{"id":432,"date":"2020-09-28T16:58:22","date_gmt":"2020-09-28T16:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=432"},"modified":"2020-12-18T20:07:10","modified_gmt":"2020-12-18T20:07:10","slug":"diesmal-ganz-nach-gefuehl-borderland-ultra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=432","title":{"rendered":"Diesmal ganz nach Gef\u00fchl &#8211; Borderland Ultra"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4>Wettkampf mit Bergwanderung<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Pensionswirtin l\u00e4sst uns herein und bittet und kurz zu warten.  Pl\u00f6tzlich blickt sie mich mit gro\u00dfen Augen an und br\u00fcllt: &#8222;Gut&#8220;. Und gleich darauf erneut: &#8222;Gut&#8220;.  F\u00fcr einen Moment bin ich verwirrt, Will sie mich auf diese Weise fragen, ob es mir gut geht? Jedenfalls ist es eine seltsame Art mit G\u00e4sten umzugehen. Sp\u00e4ter erkl\u00e4rt mir Hermann, dass sie damit ihren Mann gemeint hatte, er soll den elektrischen T\u00fcr\u00f6ffner loslassen&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p>30 Minuten vorher: &#8222;Hermann, meine Gabel ist gebrochen&#8220;. Die Schokoladenschicht der Donauwelle war so dick, dass beim Versuch sie zu durchsto\u00dfen die Gabel einen Zinken verlor. Hermann lacht. &#8222;Wir d\u00fcrfen wegen Corona leider kein echtes Geschirr ausgeben&#8220; hatte die Frau hinter der Kuchentheke gesagt. Gut, essen wir unsere St\u00fccke Kuchen halt mit Plastikgeschirr und trinken den Kaffee im Pappbecher&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Laufkumpel Hermann habe ich mich nach Th\u00fcringen zum Borderland Ultra aufgemacht.  Wir sind am Vormittag gem\u00fctlich losgefahren, um dem Freitags Verkehr aus dem Weg zu gehen. Die Pension l\u00e4sst uns erst ab 15 Uhr herein, also gehen wir vorher Kuchen essen und Kaffee trinken. Zur Feier des Tages esse auch ich Kuchen, das mache ich sonst nie, zu s\u00fc\u00df und zu viel Zucker. Danach checken wir in unserer Pension in Hildburgshausen ein und ruhen uns aus. Am fr\u00fchen Abend fahren wir die 18 Kilometer nach R\u00f6mhild, wo der Borderland Ultra gestartet wird, sehen uns das Gel\u00e4nde an und holen unsere Startunterlagen ab. Schon von weitem ist der gro\u00dfe Berg mit Gipfelkreuz sichtbar, den wir morgen werden besteigen m\u00fcssen. Er thront majest\u00e4tisch &#8211; Respekt einfl\u00f6\u00dfend \u00fcber dem Startgel\u00e4nde. Au\u00dfer dem Startnummer Abholen findet alles drau\u00dfen statt, es d\u00fcrfte am n\u00e4chsten Tag eine recht kalte Angelegenheit werden, auch ist Regen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag angesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Angemeldet hatte ich mich zum Borderland Ultra mit der Vorstellung an einem sch\u00f6nen Sp\u00e4tsommertag bei etwa 20 Grad in Sonnenschein zu laufen und nebenbei wieder tolle Leute zu treffen. Dies sollte ein guter Trainingswettkampf als Vorbereitung zum Dromos Athanaton werden. So die Vorstellung. Die Realit\u00e4t sieht freilich anders aus: Es ist kalt, saukalt, etwa 8 Grad, bew\u00f6lkt und neblig, der Himmel sieht stark nach Regen aus. Und ob der Dromos Athanaton \u00fcberhaupt stattfindet, steht nach wie vor in den Sternen. Beh\u00f6rdlich wurde die Erlaubnis zwar gegeben, ein anderer beh\u00f6rdlich abgesegneter Lauf in Griechenland bekam aber von einem Dorf keine Durchlaufgenehmigung, wurde 6 Tage vorher abgesagt. Auch fehlt mir ein vern\u00fcnftiger Formaufbau. Verletzungsbedingt bin ich die ersten 3 Monate des Jahres nicht gelaufen, habe aus Vorsicht bis August nur wenig trainiert. Ganz leicht hatte ich mein Sprunggelenk bis Juli noch gesp\u00fcrt. So konnte ich auch in den letzten Wochen nicht so intensiv trainieren, wie ich es mir als Vorbereitung f\u00fcr einen Lauf wie den Dromos Athanaton vorstelle, weil mein K\u00f6rper f\u00fcr intensives Ultratraining einfach nicht austrainiert genug ist. Alles bleibt also offen. Um so gl\u00fccklicher bin ich, dass heute der Borderland stattfindet und ich am Start stehen kann und darf. Da nehme ich auch s\u00e4mtliche beh\u00f6rdlichen Coronaauflagen in Kauf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"http:\/\/borderland-ultra.com\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/hp_borderland_ultra_k50-scaled-e1577991893947.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist hp_borderland_ultra_k50-scaled-e1577991893947.jpg\"\/><figcaption>Das Streckenprofil habe ich mit Erlaubnis des Veranstalters von dessen Homepage &#8211; Danke daf\u00fcr<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Streng genommen besteht der Borderland Ultra Lauf aus 2 L\u00e4ufen. Dem Grenzg\u00e4nger mit 30 km und 450 H\u00f6henmetern und dem Keltentrail mit 20 km und 750 H\u00f6henmetern. Beide L\u00e4ufe werden einzeln durchgef\u00fchrt und f\u00fcr uns Ultras kombiniert. Trail und viele H\u00f6henmeter liegen mir nicht.  Bei meinem Langen L\u00e4ufen zu Hause habe ich ab Kilometer 30 Schwierigkeiten Steigungen noch zu laufen. Will ich meine k\u00fcnftigen Ziele erreichen (Olympian Race und irgendwann Sparthatlon), muss ich genau das k\u00f6nnen. Seit Anfang August, seit meiner Teilnahme am Sommeralmmarathon in der Steiermark, wo mir eine deutliche Grenze in Sachen Berglaufen aufgezeigt wurde,  \u00fcbe ich H\u00f6henmeter laufen im Rahmen von Tempobergaufl\u00e4ufen. Inzwischen bin ich bei 3 x 15 Minuten Tempobergauflaufen angelangt.<\/p>\n\n\n\n<h4>Rennen<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0430-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-473\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0430-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0430-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0430.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine vermummte Gestalt tippt mich pl\u00f6tzlich an und gr\u00fc\u00dft mich und erst dann erkenne ich ihn: Udo oder zumindest die Teile von Udo, die um diese fr\u00fche Zeit schon aktiv sind, also gar nicht soo viel Udo. Wir trinken unseren Kaffee im Stehen zusammen und plaudern. Dann kommt das Briefing. Vom Veranstalter werden wir vor dem Lochbeton gewarnt. Die L\u00f6cher sind so gro\u00df, dass man mit den F\u00fc\u00dfen h\u00e4ngen bleiben und sich verletzen kann. Da Regen angesagt ist, werden wir vor den rutschigen Steinen im Keltentrail gewarnt. Und wir werden gebeten beim Start die Maske aufzuziehen. Anscheinend wollen die Beh\u00f6rden ein Foto vom Start sehen mit nur maskierten L\u00e4ufern. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Startaufstellung treffe ich zudem Phenix. Er wollte sich dieses Jahr eigentlich an der langen Version des Goldsteig Race versuchen, einem Lauf mit einer Distanz von 1001 Kilometern, Corona machte diesem Vorhaben f\u00fcr dieses Jahr aber einen Strich durch die Rechnung. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu meinem eigenen Erstaunen bin ich die Ruhe selbst,  versp\u00fcre nicht die f\u00fcr mich eigentlich typische Wettkampfnervosit\u00e4t. Ich bin mir ziemlich sicher, den Lauf zu schaffen. Ja, ich werde k\u00e4mpfen m\u00fcssen, wie ich bei jedem Langen Lauf zu Hause auch k\u00e4mpfen muss, aber das f\u00fcrchte ich nicht, ich freue mich auf den Lauf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0432-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-480\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0432-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0432-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0432-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4>Start<\/h4>\n\n\n\n<p>In den Minuten vor dem Start l\u00e4uft das f\u00fcr Ultrarennen v\u00f6llig untypische &#8222;Highway to hell&#8220; von AC\/DC. Das Lied l\u00e4uft eigentlich bei so gut wie allen Marathons, aber nicht bei Ultrarennen, die Ultras sind daf\u00fcr einfach zu gem\u00fctlich. Dann wird ein Countdown von einer Computerstimme herunter gez\u00e4hlt gemeinsam mit einer gro\u00dfe Menge Kunstnebel, nach &#8222;one&#8220; folgt ein &#8222;go&#8220; und dann geht es los. Im Rahmen dieser &#8222;Start &#8211; Show&#8220; passt wiederum das AC\/DC &#8211; Lied.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0428-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-472\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0428-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0428-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Hermann rennt wie immer in schnellem Tempo voraus. Komischerweise bekomme ich nur schwer Luft, bis ich nach ca. 500 Metern bemerke, dass ich meine Maske noch aufgezogen habe, kein Wunder. Ich setze sie ab und dann geht es erheblich leichter.<\/p>\n\n\n\n<h4>Grenzg\u00e4nger<\/h4>\n\n\n\n<p>Den ersten Kilometer geht es durch ein Gewerbegebiet und dann auf einen Wiesenweg. Das Feld ist noch eng beisammen, zieht sich aber allm\u00e4hlich auseinander. Die Landschaft besteht aus abgeernteten Feldern und gro\u00dfen Wiesen, voneinander abgetrennt mit B\u00fcschen. Ich blicke nicht auf meine Uhr, versuche aber eher langsam zu laufen, will Energie f\u00fcr die letzten 20 Kilometer, den Keltentrail mit seinen vielen H\u00f6henmetern sparen. An jeder Stra\u00dfe stehen Ordner und bremsen gegebenenfalls den Verkehr f\u00fcr die L\u00e4ufer aus. Auch sitzen an buchst\u00e4blich jeder Weggabelung Helfer und lotsen die L\u00e4ufer. Neben den unz\u00e4hligen Kreidefarbenen Pfeilen auf dem Boden h\u00e4ngen zudem B\u00e4nder an vielen B\u00fcschen. Verlaufen ist also schwer m\u00f6glich. Wie ich sehe ist der erste Teil der Strecke eine Wendestrecke, man sieht auf dem Boden auch die &#8222;Zur\u00fcck &#8211; Pfeile&#8220;.  Auf einer Koppel grasen 2 jung aussehende laut wiehernde Pferde. Danach kommt eine Umz\u00e4unung mit einer gr\u00f6\u00dferen Kuhherde. Diese stehen ruhig am Zaun, fangen aber pl\u00f6tzlich wie von einer Tarantel gebissen an im Rudel schnell zum anderen Ende der Koppel zu rennen. So aktiv beinahe hektisch habe ich bei uns in der S\u00fcdpfalz K\u00fche sich noch nicht bewegen sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0439-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-477\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0439-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0439-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0439-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nach einigen Kilometern \u00fcber die Wiesen biegen wir auf eine Stra\u00dfe ab. Diese f\u00fchrt durch das Dorf Linden, wo wir an einem kleinen Spielplatz, der freiwilligen Feuerwehr  vorbei kommen. Es gibt leichte Steigungen, die sich bisher aber noch absolut im Rahmen halten. Ich f\u00fchle mich gut, mir graut aber vor dem Keltentrail. Die Landschaft ver\u00e4ndert sich allm\u00e4hlich von Wiesen und Feldern in W\u00e4lder um. <\/p>\n\n\n\n<h4>Laufen durch L\u00f6cher<\/h4>\n\n\n\n<p>Bei Kilometer 7 kommt in einer kleinen Talsenke die erste Verpflegungsstation. Wie ich sehe gibt es alles was das Ultral\u00e4uferherz begehrt, ich aber nicht vertrage: Kleine Salamis, Puffreis mit Schokolade, Wassermelonen, Waffeln und anderes. Grunds\u00e4tzlich esse ich bei L\u00e4ufen nichts, dann w\u00fcrde ich mich n\u00e4mlich ordentlich \u00fcbergeben, trinke nur und ern\u00e4hre mich nur von Gels. Hier ist es aber noch zu fr\u00fch, ich lasse die Verpflegungsstation aus und laufe gleich weiter. Kurz nach der Verpflegungsstation trennen sich der &#8222;hin-&#8220; und der &#8222;zur\u00fcck &#8211; Weg&#8220;. Jetzt kommt also eine gr\u00f6\u00dfere Runde, die dann hier wieder endet und die knapp 8 Kilometer bis zum Zielbereich zur\u00fcckgeht. Hier beginnt die alte Grenzanlage und es folgt eine mehrere Kilometer lange Lochbetonstrecke, die mitten durch einen wundersch\u00f6nen Wald geht. Manche L\u00f6cher sind zugewachsen, viele sind aber offen. Wenn der Fu\u00df in eines hereinkommt, bleibt er kurz h\u00e4ngen, es tut weh und man riskiert eine Verletzung. Manchmal kann man in der Mitte des Weges laufen, wenn sich dort eine begehbare Wiese befindet, oft sind dort aber zu hohe B\u00fcsche. So tripple ich wie eine Primadonna auf St\u00f6ckelschuhen \u00fcber den schmalen Streifen des Betons, in dem sich keine L\u00f6cher befinden. Daf\u00fcr muss ich meine F\u00fc\u00dfe bei jedem Schritt etwas nach innen bewegen, mein Anblick beim Trippeln wird definitiv l\u00e4cherlich sein. &#8222;Cornelius, die L\u00f6cher sind ziemlich gro\u00df und gef\u00e4hrlich. Letztes Mal hatte ich einfach keinen Rhythmus gefunden und wurde wahnsinnig&#8220; hatte mich Udo beim Start gewarnt, ganz so weit bin ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0444-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-490\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0444-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0444-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p> Im Wald kommt nun eine heftige Steigung. Ein St\u00fcck weit tripple ich sie hoch, gehe aber dann den Rest. Zu gro\u00dfen Respekt habe ich vor dem was da noch kommen wird. Auf der anderen Seite geht es genauso steil wieder herunter. Bergab ist dieser Lochbeton f\u00fcr meine F\u00fc\u00dfe eine Herausforderung. Beim Laufen stelle ich mir vor, wie es ist, wenn man zur Zeit der ehemaligen DDR geflohen ist, jederzeit mit Grenzpatroullien rechnen musste und mit Gef\u00e4ngnis und Erschie\u00dfung. Trotz des dichten Wald- und Buschwerkes ist es schwer, sich hier zu verstecken. Ich bin ehrlich gesagt dankbar, im Westen geboren und aufgewachsen zu sein, meine Meinung frei \u00e4u\u00dfern zu d\u00fcrfen und und nicht hinter einer Mauer eingesperrt gewesen zu sein. W\u00e4hrend ich meinen Gedanken folge, rasen nun die mutma\u00dflichen  Siegl\u00e4ufer des Grenzg\u00e4nger Laufes an mir vorbei. Aufgrund beh\u00f6rdlicher Auflagen durften die &#8222;nur&#8220; 30 Kilometer L\u00e4ufer 15 Minuten nach uns Ultra starten und m\u00fcssen sich nun an uns langsameren Ultra vorbeischl\u00e4ngeln. Auf den nun folgenden Kilometern geht es leicht bergauf und bergab weiter durch den Wald. Bei uns in der S\u00fcdpfalz gibt es eigentlich nur Weinberge und Wald, ab und an kommt man auch durch \u00c4cker. Hier gibt es eine absolute Weite, Wiesen und Felder soweit das Auge reicht und W\u00e4lder. W\u00e4hrend ich die Landschaft genie\u00dfe, bin ich damit besch\u00e4ftigt, gut \u00fcber die Lochbetonstrecke zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<h4>Ausr\u00fcstung<\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0446-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-475\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0446-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0446-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0446-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Irgendwann endet die Lochbetonstrecke, man kommt aus dem Wald heraus auf Waldwegen in eine absolute Weite mit Kilometerlangen Feldern. Am Rande eines Ackers steht ein J\u00e4gerhochsitz, der auf einem Traktoranh\u00e4nger befestigt ist. Ein anderer L\u00e4ufer sieht mich mit meiner Kamera und bietet mir an, von mir ein Foto zu schie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0447-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-491\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0447-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0447-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gerne nehme ich an, danach laufen wir beide weiter, jeder in seinem Tempo. Es geht f\u00fcr mehrere Kilometer gerade zwischen zwei Feldern auf einem Ackerweg.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0448-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-478\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0448-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0448-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p> Am Horizont sieht man einen Turm, der wie ein alter Grenzturm aussieht. Direkt unter dem Turm ist wieder eine Verpflegungsstation. Wir sind bei Kilometer 15. Dieses Mal nehme ich ein Gel zu mir. Ich habe dieses mal welche der einzigen Firma, deren Gels und Kohlenhydratpulver ich auch bei L\u00e4ufen von 100 Kilometern und mehr vertrage dabei. Normalerweise nehme ich bei k\u00fcrzeren L\u00e4ufen wie diesem g\u00fcnstigere, aber von denen darf ich aus Vertr\u00e4glichkeitsgr\u00fcnden nicht zu viel nehmen. Aus Respekt vor der Strecke gehe ich bei diesem Lauf auf Nummer sicher. Meine Trinkflasche lasse ich zu einem Drittel mit Cola und den Rest mit Wasser auff\u00fcllen, bedanke mich und gehe trinkend weiter. Wir \u00fcberqueren eine Stra\u00dfe, die von der freiwilligen Feuerwehr bewacht wird, dann geht es einen Waldweg recht steil den Berg hinauf. Ich trinke die Flasche bergaufgehend leer, befestige sie wieder an meiner G\u00fcrteltasche und tripple dann den Rest der Steigung langsam hinauf. Oben geht es wieder in einen Wald \u00fcber einen Wiesenweg, dann am Rande einer Bergkuppe am Waldrand entlang. Ich \u00fcberhole eine L\u00e4uferin, gr\u00fc\u00dfe sie. Von ihrer Antwort verstehe ich nur das letzte Wort, n\u00e4mlich: &#8222;Oder?&#8220;. Es klang etwas nach Schweizerdeutsch aber nicht einmal das kann ich mit Sicherheit sagen. Nur ist das Nachfragen einfach zu anstrengend. Also antworte ich mit &#8222;ja stimmt!&#8220;, verabschiede mich und laufe etwas schneller weiter. Der Wiesenweg ist sehr unregelm\u00e4\u00dfig, so muss ich mich darauf konzentrieren nicht umzuknicken. Nach einer Weile endet der Wiesenweg, wieder stehen freiwillige Helfer an der Weggabelung und es geht auf einem asphaltierten Weg weiter. Da ich keine neuen profilierten Schuhe besitze und mein Laufschuhgesch\u00e4ft diese Woche Urlaub hat, trage ich alte, abgelaufene profilierte Schuhe. Profilierte Schuhe sind Seitens des Veranstalters Pflicht, was  durchaus Sinn macht, da der Keltentrail so steinig sein soll. Wenn es regnet, wird der Weg sehr rutschig, mit normalen Stra\u00dfenlaufschuhen ist das zu gef\u00e4hrlich.  Meine F\u00fc\u00dfe scheinen die abgelaufen Schuhe aber auch auf dem Asphalt zu vertragen. Im Vorfeld hatte ich die Bef\u00fcrchtung meinen empfindlichen F\u00fc\u00dfen mit den abgelaufenen Schuhen zu schaden, diese sind n\u00e4mlich absolute Sensibelchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Kilometern geht es wieder auf einen Feldweg in den Wald, der sich wieder in Lochbeton verwandelt. Zum ersten und einzigen Mal bei diesem Lauf sehe ich auf meine Uhr, was \u00fcbrigens absolut untypisch f\u00fcr mich ist. Normalerweise blicke ich zur Tempokontrolle st\u00e4ndig auf meine Uhr, bin erheblich aufgeregter. Aus coronatechnischen Gr\u00fcnden steht ja auch noch der Eselsm\u00fctzenlauf aus, den ich wegen zu hohem Anfagngstempo beim letzten Mauerweglauf noch durchf\u00fchren muss. Mit meinem Sohn hatte ich ja die Wette laufen, dass ich, wenn ich bei den  ersten 120 Kilometern mehr wie 2 Kilometer schneller wie 6 Min.\/Km laufen, einen Marathon in Eselsm\u00fctze laufen muss. Mein Sohn, der diese Wette gewonnen hatte, m\u00f6chte bei diesem Lauf aber dabei sein und die Marathons bei uns in der Gegend wurden alle abgesagt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0435-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-493\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0435-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0435-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0435-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich bin bei Kilometer 19,5 und seit 1:57 Stunden unterwegs, also ziemlich flott. Etwas schwerer sind meine Beine inzwischen geworden, es h\u00e4lt sich aber in Grenzen. Dennoch bremse ich mich etwas. Auf dem Lochbetonweg kommen nach einer Weggabelung und beidseitige Pfeile. Der Rundweg endet hier also und es geht jetzt auf dem gleichen Weg zur\u00fcck wie es herging. Bis zum Ziel des Grenzg\u00e4ngerlaufes sind es jetzt noch 8 Kilometer. Bei der Verpflegungsstation, die ich auf dem Hinweg ausgelassen hatte trinke ich wieder mein Wasser &#8211; Cola &#8211; Gemisch und laufe weiter.  In Linden entdecke ich ein kleines Schwimmbad, das ich auf dem Hinweg \u00fcbersehen hatte. Die K\u00fche stehen am Zaun und glotzen. Ich bleibe stehen und fotografiere sie. Ein anderer L\u00e4ufer sieht dies, grinst und fragt mich, was die K\u00fche wohl denken. Ich antworte mit ernstem Gesicht ernster Stimme: &#8222;Sie philosophieren \u00fcber Kants Universelle Moral&#8220; und laufe weiter. Er glotzt mich verwirrt an. Die M\u00fcdigkeit macht sich nun etwas st\u00e4rker bemerkbar, den Lauf bei Kilometer 30 zu beenden ist eine etwas attraktiver gewordene Alternative, kommt aber nicht in Frage. Ich frage mich, ob ich \u00fcberpaced habe? Nun, das wird man sehen. K\u00e4mpfen werde ich m\u00fcssen, aber diese Aussicht schreckt mich nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0451-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-481\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0451-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0451-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0451-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4>Keltentrail<\/h4>\n\n\n\n<p>Von Hermann ist weit und breit nichts zu sehen. Hermann ist ein erheblich besserer Berg- und Traill\u00e4ufer. Wenn ich ihn auf den ersteh 30 Kilometern nicht treffe, d\u00fcrfte er durch sein. Das w\u00e4re insofern geschickt, da er dann verschwitzt in der K\u00e4lte auf mich warten m\u00fcsste und nicht umgekehrt. Coronabedingt gibt es keine Duschen. Es geht zum Ziel. Die Grenzg\u00e4ngerl\u00e4ufer biegen auf auf ihre Finisherrunde um den Fu\u00dfballplatz, die Ultras laufen am Rand des Fu\u00dfballplatzes parallel zur Stra\u00dfe entlang zu einem Verpflegungszelt. F\u00fcr die ersten 30 Kilometer habe ich ziemlich genau 3 Stunden gebraucht, liege also gut in der Zeit. Ich nehme ein Gel zu mir, trinke und laufe weiter. Nach einem Kilometer durchs Dorf auf den gro\u00dfen Berg zu. Das Gipfelkreuz ist von weitem zu sehen. Es geht einen asphaltierten Weg hinauf. Auf diesem sind Pfeile in beide Richtungen, wir werden hier also zur\u00fcckkommen. Der asphaltierte Weg verwandelt sich in einen Feinsteinweg. Er geht so steil hinauf dass er nur schwer zu laufen ist. Gehen und Laufen wechseln sich ab. Dann verwandelt er sich in einen Waldweg, der mit Steinen und Wurzeln \u00fcbers\u00e4ht ist. Ein Baumstamm liegt quer \u00fcber den Weg, man muss \u00fcber ihn hin\u00fcberklettern. <\/p>\n\n\n\n<h4>Bergsteigen<\/h4>\n\n\n\n<p>An einer Weggabelung sitzen 2 junge Frauen und weisen rechts nach oben auf einen kleinen, steilen, fiesen Weg. Diesen kraxle ich hoch. Nach einiger Zeit l\u00f6st sich der Weg auf., bzw. ist kaum noch zu erkennen Man sieht wie es jetzt richtig steil bergauf geht mit vielen Wurzeln und Steinen. Ich kraxle auch da hinauf und treffe auf Hermann. Er schnauft schwer wie eine Dampflokomotive und verabschiedet mich mit den Worten &#8222;wir haben es ja gewollt&#8220;.Ich antworte &#8222;ja&#8220;, \u00fcberhole ihn und laufe weiter.  Der Weg wird etwas flacher aber ist genauso schwer zu gehen, man klettert st\u00e4ndig \u00fcber gro\u00dfe Steine, Stufen und umgest\u00fcrzte Baumst\u00e4mme. Irgendwann bin ich oben am Gipfelkreuz. Ich gehe kurz zum Rand und sehe mir das Panorama an und fotografiere es. Ich bin so mit Laufen besch\u00e4ftigt, dass ich buchst\u00e4blich nichts denke oder empfinde. Der erste gro\u00dfe Berg ist geschafft. Nein, denkste. Der Weg geht erst eben entlang, wird dann schmal, steinig, schwer zu gehen und steigt dann weiter an. Nach einigen Hundert Metern endet er an einer kleinen Fl\u00e4che. Helfer haben eine kleines offenes Zelt aufgebaut, sitzen davor und lotsen die L\u00e4ufer. Neben der Zelt geht eine Wand gerade nach oben. Ganz rechts f\u00fchrt ein kleiner Pfad auf genau diese Wand und vor diesem Pfad ist ein Pfeil auf einen Stein gespr\u00fcht, der genau in diese Richtung zeigt. Also laufe ich dahin und kraxle weiter, steiler denn je. Ob Udo hier auch l\u00e4uft? Es ist f\u00fcr ihn eine innere Verpflichtung jeden Schritt zu laufen und nicht zu gehen, aber hier? Ist nicht laufbar, ich muss ihn mal fragen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0459-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-479\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0459-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0459-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon nach wenigen Schritten habe ich eine enorme H\u00f6he erreicht. Irgendwann geht es nicht mehr h\u00f6her, scheinbar ist der erste Berg jetzt wirklich erreicht, denn der Weg wird ebener und beginnt sich allm\u00e4hlich bergab zum neigen. Dadurch ist er aber kein bi\u00dfchen leichter zu laufen wegen seiner vielen gro\u00dfen Steine und Wurzeln. Hochkonzentriert laufe ich weiter bis ich auf einen asphaltierten Weg sto\u00dfe, der bergab f\u00fchrt. Ob ich diesen Weg auch wieder zur\u00fcck muss? Ein gro\u00dfer Schreck f\u00e4hrt mit bei diesem Gedanken in die Glieder. Ich schiebe ihn weg mit der Einsicht, dass ich das ja dann sehen kann, aber Unsicherheit bleibt. kommen insgesamt 2 oder 3 gro\u00dfe Berge beim Keltentrail? H\u00e4tte ich mir im Vorfeld mal das Streckenprofil genauer angesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bergab geht es nun ziemlich rasch, vor allem weil der Weg keine gro\u00dfen Steine oder sonstigen Hindernisse hat. Wieder sitzen zwei freiwillige Helfer am Weg und weisen auf eine Biegung die nat\u00fcrlich wieder hoch f\u00fchrt. Aber nur f\u00fcr einige Hundert Meter, dann eben und schlie\u00dflich bergab. Wir sto\u00dfen auf einen breiten Weg der auch bergab geht. Ich lasse laufen und rase den Weg herunter. tut gut mal flott zu laufen, nach den vielen schwer zu laufenden Steigungen mit Felsen und Wurzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Unten sieht man einen Verpflegungsstand und eine Stra\u00dfe. Ich trinke mein Cola &#8211; Wasser &#8211; Gemisch und laufe weiter. Es geht \u00fcber die Stra\u00dfe und wieder bergauf. Es ist ein sch\u00f6ner ebener Waldweg, der f\u00fcr l\u00e4ngere zeit gerade bergauf geht. Ein St\u00fcck tripple ich hinauf, fange aber bald an schnell zu gehen, zu gro\u00df ist inzwischen die k\u00f6rperliche Abnutzung. Auf dem Weg kommt mir ein keltisch gekleideter Mensch mit Startnummer entgegen. Ich gr\u00fc\u00dfe ihn, er brabbelt seine Antwort auf tiefbayrisch. Ich verstehe nichts. Immer wieder beginne ich zu laufen, was sich nach kurzer Zeit wieder in Gehen verwandelt. Der gerade Bergaufweg endet. Ein jungen Helfer weist auf einen trailigen, steinigen, teilwiese steileren Weg bergauf, nicht ganz so schlimm wie beim Berg zuvor, aber schwer genug. Die steilen Passagen gehe ich, die flacheren laufe ich. Auf dem engen Pfad sto\u00dfe ich auf mehrere Wanderer. Sie gehen sofort zur Seite und feuern mich an. Ich \u00fcberhole und gr\u00fc\u00dfe sie, bedanke mich und laufe weiter, will diesen Berg hinter mich bringen. Wieder kommt eine Weggabelung. Ein jungen Mann sitzt dort und zeigt nat\u00fcrlich nach oben mit den Worten &#8222;gerade nach hinten und den Stempel abholen&#8220;. Nach vielen Hundert Metern kommt ein Turm, davor steht eine junge Frau mit Stempel. Sie stempelt meine Startnummer. Dabei entdecke ich, dass diese auf einer Seite herausgerissen ist, also nur noch an einem Loch befestigt ist. OK muss ich aufpassen, wenn ich sie verliere, d\u00fcrfte ich disqualifiziert werden, da sich auf ihrer R\u00fcckseite Transponderchips befinden, die beim \u00dcberqueren der Start- und Ziellinie ein Signal am Computer ausl\u00f6sen. Ich laufe um den Turm herum, treffe dabei auf Phenix und gr\u00fc\u00dfe ihn. Ich staune, dass er vor mir liegt. Denn wer l\u00e4ngere Strecken l\u00e4uft wird langsamer. Wer sehr lange Strecken l\u00e4uft wird sehr langsam. Ich \u00fcberhole ihn und laufe weiter. Es geht zuerst den gleichen Weg zur\u00fcck zum sitzenden jungen Mann und dann einen nat\u00fcrlich schwer zu laufenden Weg mit vielen Steinen, Steinstufen und quer \u00fcber den Weg liegenden Baumst\u00e4mmen bergab, was sonst. es h\u00e4tte ja auch mal leicht sein k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich sehe ich rechts einen kleinen leuchtenden Pfeil, einige Meter geht es steil herunter auf einen kleinen flachen Platz, unten steht ein freiwilliger Helfer. Ich laufe, blicke und denke &#8222;geht es hier entlang?&#8220; und dabei passiert es und zwar alles zugleich: Ich knicke um, ein stechender Schmerz durchl\u00e4uft meinen rechten Fu\u00df, ich laufe die paar Meter herunter und fange wegen des Schmerzes im rechten Fu\u00df zugleich wild tanzend an zu hinken. Dabei entweicht mir ein Schmerzensschrei. Auf diese Weise komme ich irgendwie die paar Meter herunter ohne auf die Schnauze zu fliegen. Nach paar Sekunden ist alles vorbei und zum Gl\u00fcck scheint nichts passiert zu sein. Ich werfe dem jungen Helfer ein &#8222;alles gut, nichts passiert&#8220; zu und laufe weiter. Jetzt geht der Weg eben und ohne Hindernisse bergab, endlich. Ich \u00e4rgere mich \u00fcber mich und frage mich wie ich so hohl und arrogant man sein kann: Hatte der Keltentrail jetzt 2 oder 3 Berge? Muss ich den ersten Berg erneut besteigen oder nicht? H\u00e4tte ich mal das Streckenprofil genauer studiert. W\u00e4hrend ich flott bergab renne, innerlich auf mich schimpfend kommt eine Frau mit Hund entgegen. Sie strahlt mich an. Ich werde etwas langsamer und erkenne sie: Ines, Udos Frau. Sie strahlt mich an und streckt mir ihre Hand entgegen. Es w\u00e4re ein leichtes anzuhalten, kurz mit ihr zu reden und dann weiter zu laufen. Aber das schaffe ich nicht. Meine Mission hei\u00dft laufen. Durch die zunehmende Ersch\u00f6pfung komme ich einfach nicht auf die Idee.In mir sind nur noch die f\u00fcrs Laufen notwenigen Hirnregionen aktiv. Ich versuche beim Vorbeilaufen ihre Hand zu ber\u00fchren, strahle sie an, schaffe es nicht sie zu ber\u00fchren und laufe weiter. Einerseits bin ich begl\u00fcckt sie getroffen zu haben. Ihr Strahlen hat mir in diesem Moment gut getan. Aber es d\u00e4mmert mir beim weiter Laufen, dass ich h\u00e4tte anhalten sollen, aber ich kam einfach nicht auf die Idee. Viel zu fokussiert war ich. Sie wird es mir nachsehen hoffe ich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0463-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-498\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0463-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0463-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0463-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Unten kommt wieder die Verpflegungsstation von vorhin. Ich rechne fest damit den fiesen Berg hinauf zu m\u00fcssen, nehme ein Gel zu mir, trinke Wasser &#8211; Cola und frage nach. &#8222;Nein, Ihr habe die Berge jetzt hinter Euch. Ihr m\u00fcsst jetzt rechts um den Berg herum&#8220;. &#8222;Gott sei Dank, Danke, Tsch\u00fcss&#8230;&#8220; und weiter. Irgendwie h\u00e4tte ich den Berg mit seinen fiesen Passagen auch noch geschafft, aber ich bin Gott froh. Es geht einen sch\u00f6n eben Feinkiesweg in den Wald hinein. Im Wald erscheint pl\u00f6tzlich ein h\u00fcbsches altes Herrenhaus, irgend ein Museum.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0468-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-482\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0468-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0468-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0468-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Weg geht eben, ich laufe flott, bremse mich etwas, schlie\u00dflich habe ich noch 8 Kilometer zu laufen und ich darf mich nicht zu arg abschie\u00dfen, n\u00e4chste Woche will ich schlie\u00dflich weiter trainieren. Nach einger Zeit \u00fcberhole ich einen etwas j\u00fcngeren Ultral\u00e4ufer. &#8222;Du hast dir dein Rennen besser eingeteilt!&#8220; Mir ist sein Kompliment peinlich, ich antworte &#8222;ach jo, Zufall&#8220;. Er &#8222;mal geht es gut, mal schlecht, oder?&#8220; Ich stimme zu und laufe weiter. Der Weg geht leicht bergauf, ich werde erheblich langsamer, muss schwer k\u00e4mpfen. Laufen kann ich noch, meine bergauf &#8211; Lauff\u00e4higkeiten schwinden aber zunehmend und streben gegen Null. St\u00fcckweise gehe ich, st\u00fcckweise laufe ich, dann gehe ich wieder um dann wieder zu laufen. Der Weg wird schmaler und trailiger. Vor mir sehe ich einige L\u00e4ufer. Da ich mich nicht v\u00f6llig abschie\u00dfen will, lege ich es nicht darauf an, sie in jedem Fall zu \u00fcberholen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0458-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-497\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0458-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0458-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0458-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Weg wird noch trailiger, wieder liegt ein Baumstamm quer \u00fcber dem Weg. Er kommt mir bekannt vor: Also sind wir jetzt auf dem gleiche Weg wie zu Beginn des Keltentrails.  Der trailige Weg m\u00fcndet wieder auf einen glatten hindernisfreien Weg und es geht bergab. Wieder kommen die H\u00e4user des Dorfes. Ich nehme meine Kraft zusammen. und laufe weiter Ein L\u00e4ufer ist einige Meter vor mir. Ich bleibe hinter ihm, will mich nicht f\u00fcr eine Platzierung v\u00f6llig abschie\u00dfen. Es geht zum Eingang zur Ehrenrunde um den Fu\u00dfballplatz herum ins Ziel. Ich bekomme eine wundersch\u00f6ne Medaille umgeh\u00e4ngt, trinke Cola und hole mir mein Finishershirt. Da es sehr kalt ist und ich f\u00fcrchte krank zu werden, gehe ich zum Auto und ziehe mich um. Auf dem R\u00fcckweg kommt mir Hermann entgegen. Er wurde mit 5:38:36 Stunden 60. m\u00e4nnlicher Starter. Er zieht sich um. Danach trinken wir in R\u00f6mhild noch einen Kaffee und essen Kuchen und fahren dann heimw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0471-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-485\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0471-768x1024.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0471-225x300.jpg 225w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/DSCN0471.jpg 1772w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit 5:20:56 Stunden bin ich 50. von 106 m\u00e4nnlichen Startern. Mit meiner Leistung bin ich absolut zufrieden. W\u00e4hrend des Laufes war ich sehr ruhig, gar nicht aufgeregt oder nerv\u00f6s, was ungew\u00f6hnlich f\u00fcr mich ist. Die ersten 20 Kilometer und auch nach einmaligem auf die Uhr Blicken bin ich den Rest der Strecke rein nach Gef\u00fchl gelaufen und zwar in einem guten Tempo, auch das ist neu f\u00fcr mich.  Die vielen H\u00f6henmeter habe ich f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse gut bew\u00e4ltigt und weggesteckt. Meine Form geht zweifelsfrei nach oben. Ob es freilich f\u00fcr einen Dromos Athanaton mit 140 km und 3000 H\u00f6henmetern reicht bleibt abzuwarten. Ob ich dort \u00fcberhaupt starten kann, bleibt auch abzuwarten. Auch muss ich dann absch\u00e4tzen ob ich f\u00fcr so ein Vorhaben ausreichend trainiert bin. Alles ist unsicher und bleibt im Fluss. Ich bin auch mehr als skeptisch, was meine Pl\u00e4ne im n\u00e4chsten Jahr angeht. Ich m\u00f6chte im Mai 2021 beim Olympian Race starten und werde auch darauf im Winter trainieren, aber ob dieses Rennen wirklich stattfindet ist mehr als unsicher, ebenso der Mauerweglauf im August.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Borderland Ultra ist ein perfekt organisierter Lauf. Die Strecke ist sch\u00f6n aber sehr schwer zu laufen, gerade beim Keltentrail sind einige Passagen nicht laufbar. Die Markierung ist nahezu perfekt. Zus\u00e4tzlich sitzen noch an allen Weggabelungen Helfer. Die Verpflegungsstationen gibt es etwa alle 7 &#8211; 8 Kilometer und sind gut bestpckt. Die Einschr\u00e4nkungen (keine Duschen, nicht in einer warmen Halle sitzen) obliegen den beh\u00f6rdlichen Auflagen und sind nicht dem Veranstalter anzulasten. Dieser hat eine wundersch\u00f6ne Veranstaltung aus organisiert und bei Beh\u00f6rden durchgesetzt. Wie ich von Einheimischen h\u00f6rte war das Wetter f\u00fcr lokale Verh\u00e4ltnisse gut, das war es auch, es regnete n\u00e4mlich nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Was bei mir bei diesem Lauf h\u00e4ngen bleibt und gro\u00dfartig ist: Gelaufen bin ich diesmal ganz nach Gef\u00fchl&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wettkampf mit Bergwanderung Die Pensionswirtin l\u00e4sst uns herein und bittet und kurz zu warten. Pl\u00f6tzlich blickt sie mich mit gro\u00dfen Augen an und br\u00fcllt: &#8222;Gut&#8220;. Und gleich darauf erneut: &#8222;Gut&#8220;. F\u00fcr einen Moment bin ich verwirrt, Will sie mich auf &hellip; <a href=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=432\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/432"}],"collection":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=432"}],"version-history":[{"count":72,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":529,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/432\/revisions\/529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=432"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=432"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/corneliusrennt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}