{"id":321,"date":"2020-07-28T11:58:08","date_gmt":"2020-07-28T11:58:08","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=321"},"modified":"2020-08-20T12:12:17","modified_gmt":"2020-08-20T12:12:17","slug":"night-52-innerer-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=321","title":{"rendered":"Night 52 &#8211; Innerer Dialog"},"content":{"rendered":"\n<p><b><\/b><span style=\"font-weight: 600;\">Januar<\/span><b>&nbsp;2020<\/b><\/p>\n\n\n\n<p>Sie: &#8222;Ich steche Ihnen jetzt drei Nadeln in die Fu\u00dfsohle und Sie sagen, welche am meisten wehtut&#8220;. Ich: &#8222;Die zweite&#8220;.<br>Sie &#8222;Dann steche ich diese tiefer in Ihre Fu\u00dfsohle&#8220;. Ich &#8222;Aua&#8220;, sie &#8222;gut, dann sitzt es&#8220;.<br>Ich: &#8222;Ich frage mich wof\u00fcr das gut ist, was mir das sagen will. Ich habe mit dem Laufen und auch dem Muskeltraining komplett ausgesetzt, die Verletzung an der linken Ferse kam ja quasi von selber. Wof\u00fcr ist sie gut? Nein innerlich habe ich das Olympian Race losgelassen, es k\u00f6nnte noch reichen aber ich lasse es los. 2020 werde ich da definitiv nicht teilnehmen. Theoretisch w\u00fcrde es reichen wenn ich ab Mitte M\u00e4rz wieder voll trainieren k\u00f6nnte, aber ich lasse es los.&#8220;<br>Sie: &#8222;Das ist gut, das nimmt Ihnen Druck. Ich frage mich auch das gleiche wie Sie: Was Ihre Ferse von mir will? Erst kam die B\u00e4nderdehnung am rechten Knie, OK, Sportverletzung. Aber die linke Fu\u00dfsohle? Sie sind ja nicht gelaufen, haben kein Athletiktraining betrieben. Was will Ihre Ferse von mir?&#8220;<br>Ich einige Nadeln sp\u00e4ter: &#8222;Ich habe so eine vage Idee. Wegen der riesigen Feuchtigkeitsprobleme an unserem Haus habe ich in den letzten Jahren wahnsinnig viel gearbeitet, einfach weil lange nicht sicher war, ob uns das finanziell das Genick bricht. Lange Zeit wussten wir nicht wie viel Geld die Sanierung kostet, zwischenzeitlich lagen Summen von 200.000 Euro im Raum. Als Gegenpol bin ich zeitgleich vom Marathon zum Ultralaufen umgestiegen, bin im August 2019 in Berlin den Mauerweg gelaufen&#8220;.<br>Sie nach einigem Schweigen: &#8222;Eigentlich haben Sie damit die eine Sucht mit der anderen ersetzt!&#8220;<br>Ich nach l\u00e4ngerem Schweigen: &#8222;Ich bin aber nicht laufs\u00fcchtig, ich kann ja aufh\u00f6ren, sonst w\u00e4re ich nicht hier und w\u00fcrde weiterlaufen.&#8220; Aber die Aussage mit der Sucht von ihr arbeitet arbeitet in mir&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Wochen sp\u00e4ter bei der n\u00e4chsten Akupunktursitzung ich: &#8222;Ihre Aussage ich h\u00e4tte eine Sucht durch die andere ersetzt fuxt, ja, \u00e4rgert mich. Laufs\u00fcchtig bin ich nicht, aber Sie haben recht, das Arbeiten ist sehr extrem, und das Laufen ist schon der Gegenpol. Ich habe nicht mehr so genau in mich hineingesp\u00fcrt um das viele Arbeiten auszuhalten. Das ist eine Art subdepressiver Zustand. Und ich glaube, wenn ich so weiter mache, ist es eine Frage der Zeit bis es gesundheitlich knallt. Ich will mein Leben umstellen. So sehr mich Ihr Satz \u00e4rgert, so wichtig ist er.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So hat sie mich in eine heftige pers\u00f6nliche psychische Krise gesto\u00dfen bzw. genauer gesagt, ich habe mich von ihr sto\u00dfen lassen. Durch die Verletzung wurde mir meine Hauptressource genommen, das Laufen. Dadurch wurde der Leidensdruck gr\u00f6\u00dfer, konnte ich ihm nicht weglaufen. In der Folge wurde Alles was mir wichtig ist und war, in Frage gestellt. Und ohne Laufen wurde ich komplett auf mich zur\u00fcckgeworfen. &nbsp;Eigentlich genial. Es war n\u00f6tig und gut so, Danke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>WETTKAMPF<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit rekordverd\u00e4chtig schlechter Vorbereitung reise ich zum Night52 nach Bretten. Nach meinen beiden Verletzungen Anfang 2020 hatte ich aus Vorsicht &nbsp;meinen Formaufbau sehr vorsichtig vorangetrieben, um keinen R\u00fcckfall zu bekommen. So hatte ich im Training gerade mal drei 35 Km Lalas mit jeweils 400 H\u00f6henmetern absolviert und jeweils 65 &#8211; 90 Wochenkilometer trainiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Udo wird kommen, mit ihm will ich ein St\u00fcck weit zusammen laufen und auch der Herr Schaul\u00e4ufer hatte Andeutungen gemacht zu kommen, was mich freut. Udo sch\u00e4tze ich als L\u00e4ufer und Mensch sehr. Ich halte ihn f\u00fcr \u00e4hnlich bekloppt wie mich, auch tickt er \u00e4hnlich wie ich was die Einstellung zum Laufen angeht. Jedoch hat er schon alles erreicht, was ich noch erreichen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Zielsetzung ist es diesen Lauf zu finishen und die Landschaft zu genie\u00dfen. Die Zeit ist -man h\u00f6re und staune- sekund\u00e4r, Hauptsache ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Utensilien habe ich gerichtet, aber ich habe abschlie\u00dfend nicht meine Kamera kontrolliert, Akku leer, also keine Fotos. Mist, selten d\u00e4mlich, also die Kamera schnell zu meinen anderen Sachen gebracht und ohne loslaufen. Gibt es halt keine Fotos.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus coronam\u00e4\u00dfigen Gr\u00fcnden ist der Veranstalter verpflichtet, auf Einhaltung der Abstandsregelung zu achten. Auch gibt es einen fliegenden Start, ab 16 Uhr starten alle 10 Sekunden drei L\u00e4ufer. Auch wurde die Teilnehmerzahl auf 99 begrenzt, so dass beispielsweise Laufkumpel Hermann keine Startplatz mehr ergattern konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Start<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Udo, du machst egoistisch dein Ding und ich meines und wir sehen, wie lange wir zusammen laufen&#8220; sage ich &#8222;und wenn es dir zu langsam ist, l\u00e4ufst du los&#8220; sagt Udo. Kann ich mir aber nicht so recht vorstellen. Letztes Wochenende musste ich wirklich k\u00e4mpfen bei meinem 35 Km Lala mit nur wenigen H\u00f6henmetern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"http:\/\/marathon.pitsch-aktiv.de\/laufberichte20\/07-18-n52\/24-Cornelius-Udo-Social-Approaching.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Foto ist von Udo Pitsch<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Udo und ich reihen uns recht weit hinten ein, w\u00fcnschten uns Gl\u00fcck, kommen langsam nach vorne, bis wir an der Reihe sind und laufen los. Den ersten Kilometer geht es durch Bretten vorbei an H\u00e4usern, die nicht wirklich sch\u00f6n sind. Sonst gibt es eine weitere Schleife durch Bretten, heute nicht. Direkt am Rand von Bretten geht es los mit der ersten Steigung. Sofort wird Udo langsamer und trippelt leichtf\u00fc\u00dfig langsam den Berg hoch. Ich tue es ihm gleich und lerne. Alleine w\u00e4re ich zu schnell gewesen, was ich sp\u00e4ter h\u00e4tte b\u00fc\u00dfen m\u00fcssen. Wir laufen schweigend nebeneinander und genie\u00dfen die wundersch\u00f6ne Kraichgaulandschaft. Wiesen, Obstb\u00e4ume, Felder und W\u00e4lder wechseln sich ab. Es ist sehr hei\u00df, beim Start hatten wir 27 Grad und der Asphalt reflektiert die Hitze auch noch von unten. Deswegen habe ich zum Schutz mein Laufcappy an, in meinem G\u00fcrtel 4 Gels und eine Trinkflasche. Eigentlich vertrage ich keine Gels aber bei Kurzdistanzen wie dieser schon. Sobald eine Steigung endet, geht es ein kurzes St\u00fcck herab und dann wieder bergauf. Udo und ich sind \u00e4hnlich schweigsam, scheinen \u00e4hnlich autistoid veranlagt zu sein bei Wettk\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kilometer 7 in Sprantal kommt die erste Verpflegungsstation. Ich f\u00fclle meine Flasche mit halb Wasser und halb einer s\u00fc\u00dfen Isopl\u00f6rre und gehe die Flasche leerend weiter. Udo nimmt Gel, trinkt und kommt irgendwann nach, wir laufen weiter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6618xcs-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-354\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6618xcs-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6618xcs-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6618xcs-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6618xcs-1.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Foto ist vom Veranstalter<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bergauf bin ich meist einige Meter vor Udo und bergab legt er ein enormes Tempo vor, was mich fordert. Wahrscheinlich erlebt er das anders, aber so kam es mir vor. Wir reden fast kein Wort, laufen und genie\u00dfen. Ich f\u00fchle mich gut, freue mich, endlich wieder l\u00e4ngere Strecken zu laufen, das tun zu k\u00f6nnen, wonach meine Atome sich sehnen, wei\u00df aber nicht, wie lange das Gef\u00fchl so bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oberstes L\u00e4uferisches Glaubensaxiom<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer geht es so gut wie die ganze Zeit bergauf. Ich genie\u00dfe das Laufen, kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, so insgesamt 52 Kilometer durchhalten zu k\u00f6nnen. Muss ich auch nicht. Was ich bei meinen \u00fcberlangen Ultral\u00e4ufen der letzten Jahre gelernt habe ist, dass es v\u00f6llig egal ist, ob ich mir vorstellen kann zu finishen, oder nicht. Wichtig ist, jetzt kann ich (noch) laufen, also laufe ich. Und den Rest sieht man dann sp\u00e4ter. F\u00fcr die ersten 10 Kilometer brauchen wir 66 Minuten, laufen also langsam genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa bei Kilometer 12, kurz vor Neulingen endet die lange Steigung und es geht endlich einmal f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit eben oder bergab. Am Ende vom Dorf Bauschlott bei Kilometer 16 kommt die zweite Verpflegungsstation. Ich nehme ein vom Veranstalter bereit gelegtes Gel, trinke wieder die Mischung halb Isopl\u00f6rre halb Wasser und gehe voraus bis Udo angelaufen kommt. Es ist Udos oberste Regel bei einem Wettkampf jeden Meter laufend und eben nicht gehend zu absolvieren. W\u00e4hrend ich meine Flasche gehend trinke, frage ich mich, ob das nach Udos Regeln erlaubt ist, ich denke aber schon, das Gehen dient ja dem Zweck zu warten bis er kommt. Es d\u00fcrfte also keine 7 Jahre Fegefeuer f\u00fcr mich geben&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"367\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/12-Wein-voraus-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-355\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/12-Wein-voraus-1.jpg 600w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/12-Wein-voraus-1-300x184.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>Foto ist von Udo Pitsch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Beine jetzt schon schwer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Beine werden schwerer, egal, noch kann ich laufen. Weiterhin laufen wir in einer wundersch\u00f6nen Landschaft durch Obstwiesen, Getreidefelder und Wildblumenwiesen und auch an einem Teich vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die zweiten 10 Kilometer brauchen wir 62 Minuten, da waren aber auch kaum Steigungen. Zwischen den n\u00e4chsten beiden Verpflegungsstationen liegen 10 Kilometer, da muss ich genug trinken. In Knittlingen bei Kilometer 23&nbsp;nehme ich ein eigenes Gel, meines ist besser, trinke zwei Flaschen, eine direkt am Stand, die andere gehend trinkend vor bis Udo angelaufen kommt, dann laufen wir gemeinsam weiter. Die Beine werden immer noch schwerer, allm\u00e4hlich muss ich mir jeden Schritt erk\u00e4mpfen. Oh Mann, wenn du jetzt schon k\u00e4mpfen musst, kann das ja nie etwas werden. Die Beine tun weh, der rechte Fu\u00df schmerzt, der untere und obere R\u00fccken auch&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>in die Krise und wieder heraus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es muss etwas geschehen, ich muss etwas tun, so kann das nicht weiter gehen. Ich achte auf meinen inneren Dialog der &#8222;Oh Mann, alles tut weh, das kann nichts werden, jeder Schritt tut weh&#8230;&#8220; lautet. Das ist nicht sehr hilfreich. Also \u00e4ndere ich ihn in &#8222;bei jedem Schritt atmest du ruhig und tief viel Sauerstoff, das direkt ins Blut kommt und vom Herzen in deine Beine gepumpt wird und die Beine werden dadurch ganz leicht und du gleitest jeden Schritt leicht und m\u00fchelos dahin, setzt einen Schritt vor den anderen, v\u00f6llig geil, und merkst nicht, wie die Kilometer dahinschmelzen&#8220; (diese Technik stammt von Michele Ufer, kann man in seinen B\u00fcchern nachlesen zb in &#8222;Mentaltraining f\u00fcr L\u00e4ufer&#8220;. Man sucht sich sogenannte Resourcensituationen, beispielsweise ist das Tauchboot, welches ich im n\u00e4chsten Abschnitt erw\u00e4hne,  eine Resourecensituation f\u00fcr absolute Gelassenheit. Diese Situationen kann man im K\u00f6rper &#8222;verankern&#8220; und bei bedarf -also im Wettkampf- abrufen und dieses Gef\u00fchl per Selbstsuggestion quasi aktivieren). Unmerklich bin ich tats\u00e4chlich schneller geworden, laufe etwas schneller als 6 Minuten pro Kilometer und es geht auch etwas leichter. Ich drehe mich um und sehe, dass sich der Abstand zwischen Udo und mir vergr\u00f6\u00dfert,. OK, es war eine sch\u00f6ne Zeit mit ihm, ich habe viel gelernt bei diesen 26 gemeinsamen Kilometern in Sachen konstant Laufen und vor allem in Sachen bergauf Laufen, Danke Udo, l\u00e4uferisch bist du ein absolutes Vorbild f\u00fcr mich. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6812xcs-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-350\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6812xcs-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6812xcs-300x169.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6812xcs-768x432.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6812xcs.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><br>Foto ist vom Veranstalter<br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich laufe weiter, es geht wirklich schneller, die Schmerzen und M\u00fcdigkeit sind nicht mehr so im Fokus sondern mehr die Leichtigkeit. &#8222;&#8230;und bist gelassen wie auf dem Tauchboot in Thailand, zuversichtlich wie bei Kilometer 63 beim Karlsruher Nachtlauf und gl\u00fccklich wie beim Finish beim Mauerweglauf, v\u00f6llig geil l\u00e4ufst du leichtf\u00fc\u00dfig und atmest ruhig, gleichm\u00e4\u00dfig und tief viel Sauerstoff ein, der sofort im Blut vom Herzen in die F\u00fc\u00dfe gepumpt wird, wodurch diese ganz leicht einen Schritt nach dem anderen machen fast wie von selber und die Kilometer schmelzen nur so dahin&#8230;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umschalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Grossvillars bei Kilometer 34 nehme ich wieder ein eigenes Gel, trinke. Als ich weglaufe kommt Udo, wir sehen und gr\u00fc\u00dfen uns und weiter gehts. Das Anlaufen ist m\u00fchsam, aber dann geht es. Weiterhin kommen regelm\u00e4\u00dfig kurze aber heftige Steigungen, weiterhin tripple ich sie in Udomanier. Und immer bei den Steigungen \u00fcberhole ich gehende L\u00e4ufer. Wie in Trance laufe ich weiter, &nbsp;genie\u00dfe die nach wie vor spektakul\u00e4re Landschaft, momentan laufe ich an riesigen Obstwiesen vorbei. Irgendwie merke ich immer wieder, dass es pl\u00f6tzlich wieder m\u00fchsam ist, horche in mich hinein &nbsp; &#8222;&#8230;..schmerzende Beine, ganz schwer, wie soll ich das nur schaffen?&#8230;&#8220;, halt, falscher innerer Dialog, umschalten &#8222;&#8230;du atmest ruhig und tief bei jedem Atemzug viel Sauerstoff ein, der sofort vom Herzen in die Beine gepumpt wird, so dass deine Beine mit Leichtigkeit einen Schritt nach dem anderen machen und die Kilometer nur so dahinschmelzen, so l\u00e4ufst du bis ins Ziel und wirst da sogar noch einen Schlussprint machen&#8230;&#8220;, na also, geht doch. Jetzt bin ich auf einem Weinberg mit spektakul\u00e4rer Aussicht. Mitten in den Weinberg ist eine kleine H\u00fctte mit Terrasse platziert. Auf der Terrasse sitzen Menschen mit Wein und gr\u00fc\u00dfen mich. Ich gr\u00fc\u00dfe zur\u00fcck und konzentriere mich wieder auf meinen inneren Dialog. Ein L\u00e4ufer der sehr schnell l\u00e4uft, dazwischen aber immer wieder geht kommt immer n\u00e4her. Ich gr\u00fc\u00dfe ihn, \u00fcberhole ihn und weiter. Im Wald ist es schon recht dunkel, die Sonne wird bald verschwinden. Wieder eine fiese Steigung, wieder tripple ich sie hinauf, wieder \u00fcberhole ich einen L\u00e4ufer, wieder aus dem Wald heraus in eine spektakul\u00e4re Landschaft. Es sind noch etwa 5 Kilometer. &#8222;&#8230;leichtf\u00fc\u00dfig setzt du einen Schritt vor den anderen, bist zuversichtlich wie beim Karlsruher Nachtlauf bei Kilometer 65, gelassen wie auf dem Tauchboot in Thailand, atmest ruhig und tief und bei jedem Atemzug pumpt dein Herz den eingeatmeten Sauerstoff direkt in die Beine, die leichtf\u00fc\u00dfig einen Schritt nach dem anderen machen, v\u00f6llig geil&#8230;.&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6736xcs-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-352\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6736xcs-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6736xcs-300x169.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6736xcs-768x432.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/IMG_6736xcs.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Foto ist vom Veranstalter<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Finish<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frau war schon l\u00e4ngere Zeit in Sichtweite. Endlich erreiche ich sie. &#8222;Ich habe mich extra beeilt, als ich merkte, dass du kommst&#8220; sagt sie. &#8222;Wir laufen zusammen und nicht gegeneinander, oder ist dir die Platzierung so wichtig?&#8220; frage ich sie. &#8222;Ich bin Staffell\u00e4uferin und laufe nur 28 Kilometer&#8220;. &#8222;28 Kilometer sind aber auch eine Menge&#8230;&#8220; antworte ich und laufe weiter. Bei der n\u00e4chsten Steigung ist die Verf\u00fchrung zu gehen da. Auf der anderen Seite habe ich bisher Udos l\u00e4uferisches Glaubensaxiom bei diesem Lauf erf\u00fcllt immer zu laufen, also tripple ich auch diese Steigung laufend hinauf. Jetzt geht es bergab nach Bretten und in Bretten durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Ich beschleunige auf 5:15 Minuten pro Kilometer, k\u00e4mpfe mich durch die zahlreichen Menschen in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. &nbsp;In Caf\u00e9s sitzende Menschen bejubeln mich, ich nehme es kaum wahr, will einfach schnell finishen. Nach der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone geht es einige Stra\u00dfen entlang, dann in einen kleinen Weg zwischen H\u00e4usern, durch ein gro\u00dfes Tor zum Stadion. Ich beschleunige &nbsp;die Stationrunde und renne buchst\u00e4blich bis ins Ziel, hole mir die Medaille und gehe zu Sybille und Adam, zwei sehr sympathischen Vereinskameraden von Udo, die ich bei diesem Lauf kennengelernt habe. Sie sind l\u00e4uferisch in einer anderen Liga als ich, Sybille wurde insgesammt zweite Frau. Udo kommt einige Zeit sp\u00e4ter auch ins Ziel. Vor zwei Wochen ist er beim Saarultra 100 Kilometer gelaufen in 12,5 Stunden und einige Wochen vorher an der Ostsee 125 Kilometer. Dienstag betrieb er Bergtraining, hatte Muskelkater bis genau einen T ag vor dem Night52. Es ist ein absoluter Wahnsinn zu was f\u00fcr Leistungen dieser Mittsechziger imstande ist. &#8222;Ich bin mein Experiment, ich finde heraus wie lange das so geht&#8220; sagt er sp\u00e4ter beim alkoholfreien Zielbier.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 5:24:11 werde ich &nbsp;24., viel wichtiger ist, ich babe durchgehalten, mich mit positivem inneren Dialog aus dem Tief gek\u00e4mpft und habe Udos l\u00e4uferisches Glaubensaxiom erf\u00fcllt, bin erstmals bei einem Ultralauf- jeden Meter gelaufen. Ich bin gl\u00fccklich wieder zur\u00fcck zu sein, meine geliebten Ultradistanzen laufen zu k\u00f6nnen und habe trotz allem jeden Meter genossen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Night52 ist ein hervorragend organisierter Lauf, der durch eine wundersch\u00f6ne Landschaft geht. Aufgrund der Steigungen ist er anspruchsvoll. Von den &#8222;Coronama\u00dfnahmen&#8220; f\u00fchlte ich mich nicht eingeschr\u00e4nkt, habe die Veranstaltung genossen. Sollte ich nicht im Urlaub sein, werde ich k\u00fcnftig gerne wieder starten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Danke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Danken m\u00f6chte ich ihr, meiner \u00c4rztin Frau Dr. A. Schoppe-Mungai. Sie hat entscheidenden Anteil daran, dass ich wieder laufen kann und mich wieder mehr darauf konzentriere was ich will und mir gut tut. Sie hat mich ge\u00e4rgert und das war gut so. Danke.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fotos sind von Udo (www.marathon.pitsch-aktiv.de) und vom Veranstalter, habe es jeweils drunter geschrieben. Beiden vielen Dank. Aber Udos Bericht zu diesem Lauf auf seiner Homepage ist in jedem Fall lesenswert.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Januar&nbsp;2020 Sie: &#8222;Ich steche Ihnen jetzt drei Nadeln in die Fu\u00dfsohle und Sie sagen, welche am meisten wehtut&#8220;. Ich: &#8222;Die zweite&#8220;.Sie &#8222;Dann steche ich diese tiefer in Ihre Fu\u00dfsohle&#8220;. 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