{"id":272,"date":"2019-08-21T07:57:40","date_gmt":"2019-08-21T07:57:40","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=272"},"modified":"2019-10-04T09:18:23","modified_gmt":"2019-10-04T09:18:23","slug":"freundschaft-und-zusammenhalt-mauerweglauf-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=272","title":{"rendered":"Freundschaft und Zusammenhalt &#8211; Mauerweglauf 2019"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Wettkampf sind einige wirklich schr\u00e4ge Dinge passiert. Ich schw\u00f6re euch hoch und heilig, dass ich alles so erlebt bzw. wahrgenommen habe, wie hier geschrieben. Nichts habe ich willentlich abge\u00e4ndert oder hinzugef\u00fcgt. Allerdings hat sich durch die massive Anstrengung meine Wahrnehmung zunehmend verschoben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Und dann ist es soweit: Schritt f\u00fcr Schritt tripple ich wieder in den Ludwig-Jahn-Sportpark hinein, laufe die Ehrenrunde zum Ziel. Obwohl dunkle, sp\u00e4te Nacht sind sowohl am Eingang des Sportparks als auch im Ziel viele Menschen und applaudieren. Ich nehme alle Kraft zusammen um die Ehrenrunde zu laufen und nicht zu gehen. Ersch\u00f6pft und \u00fcbergl\u00fccklich laufe ich \u00fcber die Ziellinie direkt zu einer Bank, plumpse auf sie und bleibe erstmal sitzen und lassen Alles wirken. Ich bin eine super Zeit gelaufen, nah dran an der ertr\u00e4umten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vorstellung habe ich in den letzten Monaten wieder und wieder vor meinem inneren Auge gesehen, sie mir w\u00e4hrend unz\u00e4hliger Trainingseinheiten und auch nachts im Bett wieder und wieder vorgestellt und durchlebt. Dadurch ist sie immer realer geworden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute m\u00f6chte ich sie wirklich und echt in die Realit\u00e4t umsetzen, erleben und durchleben. 162 Kilometer, den ganzen Weg der ehemaligen Mauer entlang vom Ludwig-Jahn-Sportpark aus gegen den Uhrzeigersinn um Berlin nach Postdam \u00fcber Checkpoint Charlie zur\u00fcck wieder in den Ludwig-Jahn-Sportpark ins Ziel hineinlaufen. In tiefer Nacht werde ich in Berlin City um die feiernden Gestalten im Zickzack herum laufen m\u00fcssen. Und das obwohl ich erst vor 14 Monaten meinen ersten Ultralauf finishte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich freue mich total, dass es endlich losgeht, seit November letzten Jahres bereite ich mich auf diesen Lauf vor, alle Wettk\u00e4mpfe seither waren letztendlich Vorbereitungs- bzw. Trainingsl\u00e4ufe f\u00fcr dieses Ziel, den Mauerweglauf, dem schwierigsten und l\u00e4ngsten Laufes meines bisherigen Lebens. Und zum ersten Mal habe ich richtig die Hosen voll. Rein gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig ist ein Scheitern im Bereich des M\u00f6glichen. Nat\u00fcrlich kommt das nicht in Frage, solange ich einen Fu\u00df vor den anderen setzen kann, werde ich das auch tun und ich habe viel Zeit, 30 Stunden, das muss ich schaffen. Die ersten 120 Kilometer kann ich in 14 Stunden laufen und h\u00e4tte f\u00fcr den verbleibenden Marathon noch 16 Stunden Zeit, sagt der Kopf. Aber das ist meinem Gef\u00fchl, meiner Angst egal, Angst interessiert Logik nicht. Und der Unterschied zu meinen bisherigen Ultral\u00e4ufen ist der, dass ich bei Ihnen wusste, dass ich irgendwie finishen w\u00fcrde, diesmal bin ich mir nicht v\u00f6llig sicher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne mich. Wegen meines riesigen Ehrgeizes und meiner Angst h\u00e4tte ich aus Unerfahrenheit viel zu fr\u00fch viel zu viel trainiert, h\u00e4tte mich eventuell verletzt oder Anfang Juli eine Bombenform gehabt und w\u00e4re Mitte August wie eine Primel eingegangen. Ich bin einfach noch zu unerfahren, f\u00fchle mich wie ein Greenhorn beim Veteranentreff. Deshalb habe ich Florian Reus engagiert als \u201eAutorit\u00e4t\u201c, die mich bremst, mir von ihm mein Training steuern lassen. Und es hat sich gelohnt. Gerade im Fr\u00fchjahr war ich oft \u00fcber die Trainingspl\u00e4ne erstaunt und dachte \u201eist das Alles?\u201c. In den letzten 8 Wochen ging es aber dann richtig zur Sache. Erst kamen pro Woche neben einem Lala ein Milala (= Mittellanger Langer Lauf) hinzu und schlie\u00dflich 2 Lalas in einer Woche. In Spitzenzeiten kamen manchmal 180 \u2013 190 Wochenkilometer zusammen. Und der Kontakt zu Florian ist gut, ich lerne viel von ihm und mag ihn gerne, er ist so wunderbar bescheiden geblieben finde ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eCornelius 100 Meilen sind eine komplett neue Welt, ganz anders als 100 Kilometer. Es geht darum,\u00a0sich irgendwie zwischen Kilometer 100 und Kilometer 160 von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation durchzuschleppen und sich nicht vorstellen k\u00f6nnen auch noch 2 weitere Kilometer zu laufen &#8211; was anderes wird das n\u00e4mlich in dieser Phase nicht sein (ich wei\u00df wovon ich rede) &#8211; ohne komplett zu resignieren,\u201c mailte mir Florian im Vorfeld des Mauerweglaufes.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit meinem Sohn habe ich eine Wette laufen. Da ich in meinen ersten beiden Ultrawettk\u00e4mpfen die ersten Kilometer harakirim\u00e4\u00dfig viel zu schnell angegangen bin, verpflichtete ich mich, sollte ich beim Mauerweglauf in den ersten 120 Kilometern mehr wie 2 Kilometer schneller als 6 Minuten pro Kilometer laufen (Ausnahme absch\u00fcssiges Gel\u00e4nde), den n\u00e4chsten Kandelmarathon mit Eselsm\u00fctze zu bestreiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wettkampftag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Um 4 Uhr hatte ich im Hotel gro\u00df gefr\u00fchst\u00fcckt. F\u00fcr uns L\u00e4ufer wurde das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet um kurz vor 4 Uhr ge\u00f6ffnet, danach fuhr uns ein Bus zum Ludwig-Jahn-Sportpark. Ich hatte viel gefr\u00fchst\u00fcckt. Bei diesem langsamen Lauftempo kann ich die ersten Stunden mit vollem Bauch gut laufen, das mache ich zu Hause im Training auch oft. Es sind ja auch noch 2 Stunden bis zum Start.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen 5.30 Uhr sitze ich mit einem Kaffee in der Hand auf einer Bierbank vor dem Ludwig-Jahn-Sportpark und rede mit Mike, Klaus und Udo. Mike und Klaus kenne ich aus dem Internet. Mit beiden entsteht sofort ein guter Draht als w\u00fcrden wir uns schon ewig kennen. Mit Udo ist der Draht sowieso gut. Diesmal durfte ich sogar seine wunderbare Frau kennenlernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerlich bin ich angespannt wie noch nie vor einem Lauf, habe wirklich \u201edie Hose voll\u201c. Die Gespr\u00e4che mit diesen tollen Menschen lenken mich ab. Ich f\u00fchle mich nicht allein, eher wie unter Freunden und das obwohl meine Familie viele Hundert Kilometer entfernt in der S\u00fcdpfalz zu Hause ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Internet wird der Start des Mauerwegs live \u00fcbertragen. Meine Frau ist aufgestanden und wird meinen Start live im Bett hinter dem Laptop verfolgen. Auch will sie meine Zwischenzeiten verfolgen. Bei jeder Verpflegungsstation wird die Zwischenzeit live im Internet ver\u00f6ffentlicht, so wird meine Familie zu Hause mitfiebern. Es tut gut das zu wissen. Um kurz vor 6 Uhr gehen wir in den Sportpark hinein zum Start. Es ist leichter Regen und viel W\u00e4rme f\u00fcr heute angesagt. Ich trage mein Vereinsshirt, eine kurze Hose und Kompressionssocken. Ern\u00e4hrungstechnisch habe ich mich f\u00fcr Bew\u00e4hrtes entschieden. In einer G\u00fcrteltasche habe ich Salzkapseln und einige Beutel des so ziemlich einzigen Kohlenhydratpulvers deponiert, dass ich vertrage. Dazu 2 Ersatzgels derselben Firma und eine Trinkflasche, in die ich schon die erste Portion des Kohlenhydratpulvers eingef\u00fcllt habe und mein eingeschaltetes Handy. Man musste bei der Abholung der Startunterlagen seine Handynummer hinterlegen. Im Briefing wurde darauf hingewiesen, dass es sein kann, dass die Rennleitung einen anruft. Wer nicht erreichbar ist, wird disqualifiziert. Zum Schutz vor Regen und Sonne habe ich mein Laufcappy aufgesetzt. In der Hand halte ich meine kleine Kamera.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu drei Dropbagstationen auf der Strecke konnte man pers\u00f6nliche Dinge in so genannten Drobags transportieren lassen. In die ersten beiden Dropbags habe ich weiteres Kohlenhydratpulver sowie 2 Ersatzgels bringen lassen, zur dritten Station Ersatzkleidung (Hose, Socken, Jacke, Ersatzschuhe) sowie meine Nachtausr\u00fcstung (Stirnlampe, Ersatzstirnlampe und eine Reflektionsweste) und nat\u00fcrlich weiteres Kohlenhydratpulver. Beim Briefing wurden wir darauf hingewiesen, dass das Tragen einer funktionierenden Stirnlampe einer reflektierenden Warnweste Pflicht ist. \u201eWer das nicht hat wird aus dem Rennen genommen. Wenn eine Stirnlampe aus technischen Gr\u00fcnden nicht geht auch, das ist dann euer Problem\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Rennen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0394-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-276\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0394-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0394-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0394-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0394-1.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie immer bei Ultral\u00e4ufen geht der Start ziemlich unspektakul\u00e4r von statten. Eine kurze Rede, der Sprecher zollt uns L\u00e4ufern Respekt f\u00fcr unser Vorhaben, dann wird von 10 heruntergez\u00e4hlt und dann geht es los: Eine Runde durch den Ludwig-Jahn-Sportpark, dann aus ihm heraus an einem Stadion vorbei auf die Stra\u00dfen zur Mauer bzw zum Mauerweg. Obwohl es sehr fr\u00fch ist, stehen viele Leute am Ausgang des Sportparks und jubeln. Ich bekomme das kaum mit, bin weit weg, in mir, fokussiert, stelle mich auf die Anstrengung ein, die vor mir liegt. Bez\u00fcglich meiner Pace sind die ersten Kilometer die schwierigsten, da ich noch v\u00f6llig angespannt und aufgeregt bin und in solchen Phasen des Rennes dazu neige, viel zu schnell zu laufen. Meine Uhr zeigt starke Paceschwankungen an. Mal bin ich mit 3 Minuten pro Kilometer unterwegs und dann wieder 9, obwohl meine Pace sich kaum ge\u00e4ndert hat. Egal, einfach so gut es geht laufen. Die Laufrichtung \u00e4ndert sich beim Mauerweg jedes Jahr, diesmal geht es gegen den Uhrzeigersinn, so dass die vielen Ampeln erst nachts gegen Ende des Rennens kommen. Wer bei Rot \u00fcber die Ampel rennt, wird disqualifiziert und bei so gut wie jeder Ampel in den ersten Kilometern stehen Ordner, die das kontrollieren. Mir f\u00e4llt es schwer bei jedem Gr\u00fcn wieder gleich die richtige Pace zu bekommen, zumal meine Uhr gerade heute so ungenau ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Panne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon nach wenigen Kilometern werden die H\u00e4user weniger und es kommen erst Gr\u00fcnanlagen und dann immer mehr B\u00e4ume, schlie\u00dflich dichter Wald.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0404-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-286\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0404-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0404-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0404-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0404-1.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Hier kommt der erste ungeplante Zwischenfall. Wieder und wieder fallen meine Kohlenhydratpulverbeutel aus meiner G\u00fcrteltasche heraus. Ausprobiert hatte ich zu Hause 3 Beutel, hier habe ich 4 und 2 Gels. Ich hebe sie immer wieder auf und laufe weiter, stopfe sie besser in die G\u00fcrteltasche hinein, bis sie wieder herausfallen. Ich \u00e4rgere mich \u00fcber meine Nachl\u00e4ssigkeit und laufe weiter, kann eh nichts \u00e4ndern. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach 1,5 Stunden ist es Zeit f\u00fcr die erste Ladung Kohlenhydrate. Ich f\u00fclle Wasser in meine Flasche, sch\u00fcttle und trinke etwa die H\u00e4lfte gleich, den Rest nach und nach auf der Strecke. Nat\u00fcrlich nehme ich st\u00fcndlich 2 Salzkapseln zu mir. Regelm\u00e4\u00dfig kann man Gedenktafeln von ermordeten Maueropfern sehen. Auch f\u00fchlt es sich ungut an, sich vorzustellen, wie beklemmend und \u00f6de die jetzt sch\u00f6ne Landschaft fr\u00fcher durch die Mauer ausgesehen hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0398-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-278\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0398-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0398-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0398-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0398-1.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach einigen Kilometern geht es aus dem Wald heraus in ein Wassergebiet. In einem Seegebiet sind viele kleine Sportboote. Im Ruderclub Havel kommt eine weitere Verpflegungs- sowie die erste Dropbagstation. Ich habe genug Kohlenhydratpulver f\u00fcr die n\u00e4chsten 40 oder 50 Kilometer, nehme mir deswegen nichts aus meinem ersten Dropbag und laufe weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0410-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-288\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0410-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0410-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0410-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0410-1.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Etwa bei Kilometer 40 schlie\u00dfe ich zu zwei anderen L\u00e4ufern auf, laufe einige Kilometer mit ihnen und rede mit ihnen. Von ihnen erfahre ich, dass wir mit einer 6er Pace unterwegs sind. \u201eWirklich?\u201c frage ich. \u201eMeine Uhr spinnt, zeigt st\u00e4ndig schwankende Werte an\u201c sage ich. \u201eNein stimmt aber\u201c sagt er und fragt seinen Begleiter. \u201eWir sind schon seit einigen Kilometern mal leicht schneller mal leicht langsamer als 6 Minuten pro Kilometer unterwegs\u201c. \u201eSchei\u00dfe\u201c antworte ich, \u201edann habe ich wohl verloren\u201c und erz\u00e4hle ihnen von meiner Wette. \u201eEs sei denn die Verpflegungsstationen und Ampeln retten meinen Ar\u2026\u201c. \u201eDas kann gut sein\u201c meinen sie, \u201ewarte doch mal ab\u201c. Ich verabschiede mich von ihnen und laufe von nun an erheblich langsamer. Einen kurzen Moment schie\u00dft durch meinen Kopf der Gedanke, dass durch dieses hohe Tempo in den ersten 40 Kilometern das Ende dieses Laufs ganz hart wird, aber diesem Gedanken gebe ich keine Bedeutung und laufe so gut es geht erheblich langsamer weiter. Bei Kilometer 50 achte ich auf meine Zeit. Ich habe f\u00fcr diese 5:07 Stunden ben\u00f6tigt, geplant waren 5:30 Stunden, das sind Welten, das wird sich sp\u00e4ter definitiv r\u00e4chen, ist mir in diesem Moment aber egal.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fantasie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Extremsituationen hat mein Unterbewu\u00dftsein des \u00f6fteren einen ziemlich schr\u00e4gen Humor. W\u00e4hrend ich langsam durch die wundersch\u00f6ne Landschaft des Mauerweges entlanglaufe besch\u00e4ftige ich mich mit der wohl verlorenen Wette. Ganz sicher bin ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht, da ich an jeder Verpflegungsstation angehalten und getrunken habe. Ich bin aber immer so schnell wie m\u00f6glich weiter gelaufen, habe versucht die Aufenthaltszeiten so kurz wie m\u00f6glich zu machen. W\u00e4hrend ich mich damit besch\u00e4ftige, entsteht in meinem Kopf folgende surreale Phantasieszene:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Richter: \u201eDie Anklage hat das Wort\u201c.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Anklage: \u201cDer Angeklagte ist ein nutzloses Element unserer L\u00e4ufergemeinschaft, l\u00e4uft seine Ultrawettk\u00e4mpfe immer viel zu schnell ohne Sinn und Verstand und ist damit eine Schande unserer Ultral\u00e4ufergemeinschaft. Chancen hat er viele bekommen sich zu bessern, sie aber nicht genutzt, auch hier bei einem 100 Meilenlauf l\u00e4uft er wieder mal viel zu schnell. Ich halte ihn f\u00fcr nicht resozialisierbar. Ich beantrage, dass er als abschreckendes Beispiel f\u00fcr die anderen L\u00e4ufer unserer Gemeinschaft dazu verurteilt wird, jede Trainingseinheit und jeden Wettkampf mit Eselsm\u00fctze zu bestreiten als Schandmahl.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Richter: \u201cWas hat der Angeklagte dazu zu sagen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich: \u201eBeim WHEW habe ich aber eine gute Pace geschafft. Zu Beginn eines Wettkampfes bin ich extrem aufgeregt und brauche DRINGEND eine Uhr mit genauer Angabe meiner Pace zur Kontrolle derselben. Diesmal hat meine Uhr gesponnen, daf\u00fcr kann ich nichts und bitte deswegen um Gande\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Anklage: \u201eEinspruch, nichts als Ausreden. Gnade und zweite Chancen hat der Angeklagte genug gehabt. Er muss hart bestraft werden!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Richter: \u201eIch verurteile den Angeklagten, den n\u00e4chsten Bienwaldmarathon in Eselsm\u00fctze zu bestreiten!\u201c Nach dem Rennen muss ich mir meine Pace mal genau ansehen und sollte ich immer \u00fcber 6 Minuten pro Kilometer liegen, gehe ich in Berufung\u201c denke ich mir.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weitere Panne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Innerlich muss ich schmunzeln \u00fcber diese Phantasie, hilft aber nichts, ich laufe weiter. Meine Beine sind erheblich schwerer geworden, ich muss mehr k\u00e4mpfen. Es geht in einen h\u00fcbsch angelegten Park vom Schloss Sacrow, der n\u00e4chste Verpflegungsstand sowie die zweite Dropbagstation. Hier kann und muss ich weitere Kohlenhydratpulverbeutel aus meinem Dropbag holen. Ich gehe zum Dropbagstand, nenne meine Startnummer. Der Helfer geht zu den vorsortierten Beuteln, sucht, kommt wieder und sagt \u201ebitte geh erst mal etwas trinken, ich muss genauer suchen!\u201c. Gut, ich trinke und gehe zur\u00fcck. Nach 5 Minuten kommt er zu mir: \u201eSorry ich kann ihn nicht finden, war da etwas Wichtiges drin?\u201c \u201eJa, das so ziemlich einzige Kohlenhydratpulver, dass ich vertrage\u201c. \u201eKannst du was essen?\u201c \u201eNe, da muss ich kotzen, aber Pech so ist das nun mal, da kann man jetzt nichts machen\u201c. \u201eDu nimmst das aber locker\u201c sagt er. \u201eJetzt muss ich mich mit Limonade ern\u00e4hren, so viel trinken, dass ich in keinen Kohlenhydratmangel kommen, aber so wenig, dass ich mich nicht \u00fcbergeben muss\u201c denke ich mir. Erstaunlicherweise nehme ich das in diesem Moment als gegeben hin. Erst im Nachhinein f\u00e4llt mir auf wie fokussiert ich da war. Ich laufe weiter, nicht wissend wie ich diesen Lauf beenden soll, merke aber in den folgenden Kilometern, dass mir das viel ausmacht. Also nehme ich mein Handy und rufe Simone an, entlaste mich hzw. \u201ekotze&#8220; mich (verbal) aus, erz\u00e4hle ihr von meinem Leid. Zum Gl\u00fcck wusste ich in diesem Moment nicht, was noch kommen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Simone h\u00f6rt mir zu, was mir guttut. Zugleich sagt sie mir, dass sie mich im Internet nicht findet, ich gebe ihr den Tip es bei Raceresult zu probieren. Ich sage ihr, dass das was jetzt kommt richtig hart werden wird und bitte sie und meinen Sohn Gabriel an mich zu denken. Sie antwortet, das ganz viele Freunde und Verwandte mitfiebern. Das r\u00fchrt mich, ich danke ihr und lege auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0409-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-287\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0409-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0409-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0409-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0409.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcber die folgenden Kilometer wei\u00df ich fast nichts mehr. Ich wei\u00df noch dass es um einen See herum ging, durch ein paar D\u00f6rfer. Ich hadere mit meinem Schicksaal, bin extrem frustriert und laufe weiter. Meine Beine werden immer schwerer. Bei Kilometer 60 kommt die Gedenktafel des diesj\u00e4hrigen Maueropfers, Dieter Wohlfahrt, der vielen Menschen die Flucht in den Westen als Fluchthelfer erm\u00f6glich hat und dabei als sehr junger Mann erschossen wurde. Als Aktion konnte man seine Gedanken auf eine Karte schreiben und an ein Pinnwand pinnen. Ich bin so \u201eweg\u201c bzw. \u201eim Tunnel\u201c, dass ich es nicht schaffe etwas zu schreiben. So bleibe ich kurz vor der Gedenktafel stehen, gedenke Dieter Wohlfahrt und bekunde meinen Respekt und laufe weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Krise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Rande von Postdam passiert es: Ich kann nicht mehr, ich gehe. Wieder und wieder versuche ich zu laufen, schaffe es aber nicht. W\u00e4hrend ich durch Potsdam wandere, rechne ich mir aus, dass ich wandernd gegen 3 Uhr das Ziel erreichen werde. Nat\u00fcrlich hatte ich mich bei der Zeitangabe total verrechnet. Die Aufenthaltszeiten bei den Verpflegungsst\u00e4nden hatte ich bei dieser Rechnung gar nicht ber\u00fccksichtigt, auch nicht die enormen Wartezeiten an den roten Ampeln. Ich wundere mich, wie fr\u00fch das ist, finde den Fehler nicht und gehe weiter. Insgeheim rechne ich damit, bis zum Ziel wandern zu m\u00fcssen und programmiere mich darauf. Zur Unterst\u00fctzung rufe ich Florian an, spreche auf Mailbox und bitte um R\u00fcckruf. 10 Minuten sp\u00e4ter bin ich mir absolut sicher zu finishen und spreche ihm erneut auf Mailbox und sage, dass sich das er\u00fcbrigt hat. 10 Minuten sp\u00e4ter kommt eine Wattsapp &#8211; Nachricht. Florian schreibt, dass er wieder am Computer sitzt und mich verfolgt. Also rufe ich ihn an und berichte von meinem Leid und vom Entschluss notfalls die ganze Nacht durchzuwandern. Er best\u00e4tigt mich darin. \u201eDu hast eine super Zeit, liegst gut im Rennen, sieh zu, dass du ins Ziel kommst, du wirst sehen, dass das ein ganz besonderes Erlebnis f\u00fcr dich wird. Und wenn du kannst, dann laufe. Je l\u00e4nger du wanderst, um so schwerer wird das Laufen\u201c. Mich r\u00fchrt es, dass selbst er mich \u00fcber Internet verfolgt, ich bedanke mich und sage ihm, dass er sein Handy ausschalten soll, wenn er ins Bett geht, da ich auch ihm ein \u201eNachherfoto\u201c schicken werde. Er lacht und wir legen auf. In diesem Moment h\u00e4tte ich ihn knutschen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Senioren kommen mir entgegen. \u201eWie kann man nur einfach so durch die Landschaft laufen immer weiter und immer weiter, das ist doch verr\u00fcckt\u201c schimpft er in aggressiver Stimme zu seiner Frau. \u201eW\u00e4rst du auch mal gelaufen, dann w\u00e4rst du nicht so motzig aggressiv\u201c denke ich mir. Zugleich muss ihm in Sachen \u201everr\u00fcckt\u201c recht geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>weiter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende von Potsdam kommt der K\u00f6nigsweg. Auf den Boden haben die Streckenmarkierer gespr\u00fcht: \u201eAb hier 7 Kilometer keine Markierung, ab hier Weg 7 Kilometer weiter\u201c. Ich probiere zu laufen und siehe da es klappt. Weil der K\u00f6nigsweg sehr wellig ist, kommen einige Steigungen die ich gehe, aber so gut wie alles laufe ich. Mit der Ern\u00e4hrung ist es eine Gradwanderung. Ich kann Limonade schon trinken, aber nicht bei zu langen L\u00e4ufen. Also trinke ich bei jedem Verpflegungsstand etwas Grapfruitlimonade und trinke danach zu Verd\u00fcnnung viel Wasser. Ab und an wird mir leicht \u00fcbel, dann trinke ich einige Zeit weniger Limo und mehr Wasser. Dann bekomme ich wieder Hunger, dann trinke ich mehr Limonade. Ich besch\u00e4ftige mich nicht mehr mit dem Kohlenhydratpulver sondern versuche zu finishen und lasse mich von den Umst\u00e4nden verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig ablenken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>n\u00e4chste Panne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Wald geht es auf den Fu\u00dfg\u00e4ngerweg einer Stra\u00dfe. Genau auf der anderen Seite verschwindet ein L\u00e4ufer. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt zu einem Rondell. \u201eAha, f\u00fchrt der Weg ums Rondell\u201c denke ich mir. Aber es geht nach dem Rondell in eine andere Richtung weiter. Auf der anderen Stra\u00dfenseite laufen viele L\u00e4ufer zur\u00fcck. \u201eDas ist aber doof, denke ich mir, da h\u00e4tten die aber auch kreativer bei der Streckenf\u00fchrung sein k\u00f6nnen\u201c. Dann geht es links in einen Feldweg in eine Sporthalle, ein weiterer Verpflegungsstand. Das ist die Halle von Teltow, Kilometer 102. Ich bin nun so weit gelaufen wie noch nie in meinem Leben. Das Rennen ist aber noch nicht gelaufen. In meinem jetzigen Zustand sind 60 noch zu laufende Kilometer eine riesige Herausforderung. \u201eKomm heil zu Kilometer 120, mogele dich dann zu Kilometer 140 durch und k\u00e4mpfe dich dann bis ins Ziel\u201c sage ich mir immer wieder als Mantra. Die ganze Zeit sehe ich mich in Dunkelheit ins Ziel laufen. In Teltow gibt es Liegematten zum Ausruhen. Nat\u00fcrlich meide ich sie. Ich trinke und laufe weiter, keine Zeit verlieren. Die Aufenthaltszeiten werden erfahrungsgem\u00e4\u00df mit dem weiteren Rennverlauf immer l\u00e4nger, da kann man viel Zeit verlieren. Deswegen immer m\u00f6glichst schnell weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder geht es durch den Wald. Gehen und Laufen wechseln sich ab, ich laufe aber mehr als ich gehe. Bei Kilometer 112 kommt die dritte Dropbagzone. \u201eWenn die auch dort deinen Beutel nicht finden, musst du das Rennen aufgeben\u201c, denke ich mir. W\u00e4hrend Kilometer 112 unaufhaltsam n\u00e4her r\u00fcckt, steigt meine Nervosit\u00e4t. Die Verpflegungsstation bei Kilometer 112 kommt, keine Dropbags. Ich wundere mich und frage nach, keiner wei\u00df eine Antwort. Anscheinend habe ich mich vertan. Also weiter zur n\u00e4chsten bei Kilometer 120. Mein Handy klingelt. Simone. \u201eSeit Kilometer 102 kommt im Internet nichts mehr von dir. Geht\u2019s dir gut?\u201c \u201eJa\u201c sage ich und berichte kurz. Dann verabschieden wir uns.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0405-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-280\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0405-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0405-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0405.jpg 1440w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es geht durch ein Wohngebiet, dann durch eine wundersch\u00f6ne Baum \u2013 Buschlandschaft aber auch an Autobahnen und Schnellstra\u00dfen entlang. Einige Ampeln haben 10 Sekunden gr\u00fcn und 3 Minuten rot \u2013 Phasen. Ich laufe und gehe. Eine L\u00e4uferin deren Alter ich auf Mitte \u2013 Ende 50 sch\u00e4tze l\u00e4uft schon die ganze Zeit mit mir in einem wunderbar konstant langsamen Tempo aber mit einem enorm sauberen Laufstiel. Ich wundere mich, wie sauber sie noch laufen kann. Kurz vor Kilometer 120 er\u00f6ffnet sie mir, dass sie Staffell\u00e4uferin ist und bei der n\u00e4chsten Verpflegungsstation aufh\u00f6rt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dropbag 3&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0413-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-289\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0413-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0413-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0413.jpg 1440w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Verpflegungsstation kommt \u2013 wieder keine Drop Bags. Ich frage nach. Einer der Volunteers am Stand sieht nach und sagt mir, dass die letzte Dropbagstation in Teltow also bei Kilometer 102 war. Auch jetzt kann ich r\u00fcckblickend nicht verstehen wie ruhig ich blieb. Ich sage \u201ewir haben 20 Uhr, ab 21 Uhr sind Stirnlampe und Warnweste Pflicht, das wars dann wohl mit meinem Rennen\u201c: Er sagt \u201eMoment, warte mal\u201c und geht weg. Ich setze mich auf eine Bank und rede mit einem Staffell\u00e4ufer. Der Volunteer kommt wieder, \u201ewarte Cornelius, das kriegen wir schon hin\u201c und verschwindet. Gef\u00fchlte 5 Minuten sitze ich, bin innerlich und \u00e4u\u00dferlich vollkommen ruhig. Der Volunteer kommt wieder mit jemand anderem. \u201eIch habe eine Lampe f\u00fcr dich\u201c sagte der Volunteer. \u201eAber es ist nur eine Brustlampe\u201c sagt der andere. \u201eWann kommst du ins Ziel?\u201c fragt er. \u201eIch bin tot, das kann dauern, ich denke es wird 2 Uhr\u201c sage ich. Wir verabreden, dass ich ihm seine Lampe auf dem Postweg schicke. Da ich mich au\u00dfer Lage sehe, seine Adresse in mein Handy zu tippen erledigt er dies f\u00fcr mich. Er ist Radbegleiter eines anderen, schnelleren englisch sprechenden Einzell\u00e4ufers. \u201eIch brauche aber auch eine Warnweste\u201c sage ich. \u201eMoment\u201c sagt er, rennt weg und kommt 1 Minute sp\u00e4ter mit einer orangenen aus seinem Auto. \u201eGib sie im Ziel ab und sage dass sie von Mike von der Verpflegungsstation bei Kilometer 120 ist\u201c. \u201eMike Tausend Dank, du hast mir den Ar\u2026 gerettet, du bist ein Schatz\u201c, dann laufe ich begl\u00fcckt weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den folgenden Kilometern treffe ich st\u00e4ndig meinen Retter, der mir die Brustlampe gegeben hatte. Der L\u00e4ufer, den er begleitet, schw\u00e4chelt, ich kann gr\u00f6\u00dftenteils laufen. \u201eDu kommst ja wohl erheblich fr\u00fcher als 2 Uhr ins Ziel\u201c sagt der Radbegleiter. \u201eDas hoffe ich\u201c antworte ich. Ich nehme wahr, wie sowohl die Prozessorleistung als auch der Arbeitsspeicher in meinem Kopf abnehmen. Mein Kopf verwandelt sich allm\u00e4hlich von einem Hochleistungscomputer in einen alten \u201eCommodore 64\u201c (ein Computer der allerersten Generation). Immer wieder bemerke ich \u201emoment, da ist etwas\u201c. Dann \u00fcberpr\u00fcfe ich was da ist.&nbsp;&nbsp;\u201eJemand hat etwas gesagt\u201c. Dann \u00fcberpr\u00fcfe ich, ob ich gemeint bin, wenn ja, versuche ich dem Gesagten einen Sinn zu geben. Wenn das klappt antworte ich, wenn nicht, frage ich nach. Dieser Vorgang dauert von Kilometer zu Kilometer l\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Berlin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es d\u00e4mmert. Wir erreichen die Au\u00dfenbezirke von Berlin. Nach einer gro\u00dfen Br\u00fccke geht es neben eine Autobahn. Dieser folgen wir f\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer. Wieder treffe ich den L\u00e4ufer mit dem Radbegleiter, dessen Brustlampe ich habe. Weil die Brustlampe an der Brust h\u00e4ngt, schwank durch meine Laufbewegungen der Lichtkegel, als w\u00e4re er v\u00f6llig betrunken. St\u00f6rt mich ungemein, ist aber Pech. Ich gehe, der andere L\u00e4ufer auch. \u201eWhat are we doing here?\u201c fragt der L\u00e4ufer seinen Begleiter. \u201eA craziness\u201c antwortet der Radbegleiter. \u201eNo, it\u00b4s an absolutely motherfucking craziness\u201d antworte ich. Wir alle lachen, dann geht es weiter. Ich gehe, die anderen auch, ich bin aber etwas schneller. \u201eWow you have a fast walking pace\u201c sagt der andere L\u00e4ufer, allerdings beginnt er schneller als ich los zu laufen, weg ist er, ich sehe ihn nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesichter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seitlich am Rande des Weges sind immer wieder Geb\u00fcsche. In den Geb\u00fcschen gibt es Aussparungen. In einer der Aussparungen sehe ich pl\u00f6tzlich eine h\u00e4ssliche Fratze. Erstaunt blicke ich nach rechts und sehe sie nicht mehr. Lange musste ich \u00fcberlegen, woher ich diese Fratze kannte. Erst am n\u00e4chsten Tag fiel bei mir der Groschen: Es gibt einen James Bond Film mit Roger Moore in dem Vodoo vorkommt, ich wei\u00df nicht mehr wie er hei\u00dft. Und mehrmals kommen in diesem Film lebensgro\u00dfe Puppen vor mit h\u00e4ssliche&nbsp;&nbsp;Fratzen als Gesicht. Und genau diese sehe ich pl\u00f6tzlich. Ich wundere mich, gebe dem keine Bedeutung und wandere weiter. Immer wieder versuche ich zu laufen, das klappt aber fast nicht mehr, ein paar Hundert Meter, dann wandere ich wieder. Die Autobahn endet. Es geht in Richtung Innenstadt. Mike hatte mich schon von der S\u00e4ufermeile in Kreuzberg gewarnt. Zuerst kommt ein sch\u00f6ner Park. Bei Kilometer 95 hatte ich einen sehr langsam gehenden sehr jungen L\u00e4ufer mit geb\u00fccktem Kopf \u00fcberholt und ihm Mut zugesprochen. Ich hatte gesagt \u201ehey bleib am Ball, selbst wenn du ab jetzt nur noch wanderst kommst du rechtzeitig ans Ziel\u201c. Ich treffe ihn wieder und wir laufen zusammen. Weil wir uns schon mehrmals begegnet sind bei diesem Lauf und wir auch jetzt schon wieder ein paar Kilometer zusammen. Ich zitiere ich ihm ein Filmzitat aus dem Film \u201eder Gladiator\u201c: \u201eIf we stay and fight together, we will survive\u201c. Nach einiger Zeit l\u00e4uft er alleine weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fratzen an Geb\u00fcschaussparungen und Hauseing\u00e4ngen werden h\u00e4ufiger. Ich gebe ihnen keine Beachtung, will einfach nur finishen. Wir sind in einem Wohngebiet f\u00fcr sozial Schwache. Es geht in einen Park. Dieser ist voll von feiernden, betrunkenen Menschen. In der Luft liegt ein starker s\u00fc\u00dflicher Geruch von Cannabis. Zwei Kiffer spreizen Zeige- und Mittelfinger bei ausgestreckter Hand, das \u201ePeace-Zeichen\u201c der Kiffer. Dann geht es eine Stra\u00dfe an der Mauer entlang. Der Fu\u00dfg\u00e4ngerweg ist voll von feiernden Leuten um die ich herumlaufen muss. Auch ist es extrem schwer die Pfeile der Wegmarkierung zu finden. Das ist kein Vorwurf an die Organisatoren. Diese haben in Sachen Wegmarkierung und auch in Allem sonst ganz hervorragende Arbeit geleistet. Nur war die Navigierung durch die vielen Leute und meine zunehmende M\u00fcdigkeit so schwer. Weiter geht es via Potsdamer Platz, Checkpoint Charly an allen historischen Pl\u00e4tzen der Mauer vorbei. Zwei Polizisten an der Britischen Botschaft applaudieren. Meine Uhr gibt ihren Geist auf. Die vorletzte Verpflegungsstation ist von Vietmanesinnen bewirtschaftet. Sie strahlen mich stolz an und versorgen mich. Es macht auf mich den Eindruck als seien sie richtig stolz uns L\u00e4ufer versorgen zu d\u00fcrfen. Toll. Wie immer bedanke ich mich und laufe weiter. Jetzt am Bundestag vorbei, dann durch Stra\u00dfen zur letzten Verpflegungsstation. Ich lasse meine Flasche halb mit Wasser und halb mit Grapfruitlimonade f\u00fcllen. \u201eJetzt hast du noch 5 Kilometer, genie\u00dfe sie\u201c sagen mir die Frauen vom Stand. Sie blicken mich liebevoll an als wissen sie was es bedeutet 162 Kilometer zu laufen. \u201eNe, f\u00fcrs genie\u00dfen bin ich zu tot\u201c sage ich. \u201eDann geni\u00dfe den Zieleinlauf\u201c sagen sie, \u201emache ich\u201c. Selbst das Wandern f\u00e4llt mir immer schwerer. Die ganze Stra\u00dfe ist eine Allee. Unter den B\u00e4umen klebt der Boden. Bei jedem Schritt gibt es ein komisches \u201ePlopp-Ger\u00e4usch\u201c. Die Fratzen werden h\u00e4ufiger, ich beachte sie nicht, nur weiter, immer weiter bis ins Ziel.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl ich als Kinderpsychotherapeut vom Fach bin, habe ich w\u00e4hrend des Rennes nicht kapiert, dass ich halluziniere. Ich bin aber absolut richtig damit umgegangen, ich nahm die Fratzen als gegeben hin, gab ihnen keine Bedeutung und beachtete sie nicht. Ich war absolut aufs Finishen fokussiert. Im Nachhinein l\u00e4uft ein Schauer den R\u00fccken hinunter, wenn ich daran denke.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ziel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon fertig geduschte Staffell\u00e4ufer stehen an der Stra\u00dfe feuern mich an und bejubeln mich. \u201eIst es noch weit?\u201c frage ich, \u201eneh, das Tor ist dort vorne\u201c. Ich rufe Simone an \u201edas Tor kommt jetzt, ich habe eine orangene Warnweste an und eine Brustlampe, keine Stirnlampe und meine typisch hellblauen Socken. Dann geht es durch das Tor am Station vorbei zum Eingang des Ludwig-Jahn-Sportparks.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist es soweit: Schritt f\u00fcr Schritt tripple ich wieder in den Ludwig-Jahn-Sportpark hinein, laufe die Ehrenrunde zum Ziel. Obwohl dunkle, sp\u00e4te Nacht sind sowohl am Eingang des Sportparks als auch im Ziel viele Menschen und applaudieren. Ich nehme alle Kraft zusammen um die Ehrenrunde zu laufen und nicht zu gehen. Ersch\u00f6pft und \u00fcbergl\u00fccklich laufe ich \u00fcber die Ziellinie direkt zu einer Bank, plumpse auf sie und bleibe erstmal sitzen und lassen alles wirken. Ich bin eine super Zeit gelaufen, nah dran an der ertr\u00e4umten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich hatte ich mir vorgenommen im Ziel durch die Internetkamera Simone zu gr\u00fc\u00dfen, aber das schaffe ich nicht mehr. Auf der Bank bleibe ich erstmal lange sitzen, telefoniere mit Simone, danke ihr, schie\u00dfe das \u201eNachherfoto\u201c, dass ich Verwandten und Freunden sowie Florian Reus schicke. Er ist tats\u00e4chlich aufgeblieben, um sich meinen Zieleinlauf anzusehen, gratuliert mir per Wattsapp, und geht dann ins Bett. \u201eDu musst schleunigst ins Hotel, sonst wirst du krank\u201c denke ich mir. Also wanke ich wie ein alter Mann zum Fahrzeug, wo der Chip abgeben werden muss, gebe ihn ab und bekomme pl\u00f6tzlich ganz heftigen Zitteranfall, bemerke dass ich v\u00f6llig durchgefrohren bin. Also ganz schnell Dropbags und Finishershirt holen. Dann schleppe mich ins obere Stockwerk zur Dusche. Der Weg die Treppe hoch erk\u00e4mpfe ich mir Stufe f\u00fcr Stufe und komme mir wieder mal wie bei einem Ultratrail Lauf vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blasen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Umkleide sind zwei andere L\u00e4ufer. Wir fotografieren unsere F\u00fc\u00dfe und schicken diese Bilder an unsere Frauen. Unter anderem habe ich eine riesige Blutblase. Ich spreize meinen Zeh, damit man die Blase besser sieht, der andere fotografiert sie mit meinem Handy. Dann schicke ich die Bilder ab. \u201eDeine Frau wird erschrecken wenn sie das sieht\u201c sagt der eine L\u00e4ufer. \u201eNein, sie wird sagen \u201each B\u00e4r das tut mir so leid, deine armen F\u00fc\u00dfe\u201c\u201c..Eine Minute sp\u00e4ter kommt eine Sprachnachricht von Simone. Ich stelle mein Handy auf \u201elaut\u201c und die exakt gleichen W\u00f6rte im exakt gleichen Tonfall wie ich 1 Minute vorher: \u201eAch B\u00e4r, das tut mir leid, deine armen F\u00fc\u00dfe\u201c. Wir m\u00fcssen alle drei lachen. \u201eDeine Frau hat eine sch\u00f6ne Stimme, das muss eine tolle Frau sein\u201c sagt der eine L\u00e4ufer. \u201eJa\u201c antworte ich, \u201eich bin froh dass ich mit ihr verheiratet bin\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0423-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-281\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0423-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0423-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/DSCN0423.jpg 1440w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Nacht war kurz und heftig. An n\u00e4chsten Tag hielt Reiner Eppelmann eine bewegende Rede zum Thema Mauer und dann wurden alle Finisher einzeln geehrt. Da die Teilnehmerzahl dieses Jahr von 350 auf 500 Einzell\u00e4ufer erh\u00f6ht wurde, hatte die Ehrung f\u00fcr mich dieses Jahr den Charakter einer Massenveranstaltung. Alle L\u00e4ufer wurden geehrt, wurden wegen der gro\u00dfen Anzahl aber rasch \u201edurchgeschleust. Aber alle sahen wir uns wieder, Udo, Klaus, Mike und all die anderen. Jeder erz\u00e4hlte seine Geschichte und wusste genau, was der andere durchgemacht hatte. Auch wenn wir uns im Rennen nicht oder kaum gesehen haben, hat uns dieses gemeinsame Erlebnis verbunden. Mit Mike, R\u00fcdiger und den jeweiligen sympathischen Frauen, die dieses Jahr ja noch den Spartathlon vor sich haben, wurde der Tag im Biergarten ausgeklingen gelassen. Neben dem Lauf waren die Begegnungen mit den Menschen ungemein bereichernd und wertvoll f\u00fcr mich. Obwohl ich diese Menschen kaum kenne, f\u00fchlt es sich an, als w\u00e4ren es alte Freunde, die ich schon ewig kenne.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 19 Stunden und 36 Minuten bin ich von 367 M\u00e4nnern 40. geworden. Stolz macht mich die Tatsache wie ich mit den Widrigkeiten umgegangen bin. Auch wenn ich viel gewandert bin, bin ich so viel gelaufen wie es nur ging. Mehr h\u00e4tte ich nicht laufen k\u00f6nnen. Aber ich denke mehr laufen ist trotz aller Ersch\u00f6pfung m\u00f6glich. Ich glaube, das ist eine Frage der Erfahrung. Mit zunehmender Erfahrung kann auch ich das lernen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wette<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wette mit meinem Sohn habe ich freilich verloren. Zu meiner Entlastung kann ich aber die unzuverl\u00e4ssig funktionierende Uhr ins Feld f\u00fchren. Ich hatte sie aus Unerfahrenheit auf eine zu oberfl\u00e4chliche Taktung eingestellt, was mein Fehler war, aber dadurch hatte ich schlichtweg keine Chance, die Wette zu gewinnen. Zu aufgeregt bin ich bei einem solchen Wettkampf die ersten Kilometer. Wenn mein Sohn eine Eselsm\u00fctze auftreibt, werde ich den n\u00e4chsten Kandelmarathon mit dieser bestreiten. Wettschulden sind Ehrenschulden. Da meine Frau aber bereits eine Eselsm\u00fctzenstrickanleitung aus dem Internet gezogen hat, rechne ich mit dem Schlimmsten. Sollte es aus Trainings- oder sonstigen Gr\u00fcnden beim Kandelmarathon nicht klappen, w\u00fcrde ich einen gleichwertigen Marathon heraussuchen. So oder so werde ich dies im Runnerworldforum bekannt geben. Bei meinen bisherigen Kandelmarathonteilnahmen hatte es meistens zwischen 15 und 20 Grad. Noch nie waren die Bedingungen so, dass eine solche M\u00fctze nicht absolut stressig w\u00e4re. Das kann also ein &#8222;Vergn\u00fcgen&#8220; werden<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie\u00b4s weiter geht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Bericht zum Karlsruher Nachtlauf, meinem ersten Ultralauf, hatte ich berichtet, wie ich w\u00e4hrend einer Verletzungsphase unsicher war, ob ich wieder w\u00fcrde richtig laufen k\u00f6nnen. Ich hatte erkannt dass ich jetzt Ultralaufen muss. Simone hatte mit \u201edas wei\u00df ich schon lange, endlich kapierst du\u00b4s auch\u201c reagiert. Ich hatte ihr damals aber noch mehr gesagt, was ich in dem Laufbericht nicht geschrieben hatte:&nbsp;&nbsp;Ich hatte ihr gesagt dass ich in jedem Fall am Mauerweglauf teilnehmen w\u00fcrde und es wohl auch darauf hinauslaufen w\u00fcrde, dass ich am Sparthatlonlauf teilnehme. Auch dazu hatte Simone gesagt \u201edas wei\u00df ich schon lange, endlich kapierst du\u00b4s auch\u201c. Nur wusste ich damals nicht und wei\u00df auch heute nicht ob es jemals dazu kommen wird, jedoch ist dies definitiv ein Traum von mir. Wenn ich das Gef\u00fchl habe soweit zu sein und es dann famili\u00e4r passt, werde ich den Sparthatlon laufen, wenn nicht dann nicht. In jedem Fall bin ich diesem Traum nun ein St\u00fcck weit n\u00e4her gekommen. Nur sehe ich es nicht ein mir die Gegenwart durch die Zukunft kaputt machen zu lassen. Meine l\u00e4uferische Gegenwart finde ich absolut geil, genie\u00dfe sie ungemein, bin stolz und gl\u00fccklich, das erleben zu k\u00f6nnen. Jetzt m\u00fcssen wir sehen was kommt. Nur wei\u00df ich, dass es jederzeit passieren kann, dass mein K\u00f6rper&nbsp;&nbsp;mir signalisiert, dass es reicht. Und dann wird es reichen, dann h\u00f6re ich auf. Wenn ich aber soweit bin und die Chance besteht. dann&#8230;..aber ich warte ab, genie\u00dfe die Gegenwart, und nehme es wie es kommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dank<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Danken m\u00f6chte ich meiner Familie, die mich immer unterst\u00fctzt, meine Ultralauferei mittr\u00e4gt und immer mitfiebert. Um es irgendwie auszuhalten hat Simone w\u00e4hrend des Wettkampfes alle m\u00f6glichen Nachbarn, Freunde und Verwandte informiert, um ihre Nervosit\u00e4t irgendwie in Aktivit\u00e4t umzusetzen, meiner Mutter und meinen Schwiegereltern sowie allen Freunden und Nachbarn, die am Computer und per telefonischer Verbindung mit Simone mitgefiebert und die Siegerehrung am Computer mitverfolgt haben.  Es hatte richtig gutgetan, w\u00e4hrend des Laufs zu h\u00f6ren, dass sie alle mitfiebern. Florian Reus f\u00fcr seine Unterst\u00fctzung und sein Telefoncoaching. Auch m\u00f6chte ich allen wunderbaren Menschen, die ich beim Mauerweglauf kennenlernen durfte, denen ich mich durch das gemeinsam erlebte inzwischen sehr nah f\u00fchle ,danken. Etlichen Volunteers, Mike beispielsweise, der mir sprichw\u00f6rtlich den Ar\u2026 gerettet hat, allen L\u00e4ufern und deren Frauen, die ich treffen durfte. Die Begegnungen mit Euch haben mich bereichert und diese werde ich in meinem Herzen tragen. Und nat\u00fcrlich dem Radbegleiter, der mich seiner Brustlampe rettete.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alles geben die G\u00f6tter die Unendlichen ihren Lieblingen ganz. Die Freuden die Unendlichen, die Leiden die Unendlichen \u2013 ihren Lieblingen \u2013 ganz (Goethe)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei diesem Wettkampf sind einige wirklich schr\u00e4ge Dinge passiert. Ich schw\u00f6re euch hoch und heilig, dass ich alles so erlebt bzw. wahrgenommen habe, wie hier geschrieben. Nichts habe ich willentlich abge\u00e4ndert oder hinzugef\u00fcgt. 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