt. Ziemlich am Anfang der Wohnstra\u00dfe, wo auch selbt gebastelte Tiere auf Holz gemalt und aufgestellt sind, steht jetzt ein Kind mit Downsyndrom und jubelt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich spreche mit einem holl\u00e4ndischen etwas \u00e4lteren L\u00e4ufer und erz\u00e4hle ihm, dass dies mein erster 100er ist und dass ich gerne in 10 Stunden finishen w\u00fcrde. \u201eMan muss die Marathonzeit mal drei nehmen, das ist die m\u00f6gliche Zeit bei 100 Kilometern. Das w\u00e4ren 3:20\u201c sagt er bez\u00fcglich meiner Wunschzeit. Ich bin 3:22 gelaufen, aber das war Jahre her, vor meiner Verletzung. Dieses Jahr rannte ich 3:38 nicht am v\u00f6lligen Limit. Das w\u00e4ren etwa 10:30 Stunden. Von diesen Gedanken sage ich ihm nichts, werde aber innerlich wieder etwas kleiner. Ich will schneller als 10 Stunden sein, wie ein trotziges kleines Kind will ich das, will will will.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte Runde beende ich in 54&nbsp;&nbsp;Minuten. Coachingzone, Salzkapseln, fl\u00fcssige Kohlenhydrate, Wasser, weiter durch den Park, die lange Stra\u00dfe entlang in die Wohngebiete. Ein \u00e4lterer erheblich kleinerer L\u00e4ufer als ich nimmt mich in den Gegenwindpassagen als \u201eWindschutz\u201c, das ist OK f\u00fcr mich, wir laufen zusammen und nicht gegeneinander. Er erz\u00e4hlt, dass er mit 68 Jahren versuchen will in 10 \u2013 10:30 Stunden zu finishen. Er wird erheblich l\u00e4nger brauchen, dennoch habe ich riesigen Respekt vor ihm und vor seiner Leistung, sich das anzutun. Er muss geistig sehr offen sein, noch f\u00fcr diese Art von Leistungssport zu brennen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"720\" height=\"960\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-127\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/image.png 720w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/image-225x300.png 225w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption>Foto ist von Janny Heijerman<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Krise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:left\">Bei Kilometer 35 kommt was kommen musste: Die Beine werden sehr schwer, meine Bewegungen werden schlagartig unrund und auch beginnt der untere R\u00fccken zu schmerzen. Im ersten Moment werde ich verzweifelt. Ich kann mir nicht vorstellen so noch weitere 65 Kilometer weiter laufen zu k\u00f6nnen. So ist der erste Impuls aufzugeben. &#8222;Aber&#8220;, so sage ich mir, &#8222;jetzt l\u00e4ufst du den ersten Marathon fertig und noch zwei weitere Runden und siehst dann weiter&#8220;. Gesagt getan, ich laufe weiter, um den ersten Marathon zu beenden und dann noch ein Halbmarathon geht auch noch. Auch diese Runde beende ich in 54 Minuten. Im Kopf f\u00fchle ich mich ziemlich klar, kein Nebel, ich kann noch gut denken, nur schmerzt der K\u00f6rper und die Beine sind schwer. Durch aufrechte Haltung h\u00e4lt sich der untere R\u00fccken ertr\u00e4glich, die Achillessehne auch, ein Ziehen im Vorderfu\u00df kommt hinzu. Auch das f\u00fchlt sich nicht nach Verletzung an. Das wird wohl kein Erm\u00fcdungsbruch werden an diesem Tag. Ich glaube eh, dass die meisten Verletzungen bei Ultral\u00e4ufern nicht w\u00e4hrend sondern nach einem Wettkampf kommen, wenn diese dem K\u00f6rper nicht genug Ruhe und Regeneration geben. Die 5. Runde beende ich in 56 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufgeben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe es zu: w\u00e4re Simone im Ziel gewesen, h\u00e4tte ich aufgegeben. Ich halte es in diesem Moment einfach f\u00fcr ausgeschlossen, die noch fehlenden 50 Kilometer laufen zu k\u00f6nnen. Innerlich beginne ich Hermann Abbitte zu leisten f\u00fcr meine Unwissenheit bzw. Arroganz. Bei unserem n\u00e4chsten gemeinsamen Lauf habe ich Hermann auch in Realit\u00e4t davon berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor jedem Zieldurchlauf hoffe ich, dass Simone nicht da ist, weil ich genau wei\u00df, dass ich dann eventuell aufgeben w\u00fcrde. Ich beschleunige am Zielbereich das Tempo, um sie ja nicht zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der 6. Runde beginnen gelegentliche Gehpausen. Ja, ich bin L\u00e4ufer und nicht Geher, hasse es bei L\u00e4ufen zu gehen, aber es geht nicht anders. Ich gehe aber nur kurz. 5 Kilometer laufen, dann 100 Meter gehen, 3 \u2013 4 Kilometer laufen und gehen und so weiter. Das Gehen wird mehr und l\u00e4nger werden, das Laufen weniger und zunehmend k\u00fcrzer. Ziemlich genau in der Mitte der 6. Runde versp\u00fcre ich pl\u00f6tzlich Hunger, habe also zu wenig Kohlenhydrate zu mir genommen. Bei einem privaten Getr\u00e4nkestand trinke ich deswegen ausnahmsweise Cola. Die 6. Runde beende ich in 55 Minuten. Ich \u00fcberlege aufzugeben, kann mir nach wie vor nicht vorstellen es zu schaffen, aber 4 Stunden auf Simone warten ist zu stressig, da kann ich auch weiterlaufen. Also laufe ich. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"3016\" height=\"4032\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183357.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-81\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183357.jpg 3016w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183357-224x300.jpg 224w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183357-768x1027.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183357-766x1024.jpg 766w\" sizes=\"(max-width: 3016px) 100vw, 3016px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Salzkapseln, mehr fl\u00fcssige Kohlenhydrate, Wasser und weiter. Beim Wasser fragen mich die Helfer wie es mir geht. Verdammt nochmal ich bin tot, qu\u00e4le mich, und die fragen wie es mir geht. Zum Gl\u00fcck denke ich das nur und spreche es nicht aus. Ich antworte \u201eOK\u201c, bedanke mich und laufe weiter. In den Muskeln um das linke Knie herum kommt nun ein starker Schmerz dazu. Das hatte ich beim Fidelitas Nachtlauf auch schon. Ich laufe in den Schmerz hinein, hinke eine Weile stark, nach einigen Hundert Metern verschwindet er. Beim Gehen bleibt er. Die Gehpausen werden h\u00e4ufiger. Sie hinke ich. Die ersten Schritte beim Loslaufen schmerzen stark, danach geht es den Umst\u00e4nden entsprechend gut. Die Musik an den jeweiligen St\u00e4nden&nbsp;verwandelt sich allm\u00e4hlich in immer unertr\u00e4glicher werdenden L\u00e4rm. Ich sehe mehr Bier und Wein an den Tischen der Bewohner stehen und ich gebe es zu. Insgeheim w\u00fcnsche ich mir die Blaskapelle des Kandel Marathons herbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein reines Vergn\u00fcgen ist das Laufen nicht mehr. Und nat\u00fcrlich kommt in einem solchen Moment die Frage nach dem warum. Warum tue ich mir diese Qu\u00e4lerei eigentlich an? Die Antwort kommt prompt: Weil mich das Laufen magisch anzieht, weil ich es tun muss, mich es ganz macht. Mir kommt ein Zitat des Musikers David Gilmour in den Sinn: \u201eI go on doing what I have to do!\u201c Genau das ist es. Diese Antwort stimmt, befriedigt mich, ich laufe weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss mich sehr zusammennehmen, dem falsch singenden DJ kurz vor dem Start \/ Ziel nicht meinen Mittelfinger entgegenzustrecken, weil mich das falsche Gesinge nervt, ja, \u00e4rgert. Mein Kopf ist immer noch recht klar, jedoch werde ich innerlich zunehmend reizbarer. Gott sei Dank kann ich mich nach au\u00dfen hin einigerma\u00dfen zusammenrei\u00dfen. So gut es geht am Ziel beschleunigen, damit Simone noch nicht da ist, und weiter. Ich beende diese Runde in 58 Minuten Der Sprecher am Ziel nennt meinen Namen und sagt auf holl\u00e4ndisch etwas von meiner Position, ich glaube, es sollte \u201e17\u201c hei\u00dfen. So beginne ich die 7. Runde erregt.\u201eBin ich bei diesem super Startfeld an 17 Position? Kann nicht sein, oder doch? Das musste sicherlich \u201e27.\u201c oder \u201e37.\u201c hei\u00dfen.\u201c \u00dcber 100 Starter waren gemeldet, das wusste ich. Wie ich sp\u00e4ter recherchierte sind 93 gestartet und davon finishten 53.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der langen geraden Stra\u00dfe bei Kilometer 2 sitzen junge Leute, grillen und trinken Bier. Ich gehe. Sie stehen auf, feuern mich fanatisch an, also beginne ich halt wieder zu laufen. Sie freuen sich, lachen und jubeln. In einem Rondell bei Kilometer 4,5 schneidet mir ein Auto der Rennleitung den Weg ab, ich muss leicht abbremsen. Wutentbrannt br\u00fclle ich \u201eaus dem Weg, hopp\u201c, sch\u00e4me mich hinterher f\u00fcr meinen Ausbruch und laufe weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>In Mitte der 7. Runde realisiere ich, dass ich jetzt finishen kann, selbst wenn ich das meiste wandere. Diese Erkenntnis findet aber keinen gro\u00dfen emotionalen Widerhall in mir. Immer noch kann ich es mir einfach noch nicht vorstellen zu finishen. Der Kopf realisiert es, der Rest in mir nicht. Ich bin geistig nicht von M\u00fcdigkeit oder Ersch\u00f6pfung vernebelt, sondern einfach m\u00fcde und durch das hohe Anfangstempo \u201eabgeschossen\u201c. Die realitische M\u00f6glichkeit zu finishen ist noch zu unrealistsch. Zudem will ich den Lauf in 10 Stunden beenden und zwar weitestgehend laufend und eben nicht wandernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kilometer 7 spricht mich eine auf einem Stuhl sitzende Frau auf holl\u00e4ndisch an. Ich denke sie will wissen wie es mir geht und antworte \u201eOK\u201c. Der neben ihr sitzende Mann nennt dann meine Startnummer. Sie \u201each so\u201c und macht ein Kreuz auf ihrer Liste. Der Wind hatte meine vordere Startnummer hochgeweht, so dass man sie nicht sehen konnte. Hinten war sie mit Sicherheitsnadeln befestigt. Das waren Rennkontrolleure. \u201eCornelius geht\u2019s dir gut?\u201c fragte sie. Sie spricht mich mit meinem Vornamen an, da dieser auf meiner Startnummer aufgedruckt ist. Ich antworte: \u201eJa etwas m\u00fcde\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Zeiten werden langsamer und pendeln sich bei 60 Minuten ein. Ende der 7. Runde (ich beende sie in 1:01) keine Simone, Gott sei Dank, also weiter. Kohlenhydrate, mehr Salz, Wasser und weiter. Bei der geraden langen Stra\u00dfe soll mir das nicht noch mal passieren: Wo ich die jungen Leute vermute laufe ich. Nur kommen sie nicht. Sp\u00e4ter gehe ich und werde von einem \u201ehopp hopp, run, hopphopp\u201c erschreckt. Innerlich hatte ich sie zu fr\u00fch an der Stra\u00dfe vermutet. Also beginne ich wieder zu laufen, sie freuen sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 8. Runde geht irgendwie vorbei. F\u00fcr sie ben\u00f6tige ich 1:01 Stunden. Ich am\u00fcsiere mich \u00fcber mich. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich mir mal die Blaskapelle des Kandel Marathons herbeiw\u00fcnschen w\u00fcrde, aber ich empfinde die Musik als immer noch unertr\u00e4glicher werdenden L\u00e4rm und ich sehne sie mir f\u00f6rmlich herbei. Was ich damals nicht realisierte ist, dass sich meine Wahrnehmung im Verlauf des Wettkampfs stark ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Finish<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Kind mit Dowmsyndrom steht immer noch da. Mein Gehen kommentiert es mit einem missmutigen St\u00f6hnen, fasst an meinen nassen Po und versucht mich anzuschieben. Viele Erwachsene, die diese Szene sehen sind pikiert, mich r\u00fchrt diese Geste. Also laufe ich wieder los, das Kind mit Downsyndrom freut sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kilometer 7 wieder die Frau auf dem Stuhl \u201eCornelius, wieviele Runden hast du noch?\u201c fragt sie mit ihrem holl\u00e4ndischen Akzent. \u201eNach dieser noch eine\u201c. \u201eSuper, tolle Leistung\u201c. Ich bin absolut ersch\u00f6pft, kann aber kilometerweise weiterlaufen. Es f\u00fchlt sich anders an als beim Karlsruher Nachtlauf. Ich bin viel weniger vernebelt, hochkonzentriert, auch am absoluten Limit, aber anders, habe trotz aller Ersch\u00f6pfung einem viel klareren Geist, bin fast in einem meditativen Zustand. Immer h\u00e4ufiger werde ich gefragt, wieviele Runden ich noch laufen muss, werde immer mehr begl\u00fcckw\u00fcnscht. Meine K\u00f6rperhaltung hat sich ver\u00e4ndert: Mein Oberk\u00f6rper hat nun einen Linksdrall. Es gibt bei Youtube einen Film, auf dem man mich bei Kilometer 97 nach einer Gehpause wieder loslaufen sieht, den Linksdrall und auch den \u201eLoslaufschmerz\u201c kann man da gut erkennen. Ich tauche bei Sekunde 17 auf. (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=X49ksmBufpg\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=X49ksmBufpg<\/a>). Auch diese Runde beende ich in 1:01 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"3016\" height=\"4032\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183359.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-78\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183359.jpg 3016w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183359-224x300.jpg 224w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183359-768x1027.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_20180908_183359-766x1024.jpg 766w\" sizes=\"(max-width: 3016px) 100vw, 3016px\" \/><figcaption>dav<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der letzten Runde sitzt Simone in der Coachingzone auf der Bank. Jetzt freue ich mich sie zu sehen, insgeheim hatte ich es in dieser Runde gehofft. \u201eWieviele Runden musst du noch laufen?\u201c fragt sie. \u201eNur noch diese\u201c antworte ich. \u201eWirklich nur noch diese?&nbsp;&nbsp;Kann ich dann zum Ziel?\u201c fragt sie ungl\u00e4ubig. Ich bin seit 8:34 Stunden unterwegs \u201eJa, kannst du\u201c antworte ich. \u201eDu warst erheblich weniger verpeilt als beim Karlsruher Nachtlauf\u201c, sagt sie mir sp\u00e4ter. \u201ePr\u00e4sent, hochkonzentriert und fokussiert. Ich konnte kaum glauben, dass dies wirklich die letzte Runde war, und musste deshalb explizit noch einmal nachfragen.\u201c Ich k\u00fcsse sie, forme meine H\u00e4nde in ihre Richtung zu einem Herz und zeige es in ihre Richtung, nehme Salz, ein paar Schluck Kohlenhydrate zu mir und laufe nicht weiter. Mich gel\u00fcstet es nach Cola. Es ist die letzte Runde, also egal: Ich trinke 3 Becher Cola (die Helfer f\u00fcrchten um meinen Magen. Ich beruhige sie, dass dies meine letzte Runde ist) und laufe dann weiter. Jetzt bin ich mir sicher diesen Lauf erfolgreich zu beenden und beginne zu rechnen in welcher Zeit. F\u00fcr 9:30 wird es wohl nicht ganz reichen, aber dicht dran. Also k\u00e4mpfen. Die Gehpausen werden wieder weniger. Ich finde das ist ein spannendes Ph\u00e4nomen: Das Gehirn beh\u00e4lt einen bestimmten Prozentsatz an Energie zur\u00fcck und sendet fr\u00fchzeitig ein M\u00fcdigkeitssignal. Diese Energie ist f\u00fcr den Notfall gedacht, wenn man einem gef\u00e4hrlichen Tier davonlaufen muss. Da jetzt die Anstrengung bald vorbei ist, gibt das Gehirn einen Gro\u00dfteil der zur\u00fcckbehaltenen Energie nun frei. Deswegen nehmen in der letzten Runde die Gehpausen etwas ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den jungen Leuten, die mich zwei Runden lang gehend zum Laufen angetrieben hatten, laufe ich, sie freuen sich. Auch das Kind mit Downsyndrom jubelt und freut sich mich laufend zu sehen. Bei Kilometer 7 lege ich eine Gehpause ein. Beim wieder Loslaufen kommt wieder der starke Schmerz in den Muskeln um das linke Knie herum und mir entf\u00e4hrt ein Schmerzensschrei. Sofort kommt der sich mit Fahrr\u00e4dern fortbewegende Medical Service zu mir gefahren und fragt mich: \u201eYou are Okay?\u201c. \u201eYes I\u00b4m OK, only feeling little pain!\u201c antworte ich und laufe weiter. Ich habe das Bed\u00fcrfnis, mich zu bedanken und applaudiere vielen Zuschauern zu und verabschiede mich innerlich von den Stra\u00dfen, H\u00e4usern und Menschen. Weil das Gehen sehr schmerzhaft ist bef\u00fcrchte ich, nach dem Wettkampf&nbsp;&nbsp;gr\u00f6\u00dfere Gehprobleme zu bekommen. Zuerst aber laufen, k\u00e4mpfen und finishen. Und das m\u00f6glichst schnell.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zieleinlauf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Rondell geht es auf die Zielgerade, schon fr\u00fchzeitig sagt mich der Racedirektor mit seinem Mikrophon an und spricht unter anderem das magische Wort \u201eFinish\u201c. Die immer noch zahlreichen an der Strecke stehenden Leute jubeln mir zu und begl\u00fcckw\u00fcnschen mich. Ich laufe ins Ziel. Eigentlich wollte ich die letzten paar Hundert Meter besonders genie\u00dfen, geht aber nicht. Das Weiterlaufen ist einfach zu anstrengend, zu m\u00fcde, dumpf und ersch\u00f6pft bin ich. Ich k\u00e4mpfe mich \u00fcber die Zielinie. F\u00fcr die letzte Runde brauchte ich 1:02 Stunden. Helfer wickeln mich sofort in eine Decke. Ich bedanke mich, gehe zum Ende der Absperrung, gebe sie ab und gehe zu Simone, nehme sie mit den Worten \u201ees ist vollbracht\u201c in den Arm und danke ihr f\u00fcr die Unterst\u00fctzung. Ich f\u00fchle mich gl\u00fccklich, ersch\u00f6pft, aber erstaunlich klar. Jedoch kann ich meinen Zustand nicht zuverl\u00e4ssig einsch\u00e4tzen, wei\u00df nicht, was in Sachen K\u00f6rper noch kommt. Deswegen rasch die \u201edanach \u2013 Fotos\u201c schie\u00dfen und ab in die Dusche. In der Umkleidekabine sind au\u00dfer mir nur 50 km- und Staffell\u00e4ufer. Ich kann mich nur schwer bewegen, es dauert ewig, die Kompressionssocken auszuziehen. In der Dusche kommt pl\u00f6tzlich an starker Schmerz an einer unerwarteten Stelle: an meiner Pofalte, sie ist enorm wund und brennt f\u00fcrchterlich beim Duschen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"1600\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG-20181101-WA0001-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-80\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG-20181101-WA0001-1.jpg 1200w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG-20181101-WA0001-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG-20181101-WA0001-1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach dem Duschen h\u00e4lt mir ein 10 km \u2013 Staffell\u00e4ufer mit den Worten \u201eyou had the harder competition\u201c die T\u00fcr auf, was mich r\u00fchrt. Weil ich wegen der Schmerzen beim linken Knie beim Gehen w\u00e4hrend des Wettkampfs weitere und st\u00e4rkere Schmerzen bef\u00fcrchte, will ich rasch zum Hotel in die N\u00e4he eines Bettes, also in Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Zimmer liegt im Nebengeb\u00e4ude im oberen Stockwerk. Man kommt \u00fcber eine Au\u00dfen \u2013 Eisentreppe dorthin. Also folgt nun ein \u201eUltratraillauf\u201c: Ich muss mich mit meinen schmerzenden Haxen breitbeinig \u00fcber die Eisenau\u00dfentreppe ins obere Stockwerk k\u00e4mpfen. Simone hat ihren Spa\u00df mir dabei zuzugucken und am\u00fcsiert sich k\u00f6niglich. Im Zimmer massiert sie meine Beine mit Magnesium\u00f6l. Ich schicke an Familie und Freund ein Zielfoto mit den Worten \u201eDas war der h\u00e4rteste, brutalste, schmerzhafteste Lauf meines Lebens aber v\u00f6llig geil\u201c und nach einem kurzen Abendessen l\u00f6schen wir das Licht. Simone schl\u00e4ft schnell ein, ich nicht. Sobald ich die Augen schlie\u00dfe, schie\u00dfen unz\u00e4hlige Bilder des Laufs durch meine Kopf und stoppen nicht. Diese halten mich wach. Das kenne ich schon von anderen Wettk\u00e4mpfen. Wenn ich mal einschlafe, werde ich schnell wieder von den Schmerzen in meine Beinen vom im Schlaf Umdrehen bzw. die Lage wechseln wach. Auch das geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter am Montag, kann ich sogar wieder schmerzfrei liegen! Ich bin stolz was ich geleistet habe, bin 9:33:30 gelaufen, 21. von 93 Gestarteten und 53 gefinishten und das bei den holl\u00e4ndischen Meisterschaften bei meinem ersten 100 Kilometerlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Runwinschoten ist ein hervorragend organisierter Lauf, es fehlt an nichts. Die Bev\u00f6lkerung ist in positiven Sinner verr\u00fcckt: Die Leute setzen sich bei 15 Grad 9 Stunden an die Strecke, feuern die L\u00e4ufer an und feiern. Die Musik an der Strecke ist nicht wirklich schrecklich, das hat vielmehr etwas mit der Verschiebung meiner Wahrnehmung zu tun durch die zunehmende Erm\u00fcdung. Irgendwann werde ich dort sicherlich mal wieder laufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nachbetrachtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem 8. September 2018, an dem das Rennen stattfand, regeneriere ich. Fr\u00fchestens Anfang&nbsp;November fange ich mit Grundlagentraining an, Januar und Februar 2019 folgen marathonspezifisches Training, was mit der Teilnahme beim Kandel Marathon endet. Das hat damit zu tun, dass meine Schnelligkeit durch das Ultratraining etwas gelitten hat. Mit dem Grundlagen- und dem dann folgenden marathonspezifischen Training feile ich an meiner Grundschnelligkeit, die mir auch beim Ultralaufen hilft. Erst nach dem Kandelmarathon (mit seiner Blaskapelle bei&nbsp;&nbsp;Kilometer 15 und 17, diesmal werde ich sie erstmals genie\u00dfen!) beginnt das ultraspezifische Training. Wo und wann ich n\u00e4chstes Jahr meine Ultral\u00e4ufe absolviere, steht noch nicht v\u00f6llig sicher fest, ich werde es aber Anfang 2019 sicher wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses 100 Kilometerrennen in Winschoten bin ich aus Doofheit viel zu schnell angegangen. Das darf mir nie mehr passieren. Bis zum n\u00e4chsten Ultralauf werde ich bei Volks- und Halbmarathonl\u00e4ufen erneut das Laufen eines bestimmten Tempos unter Wettkampfbedingungen trainieren und mir in der Taperingphase mehr Zeit nehmen zur mentalen Vorbereitung.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den n\u00e4chsten Hunderkilometerlauf habe ich jetzt eine Hausnummer, im Schnitt bin ich 5:41\/pro Kilometer gelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>65 Kilometer bin ich mit reinem Willen gelaufen, dass das m\u00f6glich ist, h\u00e4tte ich nicht gedacht. Mein Hauptfehler war aber genau das: Man muss immer im \u201ehier und jetzt\u201c bleiben. Wenn ich bei Kilometer 35 m\u00fcde bin, aber noch weiterlaufen kann, muss ich das tun. Sich vorzustellen noch 65 Kilometer laufen zu m\u00fcssen ist mentaler Selbstmord. Jeder erfahrene Ultral\u00e4ufer wei\u00df das, ich jetzt auch. Es reicht aber nicht aus, diese Dinge theoretisch zu wissen, man muss diese Dinge erleben, selbst ersp\u00fcren und erleiden. Von dem her wird mir diese Erfahrung bei meinen n\u00e4chsten Ultrawettk\u00e4mpfen ungemein wertvoll sein und soviel kann ich verraten: Mittelfristig wird sich die Distanz meiner Wettk\u00e4mpfe steigern.<\/p>\n\n\n\n<p>In Sachen Linksdrall habe ich entsprechende \u00dcbungen in mein Athletiktraingsprogramm eingebaut. In meiner Praxis habe ich 2 R\u00e4ume an einen sehr guten Osteopaten untervermietet. Mit ihm habe ich gesprochen, er zeigte mir die \u00dcbungen, die ich in mein Athletikprogramm eingebaut habe.&nbsp;<br>Die Schmerzen um das linke Knie herum kommen wie ich inzwischen wei\u00df von einer mangelnden Rotationsf\u00e4higkeit meiner rechten H\u00fcfte, wie ein Termin bei einem Spezialisten ergab. Das hei\u00dft die Probleme der linken K\u00f6rperseite entstehen, weil diese Ausgleich f\u00fcr die rechte K\u00f6rperseite machen muss. Ich wei\u00df jetzt um die Gr\u00fcnde der Probleme und kann nun etwas tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Magen wird wohl immer beim Ultralaufen empfindlich bleiben. Ich darf deswegen nicht so viele Kohlenhydrate zu mir nehmen wie irgend m\u00f6glich. Gels vertrage ich fast nicht, h\u00f6chstens eines alle 3 \u2013 4 Stunden. Am besten vertrage ich fl\u00fcssige der Firma Maurten. Im Winter werde ich viele N\u00fcchternl\u00e4ufe absolvieren und die langen L\u00e4ufe m\u00f6glichst Kohlenhydratfrei, d.h.a b 3 Stunden vor bis Ende des Laufes keine Kohlenhydrate einnehmen. Da der K\u00f6rper die Kohlenhydratspeicher schneller leert und dann keine mehr zur Verf\u00fcgung hat, muss er auf Fettverbrennung umschalten. Das macht der K\u00f6rper ungern. Jedoch hilft mir diese wiederum, bei den langen Distanzen besser durchzuhalten<strong>.&nbsp;<\/strong>Als \u201eLebensversicherung\u201c kann ich mir ja 1 Gel bei den langen L\u00e4ufen mitnehmen, damit ich bei einem langen Trainingslauf nicht mitten \u201ein der Pampa\u201c mangels Energie nach Hause wandern muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil dieser Lauf wirklich toll organisiert war und weil man die R\u00fccknahme meiner Absage so einfach hinnahm schickte ich dem Racedirektor eine Dankesmail. Er antwortete mir mit \u201eYou finished your first 100 km loop with 9:33.30, you can be proud for that\u201c und das bin ich.<\/p>\n\n\n\n<p>In der&nbsp;Haupttraningsphase f\u00fcr den n\u00e4chsten Ultralauf m\u00f6chte ich mich bewusster ern\u00e4hren. Ich bin Stressesser, m\u00f6chte leere Kohlenhydrate in der Hauptvorbereitungsphase ganz weglassen, ich glaube da ist noch viel Potential. Jedoch wird mir das sehr schwerfallen, aber ich versuche es. Es ist irgendwie auch sch\u00f6n zu wissen, dass ich noch Erfahrungen sammeln kann, besser werden kann. Der \u201eLauf meines Lebens\u201c war das Gott sei Dank noch nicht. Dieser liegt noch vor mir, es dauert noch etwas bis er kommt. Er wird aber definitv kommen und ich freue mich darauf.<\/p>\n\n\n<p>Danken m\u00f6chte ich an dieser Stelle meiner Familie: Unserem Sohn Gabriel (\u201eWie weit bist du gelaufen Papa?\u201c \u201e Ach 35 Kilometer! Nur!\u201c)&nbsp; und meiner Frau Simone (\u201eDass du Ultra laufen willst, wei\u00df ich schon lange. Endlich kapierst du\u00b4s auch, ich unterst\u00fctze dich!\u201c), die meine Lauferei mittragen. Daf\u00fcr erhalten sie abends einen erheblich fr\u00f6hlicheren, ausgeglicheneren Papa bzw. Ehemann. Das Ende meiner langen Verletzungsperiode sehnten auch sie herbei.<\/p>\n\n\n<p>Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen au\u00dfer Danke&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielen Dank an Janny Heijerman (Per en PR RUN Winschoten) f\u00fcr die Erlaubnis 2 Fotos verwenden zu d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommentar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der 2 fache Deutsche Meister im 24h &#8211; Lauf (AK) Udo Pitsch (www.marathon.pitsch-aktiv.de) kommentierte meinen Laufbericht. Da ich seinen Kommentar absolut auf den Punkt gebracht brillant empfinde, gebe ich ihn mit seiner Erlaubnis hier wieder:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Hallo Cornelius,<\/p>\n\n\n\n<p>zun\u00e4chst meinen herzlichen Gl\u00fcckwunsch f\u00fcr deine Leistung. Mehr als die reine Laufzeit, imponiert mir deine F\u00e4higkeit Entkr\u00e4ftung und Schmerzen zu trotzen. Gro\u00dfes Kino!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man Fehler macht, egal ob renntaktische oder wobei auch immer sonst, braucht einen im Nachgang niemand darauf hinzuweisen. Die offenbaren sich von selbst, f\u00fchren dazu, dass man leidet wie ein Hund. Beschehren zumindest Unp\u00e4sslichkeiten, Beschwernis oder im Nachgang irgendwelche Leiden. Du hast Verbesserungsw\u00fcrdiges und -f\u00e4higes aufgez\u00e4hlt. Andererseits sind es auch solche Fehler, die einen weiterbringen. Weil sie einen in Zust\u00e4nde versetzen, die man f\u00fcr Minuten oder Stunden glaubt nicht durchstehen zu k\u00f6nnen. Dass man es dann doch packt ist viel wichtiger als die Laufzeit. Das ist der wahre Wert eines erfolgreich zu Ende gelaufenen Wettkampfs. Wenn du weiter Ultra l\u00e4ufst, wirst du dir deine Ziele immer h\u00f6her stecken. Deshalb werden diese scheinbar un\u00fcberwindlichen Barrieren, wird die Aussichtslosigkeit des Augenblicks dich immer wieder herausfordern. Genau das ist das Wesen des Ultralaufs. Ob du schon so weit bist die ganze Wahrheit zu verstehen, wei\u00df ich nicht. F\u00fcr mich lautet sie: Die aus ad\u00e4quatem Training entspringende physische F\u00e4higkeit die Distanz in einer bestimmten Zeit zu schaffen ist nicht mehr als die Voraussetzung f\u00fcr ein Finish. Erfolgreich, siegreich ist man mit dem Kopf. Nur mit nie erlahmendem Willen und der F\u00e4higkeit notfalls auch \u00fcber Stunden zu leiden, kommt man ins Ziel. Du schriebst:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;65 Kilometer bin ich mit reinem Willen gelaufen, dass das m\u00f6glich ist, h\u00e4tte ich nicht gedacht. Mein Hauptfehler war aber genau das: Man muss immer im \u201ehier und jetzt\u201c bleiben. Wenn ich bei Kilometer 35 m\u00fcde bin, aber noch weiterlaufen kann, muss ich das tun. Sich vorzustellen noch 65 Kilometer laufen zu m\u00fcssen ist mentaler Selbstmord.&#8220;<br><br><\/em>Man kann noch viel weiter als 65 Kilometer mit &#8222;reinem Willen&#8220; laufen. Mir ging es zuletzt bei den 100 Meilen Berlin so. Da war ich nach 50 km leer und hatte noch 110 vor mir. Und doch wusste ich, dass das geht und wie es geht. Hab diesen Punkt, ab dem jeder &#8222;vern\u00fcnftige&#8220; Mensch die Lauferei einstellen w\u00fcrde, oft genug erlebt und damit auch oft genug erlebt, dass es ab der Marke &#8222;ich habe fertig&#8220; dennoch weitergeht. Du wirst in ein paar Jahren wissen, wie wichtig dieses Erlebnis f\u00fcr dich war. Wirst erleben, dass es dich mental enorm stark macht. In so einer Situation nicht aufgegeben zu haben ist ein gro\u00dfes Pfund, mit dem du k\u00fcnftig in dir selbst wirst wuchern k\u00f6nnen. Und auch das noch: Zu Beginn meiner Marathon- und sp\u00e4ter meiner Ultrazeit scheute ich den Gedanken wie viele Kilometer noch vor mir liegen wie der Teufel das Weihwasser. Hatte Angst vor depressiven Phasen. Habe sie auch erlebt, zu Anfang, etwa bei einem 12h-Lauf. Heute ist das anders. Inzwischen kann ich &#8222;leer&#8220; sein und trotzdem den Z\u00e4hler munter r\u00fcckw\u00e4rts laufen lassen. Weil ich diese Situation des scheinbaren &#8222;nichts geht mehr&#8220; oder &#8222;bald geht nichts mehr&#8220; so, so, so oft erlebte. Sie sogar sehenden Auges herbeif\u00fchrte, weil ich aus vollem Training heraus in Ultrawettk\u00e4mpfe ging, die mir Mittel zu noch l\u00e4ngerem Zweck waren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich wich ich auf die Ultrastrecke aus, weil ich mich dar\u00fcber \u00e4rgerte, dass ich mir an der 3h-Stunden-Marke beim Marathon immer wieder den Kopf einrannte. Ein Teil meines Naturells ist das eines Grenzg\u00e4ngers. Keiner jener Hasardeure, die dabei mit ihrem Leben spielen. Davor h\u00e4tte ich Angst. Aber sich ausdauerm\u00e4\u00dfig v\u00f6llig zu verausgaben war mir immer schon Abenteuer wert. Also suchte ich nach dem Punkt, hinter dem wirklich Schluss ist. Ab dem ich nicht mehr laufen kann, einfach umfalle oder mich niedersinken lasse. Der kam nicht bei 100 km, auch nicht nach 24 Stunden, nicht einmal nach hinter 246 km des Spartathlons. Das wei\u00df ich heute, nach vielen auch sehr langen Ultral\u00e4ufen. Andererseits h\u00f6re ich auf meinen K\u00f6rper, der mit auf dem Weg von Athen nach Sparta nahelegte, es bei dieser Anforderung einmalig zu belassen. Sie nicht toppen zu wollen, ja sogar k\u00fcnftig darunter zu bleiben. Das ist vordringlich eine Entscheidung, die meinem Alter geschuldet ist. Darum rate ich jedem Ultral\u00e4ufer seine Tr\u00e4ume z\u00fcgig zu verwirklichen. Nichts \u00fcberst\u00fcrzen selbstverst\u00e4ndlich, sich sinnvoll \u00fcber die Jahre aufbauen, aber auch nicht s\u00e4umig sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Man fasst als n\u00e4chstes Ziel meist einen l\u00e4uferischen Traum ins Auge, oder eine Leistung, die einem als Herausforderung gilt, beschrieben in Kilo- und H\u00f6henmetern, die es zu \u00fcberwinden gilt. Ich habe r\u00fcckblickend erkannt, dass hinter diesen vordergr\u00fcndigen Zielen ganz andere Ziele erreicht werden, von denen man oft nicht einmal wei\u00df, dass es sie gibt, noch weniger, dass sie wichtig sein k\u00f6nnten. Zum Beispiel war mir irgendwann klar, dass ich aufgrund meines Ultratrainings und zahlreicher Ultrawettk\u00e4mpfe f\u00e4hig bin jederzeit &#8211; also jetzt, oder morgen, heute Nacht &#8211; einen Marathon zu laufen und &#8211; so es mich gel\u00fcstet &#8211; tags drauf erneut, wieder und wieder. Loslaufen und Ankommen, Zeit egal. Geht jederzeit und mehrfach. Ich war verbl\u00fcfft \u00fcber diese Erkenntnis. Hab sie irgendwann in eine spezielle Form des Wettkampfs umgesetzt &#8211; 10 Marathons in 10 Tagen, verbunden mit einer Zielzeitvorgabe. So ein &#8222;hintergr\u00fcndiges Ziel&#8220; f\u00fcr dich k\u00f6nnte sein, durch vielfache Wiederholung des Erlebnisses der schieren Aussichtslosigkeit in einen Zustand zu kommen, in dem dich rein gar nichts mehr erschrecken kann. So geht es mir seit einiger Zeit. Dass dieser Zustand wichtig ist ergibt sich aus der Tatsache, dass ich immer wieder in Situationen gerate, die von Anfl\u00fcgen von Verzweiflung gepr\u00e4gt sind, die auch neu sind und mir dann verbindlich Mut machen kann: Ich habs immer geschafft, egal wie aussichtslos es schien, also schaffe ich es heute auch &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lesen deines Berichtes musste ich mehrmals schmunzeln, fand mein eigenes Empfinden in \u00e4hnlicher Situation lebendig wiedergegeben. Zum Beispiel die wachsende Reizbarkeit, wenn man leidet und dieses Leiden sich nach und nach versch\u00e4rft. Dann geht mir so ziemlich alles auf den Wecker, ganz besonders nat\u00fcrlich zweifelhafte musikalische Darbietungen &#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcnsche dir weiterhin alles Gute und hoffe wir sehen uns in 2019 irgendwo auf oder an einer Strecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Herzlichen Gr\u00fc\u00dfe<\/p>\n\n\n\n<p>Udo&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hochmut kommt vor den Fall\u2026 nicht immer Vorspiel Als ersten 100 km Lauf 10 Mal 10 Kilometer zu laufen ist verr\u00fcckt, ich wei\u00df. \u201eCornelius mach das nicht, du kommst st\u00e4ndig am Ziel vorbei, musst aber weiterlaufen bei zunehmender Erm\u00fcdung\u201c sagte &hellip; <a href=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=24\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24"}],"collection":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":320,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions\/320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}