{"id":530,"date":"2021-07-07T10:05:23","date_gmt":"2021-07-07T10:05:23","guid":{"rendered":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=530"},"modified":"2021-09-25T18:41:11","modified_gmt":"2021-09-25T18:41:11","slug":"es-kann-nicht-sein-was-nicht-sein-darf-24-h-dm-in-der-steiermark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/corneliusrennt.de\/?p=530","title":{"rendered":"Es kann nicht sein was nicht sein darf &#8211; 24 h DM in der Steiermark"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich laufe  \u00fcber die Br\u00fccke an den Toiletten vorbei zu unserem Pavillon. Zielstrebig laufe ich zum Stuhl, den ich mit den Worten &#8222;damit ich ihn nicht brauche nehmen wir ihn mit&#8220; eingepackt hatte, setze mich, vergrabe mein Gesicht im Handtuch um allein zu sein. Mein Kopf will es noch nicht wahrhaben, was der ganze Rest meines Seins l\u00e4ngst wei\u00df&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;..aber es kann nicht sein was nicht sein darf, also stehe ich nach einer kurzen Weile wieder auf und laufe weiter&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Albert ich habe am Knie einen roten Kreis, kannst du mal nachsehen?&#8220; Albert, Nachbar und Allgemeinarzt, sieht es sich an. &#8222;Hm einen Rand hat es nicht, wir beobachten es, wenn es gr\u00f6\u00dfer wird und hei\u00df, dann ist es ein Erythma Migrans, dann brauchen wir ein Antibiotikum, was man 20 Tage nehmen muss, wenn es in den n\u00e4chsten Tagen nicht weggeht musst du es mir erneut zeigen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p> Es kann nicht sein was nicht sein darf, also trainiere ich weiter, absolviere die letzten 2 Tage meiner 200 Kilometer Trainingswoche. Bei meiner letzten harten Einheit, einer 70 Kilometerrunde muss ich die letzten 20 Kilometer k\u00e4mpfen, bew\u00e4ltige sie aber. Ich gebe dem K\u00e4mpfen bei der 70 Kilometer Einheit keine Bedeutung, weil ich durch die vielen Wochenkilometer nat\u00fcrlich m\u00fcde bin. Das ist auch beabsichtigt, da ich bei dem 24 h Lauf auch gr\u00f6\u00dftenteils bei zunehmender Ersch\u00f6pfung laufen werde. Zum ersten Mal seit ich laufe musste ich mich auf den letzten 2 Kilometern der 70er Runde \u00fcbergeben. Ab Kilometer 40 war mir schlecht, nahm ab da nur noch Wasser zu mir. Florian spricht von zu vielen Kohlenhydraten, sagt dass die 60 g pro Stunde f\u00fcr Iron &#8211; Man Wettk\u00e4mpfe gelten aber nicht f\u00fcr die eher langsamen Ultral\u00e4ufe. Dennoch bleiben Unsicherheiten. Bei \u00fcberlangen L\u00e4ufen wird der Magen zu wenig durchblutet wodurch es zu \u00dcbelkeit und \u00dcbergeben kommen kann. Ich hatte gedacht ern\u00e4hrungsm\u00e4\u00dfig mit einem eigentlich sehr vertr\u00e4glichen Produkt in diesem Bereich keine Probleme zu haben&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>3 Tage sp\u00e4ter zeige ich Albert wieder die rote Stelle, sie ist gr\u00f6\u00dfer geworden und innen hei\u00df. Er sieht es sich an, tastet und spricht von einer Borreliose, was bedeutet, dass ich 20 Tage lang ein Antibiotikum nehmen muss.  &#8222;\u00dcbern\u00e4chstes Wochenende sind die 24 h DM, kann ich da laufen?&#8220;. &#8222;Wenn du ansonsten fit bist und dich gut f\u00fchlst schon, Risiko besteht dann keins!&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende Wochenende liege ich wegen starker Schw\u00e4che 3 Tage im Bett und laufe in den dann folgenden Tagen fast nicht und nur sehr langsam. Im Lauf der dann folgenden Tage f\u00fchle ich mich allm\u00e4hlich wieder besser, Mittwoch Abend gut, also starten wir das Abenteuer. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wettkampf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da sich in Deutschland pandemiebedingt kein Ausrichter fand, wurden die Veranstalter in der Steiermark, Bad Blumau gefragt, parallel zu den dort stattfindenden \u00f6sterreichischen und steirischen Meisterschaften die Deutschen Meisterschaften auszurichten. Um daran teilnehmen zu d\u00fcrfen, muss man sich nicht qualifizieren, man muss in einem Verein aktiv sein und einen Startpass haben. Durch erreichen der WM &#8211; Norm kann man sich bei den DM f\u00fcr die Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft qualifizieren. Meines Wissens liegt die Norm bei 230 Kilometer. Jedoch wurden die Weltmeisterschaften dieses Jahr pandemiebedingt abgesagt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Donnerstag reisen wir an und besichtigen das Areal. Direkt hinter einer Br\u00fccke beginnt ein gesplitteter Weg neben einem Bach mit Wiese, B\u00fcschen und B\u00e4umen. Unter dem gr\u00f6\u00dften Baum bauen wir unser Pavillon auf. Da es sehr hei\u00df werden soll bleibt es da schattig k\u00fchl. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-container-2 wp-block-gallery-1 wp-block-gallery columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"737\" height=\"553\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0479.jpg\" alt=\"\" data-id=\"556\" data-full-url=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0479.jpg\" data-link=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/?attachment_id=556\" class=\"wp-image-556\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0479.jpg 737w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0479-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 737px) 100vw, 737px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei der Startnummernabholung treffen wir auf Hannes Kranixfeld, den sympathischen \u00f6sterreichischen Ultral\u00e4ufer und Organisator des Sommeralm &#8211; Marathons, an dessen letztmaliger Durchf\u00fchrung ich teilnehmen durfte. Nach einer gr\u00f6\u00dferen Verletzung hat er eine OP hinter sich, kann aber immerhin wieder ohne Kr\u00fccken gehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Athlet und jeder Supporter muss einen negativen Test vorweisen, geimpft sein oder genesen, was genau kontrolliert wird. Jeder Kontrollierte bekommt ein Band, nur mit diesem Band darf man aufs Gel\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Start<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am unserem Pavilion sind Ersatzkleider, verschiedene M\u00fctzen, Regenjacke, Gel und Fl\u00fcssigkohlenhydrate, Salzkapseln und mein Fotoapparat deponiert. Mitgenommen habe ich eine regendichte Kappe, 2 Kappen zum Schutz vor Sonne sowie eine Hitzekappe. Zum Start habe ich eine meiner beiden Sonnenschutzkappen an,  als Understatement ein altes Kandelmarathonshirt meines ersten Marathons sowie kurze Hosen und Kompressionsstr\u00fcmpfe.<\/p>\n\n\n\n<p> Von meinem 200 &#8211; Kilometerziel bin ich abger\u00fcckt, zu unsicher bin ich ob meiner Form. Deswegen will ich mich nicht unn\u00f6tig unter Druck setzen. Ich will k\u00e4mpfen und es nehmen wie es kommt. Parallel findet auf der Strecke seit 2 Stunden der ich glaube dritte Marathon der Veranstaltung &#8222;10 Marathons in 10 Tagen&#8220; statt. Ich frage mich wer verr\u00fcckter ist, die Marathonl\u00e4ufer dieser Veranstaltung oder wir 24 h L\u00e4ufer, finde aber keine Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Als gef\u00fchlter Durchschnittsl\u00e4ufer macht es mich sehr nerv\u00f6s mit solchen Spitzenathleten wie Florian Reus, Stu Thoms und Marika Heinlein am Start zu stehen. Entsprechend stark aufgeregt bin ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gestartet wird wegen des schon laufenden Marathons auf einem Zufahrtsweg auf die 1181 Meter lange Runde mit 2 H\u00f6henmetern pro Runde.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Startaufstellung stelle ich mich in  etwa in die Mitte des Starterfeldes. Im letzten Moment stellt sich Florian Reus neben mich. Wir begr\u00fc\u00dfen uns und plaudern kurz und sogleich geht der Start wie immer bei Ultral\u00e4ufen ziemlich unspektakul\u00e4r von statten. Florian zieht mit seinem Vereinskameraden davon. Die \u00fcbergro\u00dfe Nervosit\u00e4t, die Zentnerlasten auf meinen Schultern l\u00f6sen sich, das Warten hat ein Ende. Ich laufe los und pendle mich rasch auf einem etwas Schnitt von etwas langsamer als 6 Minuten pro Kilometer ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Direkt nach dem Start geht es nach 50 Metern auf die eigentliche Strecke durch ein gro\u00dfes Zelt, in dem Verpflegung f\u00fcr die L\u00e4ufer untergebracht ist. Dann weiter die Zufahrtsstra\u00dfe zum Vereinsgel\u00e4nde neben dem Fu\u00dfballplatz entlang rechts \u00fcber eine Br\u00fccke. an der wundersch\u00f6ne Blumen an den Gel\u00e4ndern angebracht. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfe geht weiter durch Bad Blumau vorbei an wundersch\u00f6nen H\u00f6fen, H\u00e4usern und G\u00e4rten. Auf der Terrasse eines neu er\u00f6ffneten Restaurants sitzen Leute auf den St\u00fchlen und sehen uns L\u00e4ufern zu. Nach dem Restaurant ist an der Stra\u00dfe eine Schlauchdusche angebracht. Diese wird sp\u00e4ter regen Gebrauch finden. Teilweise stehen L\u00e4ufer Schlange f\u00fcr eine kurze k\u00fchle Dusche. Irgendwann geht es zwischen zwei H\u00e4usern nach rechts auf einen Splittweg zur gebogenen Br\u00fccke. Noch ist sie ziemlich m\u00fchelos zu \u00fcberqueren, aber es ist abzusehen, dass sich das im Laufe der Zeit \u00e4ndern wird. Nach der Br\u00fccke kommen Toiletten. Wir L\u00e4ufer biegen direkt vor den Toiletten rechts ab und laufen neben dem Bach den Weg entlang zur\u00fcck zum Start. Rechts vom Weg sind hohe B\u00fcsche und B\u00e4ume, auf der linken Seite sind nur wenige B\u00e4ume, daf\u00fcr eine gro\u00dfe Wiese, die mit unz\u00e4hligen Zelten und Pavillons der Helfer und Supporter \u00fcbers\u00e4ht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem anderen Pavillon sehe ich einen  Reiskocher stehen. Es geht hier zu wie auf einem Rummelplatz, \u00fcberall andere Ger\u00fcche, ein Gewusel und Gewimmel, \u00fcberall gehen stehen und sitzen andere Menschen supporten, fiebern essen, ziehen sich um, fotografieren oder laufen, kurz es herrscht eine besondere Atmosph\u00e4re auf dem Gel\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus manchen Zelten kommt Musik, ein Italiener spielt und singt mit Gitarre, von woanders kommt Deutschrock. Noch genie\u00dfe ich die Musik, erfahrungsgem\u00e4\u00df wird sie sich bei zunehmender Erm\u00fcdung f\u00fcr mich in st\u00f6renden L\u00e4rm verwandeln. Es wird die gleiche Musik sein, nur ver\u00e4ndert sich meine Wahrnehmung derselben. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg macht einen Schlenker nach links zur elektrischen Rundenerfassung. <\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Meter weiter kann man auf einem gro\u00dfen Bildschirm seinen Namen sehen. neben Namen und Startnummer erscheinen Rang und Position, was was bedeutet ist mir nicht ersichtlich. Nach dem Bildschirm geht es wieder nach rechts durch das gro\u00dfe Verpflegungszelt zu einer neuen Runde. Diese ist 1181 Meter lang. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Marathon findet parallel auch ein 6 h Lauf statt. Bei allen Wettbewerben nehme einige eher \u00fcbergewichtige L\u00e4ufer teil, die den jeweiligen Wettbewerb wandernd bestreiten. Sie wandern oft zu zweit, teilweise zu dritt, einmal sogar zu viert nebeneinander auf der Ideallinie, so dass wir L\u00e4ufer in gro\u00dfen B\u00f6gen ausweichen m\u00fcssen. Die Vierergruppe schnauze ich an, weil an dieser Stelle kein Durchkommen m\u00f6glich ist, bei den anderen bleibe ich ruhig, bin aber etwas genervt von ihrem Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4lteren erfahrenen Teilnehmer wie beispielsweise die 81 j\u00e4hrige Lauflegende Siegrid Eichner wandern auch, aber diese wandern am Rand so dass wir uns gegenseitig nicht st\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei Siegrid sieht man wie sie sich jeden Schritt erk\u00e4mpfen muss, aber sie macht das mit einer Freude und Lust, die Ihresgleichen sucht. Beim \u00dcberholen rufe ich ihr zu &#8222;Siegrid du bist wirklich der Hammer!&#8220;, sie freut sich und strahlt mich an. Sp\u00e4ter sehe ich sie mit einem Teller Nudeln in der Hand laufend. Sie wird am Ende Deutsche Vizemeisterin in der Altersklasse W80 werden, weil die ebenfalls 81 j\u00e4hrige Edda Bauer 131 Kilometer absolvieren wird. Gerade die \u00e4lteren Teilnehmer laufen relaxed ihren Stiefel. Insgesamt herrscht eine lockere kameradschaftliche Volksfestatmopsh\u00e4re. Allein diese Atmosph\u00e4re mit diesen spannenden und interessanten Menschen ist es wert an diesem Wettkampf teilzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-559\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0532-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig rasen die Staffell\u00e4ufer erkennbar an ihren Staffelst\u00e4ben in einem Mordstempo an mir vorbei und rasen im Zickzack um die L\u00e4ufer und Wanderer herum. Ich laufe in meinem eigenen Rhythmus die ersten Kilometer. Der Schwei\u00df flie\u00dft in Str\u00f6me, so trinke ich fr\u00fchzeitig viel Wasser. Nach 10 Kilometern trinke ich die ersten 2 Schl\u00fccke Fl\u00fcssigkohlenhydrate. Florian hatte mir geraten wenig aber regelm\u00e4\u00dfig zu trinken, mit 2 Schl\u00fccken kann ich nicht viel verkehrt machen denke ich. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Rathaus hinter dem Restaurant wurde inzwischen eine akustische Foltermaschine eingeschaltet: Aus einer Musikanlage werden wir mit Schlagern von Helene Fischer (Gott sei Dank nicht &#8222;Atemlos&#8220;) und anderen \u00e4hnlich singenden Interpreten gequ\u00e4lt &#8211; Arrrgh.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa alle 10 Kilometer \u00fcberrundet mich Florian, wir sprechen kurz, dann rast er weiter. F\u00fcr Florian ist dieser Wettkampf ein Trainingslauf unter Wettkampfbedingungen, da er Ende August bei einem 6 Tageslauf teilnehmen will. Selten habe ich einen L\u00e4ufer mit so einem wunderbar leichtf\u00fc\u00dfigen Laufstil gesehen. In seiner Spitzenzeit dominierte Florian die Weltelite \u00fcber Jahre hinweg, ich denke unter anderem weil er so gut wie nie verletzt war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0514-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-570\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0514-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0514-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0514-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0514-1.jpg 1498w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>So etwa bei Kilometer 15 beginnt in mir leichte \u00dcbelkeit aufzusteigen. Zugleich bekomme ich Schmerzen am unteren R\u00fccken. Also nehme ich etwas Tempo heraus und trinke nur Wasser. Weil es jetzt wirklich sehr hei\u00df geworden ist, wechsle ich meine M\u00fctze und ziehe meine &#8222;Hitzem\u00fctze&#8220; auf. Diese wird in Wasser getaucht, speichert dieses und k\u00fchle den Kopf etwas. Getestet hatte ich sie in einem Hochsommer an der t\u00fcrkischen Riviera bei knapp 40 Grad, der Unterschied war dort immens. Aber heute macht mir die Hitze nicht wirklich viel aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Runden nimmt die \u00dcbelkeit zu, selbst Wasser traue ich mir zeitweilig nicht zu zu trinken. Vom unteren R\u00fccken wandern die Schmerzen in den Span meines rechten Fu\u00dfes. Ich bleibe ruhig und laufe weiter. Oft l\u00f6st sich ein solches &#8222;Tief&#8220; ja nach einiger Zeit von selber auf. Nat\u00fcrlich ist mir bewusst, dass ich nicht ewig ohne Wasser laufen kann und auch ohne  Fl\u00fcssigkohlenhydrate werde ich nicht ewig durchhalten. Egal noch kann ich laufen, also laufe ich, bleibe im Jetzt und mache mir keine Gedanken \u00fcber das Nachher.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Schlauchdusche im Ort passiert fast ein Zusammensto\u00df. Eine direkt vor mir laufende L\u00e4uferin bleibt ohne Vorwarnung im allerletzten Moment bei der Schlauchdusche abrupt stehen. Ich kann im allerletzten Moment ausweichen. der Zusammensto\u00df ist so gerade noch verhindert worden. Die anderen L\u00e4ufer sind durch die Dusche hindurchgelaufen oder haben es durch Zeichen angezeigt, diese L\u00e4uferin nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberrunde ich einen Marathonl\u00e4ufer, der mir auch schon letztes Jahr beim Sommeralmmarathon aufgefallen war. Er walkt die Marathons in etwa 6 Stunden, tr\u00e4gt eine schweinchenrose Hose sowie ein Shirt in der gleichen Farbe. Dazu hat er in der rechten Hand eine Fahne. Zu Beginn des Laufs ist diese eingerollt, so ab Kilometer 30 rollt er sie aus.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-561\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0529-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein paar Kilometer sp\u00e4ter kann ich immerhin wieder Wasser trinken, es tut gut, zugleich wird die allgemeine Schw\u00e4che zunehmend st\u00e4rker. Selbst bei meinem 70er Lala vor zwei Wochen wo ich die letzten Kilometer wirklich k\u00e4mpfen musste f\u00fchlte ich mich nicht so schwach. In diesem Moment besch\u00e4ftigt mich das nicht, ich laufe weiter und warte ab. An unserem Pavillon wechsle ich mein Shirt und ziehe das Finishershirt vom letzten Sommeralmmarathon an und trockne ich mein Gesicht ab. Dabei sehe ich Marika Heinlein vorbeilaufen. Sie ist seit vielen Jahren regelm\u00e4\u00dfige Spartathlonfinisherin und nimmt seit Jahren bei so gut wie allen \u00fcberlangen Laufveranstaltungen teil.  Mit ihren 59 Jahren h\u00fcpft sie leichtf\u00fc\u00dfig wie ein junges M\u00e4dchen die Strecke entlang, nur ihre grauen Haare verraten ihr wahres Alter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-583\" srcset=\"https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/corneliusrennt.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/DSCN0523-1-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit &#8222;das sieht bei dir aber noch richtig gut aus&#8220; \u00fcberrundet mich Florian mal wieder und holt mich aus meinen Gedanken. Ich berichte von meinen Problemen, er r\u00e4t mir zu alkoholfreiem Bier und zieht wieder davon. Das alkoholfreie Bier bleibt &#8222;drin&#8220;, tut mir gut, dennoch breitet sich die Schw\u00e4che immer weiter in mir aus. Im Vollbesitz meiner Kr\u00e4fte bin ich definitiv nicht, ich bin schwach und stark angeschlagen.  Ich kann ohne Risiko laufen solange ich ich gut f\u00fchle, aber gut f\u00fchle ich mich schon lange nicht mehr, eigentlich seit Kilometer 15 nicht mehr. Belastet ein Weiterlaufen mein Herz? Bleiben dann doch Borrelien zur\u00fcck? Wie langwierig wird sich der Heilungsprozess hinziehen? Wird mein K\u00f6rper wieder ganz heilen?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei etwas Kilometer 43 laufe ich \u00fcber die Br\u00fccke an den Toiletten vorbei zu unserem Pavillon. Zielstrebig laufe ich zum Stuhl, den ich mit den Worten &#8222;damit ich ihn nicht brauche nehmen wir ihn mit&#8220; eingepackt hatte, setze mich auf ihn und vergrabe mein Gesicht im Handtuch um allein zu sein. Mein Kopf will es noch nicht wahrhaben, was der ganze Rest meines Wesens l\u00e4ngst wei\u00df&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;..aber es kann nicht sein was nicht sein darf, also stehe ich nach einer kurzen Weile auf und laufe weiter&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>So hast du  hier nichts verloren, denke ich. Andererseits vielleicht geht ja doch was&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p> &#8222;Im allerh\u00f6chsten Fall k\u00f6nntest du aus deinem K\u00f6rper 140 Kilometer herauspressen verbunden mit einem enorm hohen gesundheitlichen Risiko, h\u00f6r auf&#8220;. Drei Runden lang hadere ich, laufe dann wieder \u00fcber die Br\u00fccke an den Toiletten vorbei zu unserem Pavillon, setze mich auf den Stuhl und h\u00f6re auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Minuten sp\u00e4ter gehe ich einmal noch den Weg zur elektrischen Rundenerfassung und informiere den Veranstalter von meinem Rennabbruch. Der Veranstalter gratuliert mir zu meinem Entschluss dass ich der Gesundheit Vorrang gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie angeschlagen ich wirklich bin merke ich sp\u00e4ter in unserer Unterkunft. Ich laufe die Treppe herunter zum Auto, um Sachen zu holen. Dem Weg die kurze Treppe hinauf in unser Zimmer verursacht bei mir Kreislaufprobleme. Auch am n\u00e4chsten Tag kann ich bei der R\u00fcckfahrt immer nur kurze Zeiten am Steuer sitzen, weil es ist einfach zu anstrengend ist.<\/p>\n\n\n\n<p> In den Stunden nach meinem Rennabbruch f\u00fchlte ich nichts, war innerlich vollkommen leer. Am n\u00e4chsten Tag bei der R\u00fcckfahrt &#8222;sackte&#8220; es, wurde ich unheimlich traurig und ich muss zugeben dieser Rennabbruch war f\u00fcr mich eine harte Nuss. <\/p>\n\n\n\n<p>Beim Laufen f\u00fchle ich mich ungeheuer lebendig. Gerade Wettk\u00e4mpfe sind ganz intensive lebendige Momente f\u00fcr mich, die ich nicht missen m\u00f6chte. Traurigkeit und Niederlagen geh\u00f6ren da auch dazu, diese  machen f\u00fcr mich ein lebendiges Leben aus. Um der Lebendigkeit willen m\u00f6chte ich beides nicht missen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schreiben dieses Berichts hat mir geholfen zu verstehen und zu verarbeiten. Jetzt w\u00fcrde ich sagen ich hatte von Anfang an nur eine sehr geringe Chance. H\u00e4tten meine \u00c4rzte mir abgeraten, w\u00e4re ich nicht gestartet, h\u00e4tte aber dann nicht dieses geile Event erleben d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich bin traurig, an einem Sahnetag kann ich 200 Kilometer laufen, da bin ich mir sicher. Laufen bei Hitze hatte ich trainiert da es bei uns in der S\u00fcdpfalz ins den letzten Wochen an vielen tagen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad hatte. Da w\u00e4re etwas gegangen. Aber es hat nicht sollen sein, ich war nicht im Vollbesitz meiner Kr\u00e4fte. Dennoch bin ich absolut dankbar bei diesem geilen Event gewesen zu sein, teilgenommen zu haben, diese spannenden verr\u00fcckten Menschen getroffen zu haben. Dass ich in der DUV &#8211; Statistik jetzt als 24 h Bestleistung 46 Kilometer stehen habe, muss ich aushalten. Bei Deutschen Meisterschaften im 24 h Lauf m\u00f6chte ich definitiv noch einmal teilnehmen, starten und versuche dann bis zum Schluss dabei zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>W<strong>ie es weitergeht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcbelkeit scheint vom Antibiotikum verursacht worden sein. Da die Borreliose bzw das Antibiotikum mich so geschw\u00e4cht haben wie sie es haben, wird es einige Zeit dauern bis ich fit bin. Ich muss noch einige Tage lang das Antibiotikum nehmen und werde auch dann noch einige Wochen brauchen bis ich wirklich wieder im Vollbesitz meiner Kr\u00e4fte bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Derzeit &#8222;l\u00fcfte&#8220; ich l\u00e4uferisch meine F\u00fc\u00dfe, bin gestern und heute 6 Kilometer gelaufen und werde vorerst weiter nach Gef\u00fchl wenig und langsam laufen. Sobald ich wieder voll fit bin, wird man sehen, was geht. Wenn mich die Pandemie eines gelehrt hat, dann dass man nichts planen kann und absolut im &#8222;Hier und Jetzt&#8220; leben muss. Bin ich Ende September fit genug um in Pilsen einen neuen Anlauf f\u00fcr 24 h zu nehmen? Ist das Pandemiem\u00e4\u00dfig dann m\u00f6glich? Alles ist im Flu\u00df und offen, ich rechne aber eher nicht mit einem weiteren gro\u00dfen Wettkampf meinerseits in diesem Jahr, aber man wird sehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch das heftige und anstrengende Training war v\u00f6llig geil, mein Doppeldecker mit 30 und 60 Kilometern. Zur 70 Kilometereinheit begleitete mich eine Freundin mit Fahrrad und 11 Litern Fl\u00fcssigkeit. Wir liefen bzw. fuhren eine wundersch\u00f6ne S\u00fcdpfalztour. Alles in allem war es das wert und ich w\u00fcrde es wieder so machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dank<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Danke an Albert (&#8222;du spinnst, aber wahrscheinlich schaffst du es sogar, ich traue es dir zu&#8220;),  der mir immer alle n\u00f6tigen Atteste und Bescheinigungen ausstellt, mich zu jeder Tages- oder wenn n\u00f6tig auch Nachtzeit untersucht und ber\u00e4t. Danke an Anke, die mit Neuroathletik meine Verletzungsanf\u00e4lligkeit reduzierte und mir zu einem geraderen, \u00f6konomischen Laufstil verhalf, Angelika f\u00fcr die liebevolle Begleitung, Benjamin f\u00fcrs Reduzieren der k\u00f6rperlichen Dysbalancen, Monika f\u00fcr die besondere Freundschaft, Petra f\u00fcrs Begleiten bei der 70er Einheit mit 11 Litern Fl\u00fcssigkeit in der Satteltasche (&#8222;Petra du spinnst mich 7,5 Stunden mit dem Fahrrad zu begleiten&#8220;, sie &#8222;Nein Cornelius du spinnst 70 Kilometer in der Hitze zu laufen&#8220;), meinem Sohn Gabriel f\u00fcr die Unterst\u00fctzung, er erkundigte sich w\u00e4hrend des Wettkampfes st\u00fcndlich per Handy nach dem Zwischenstand und fieberte mit und meiner Frau Simone dass sie mich aus Liebe immer wieder los- und ziehen l\u00e4sst, weil sie wei\u00df dass ich das brauche.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich laufe \u00fcber die Br\u00fccke an den Toiletten vorbei zu unserem Pavillon. 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